Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Milz (Fleischfresser)

Synonyme: Splen, Lien
Englisch: spleen

1 Definition

Die Milz ist das größte lymphatische Organ der Fleischfresser und geht verschiedenen Funktionen nach.

2 Allgemein

Die Milz entwickelt sich aus Mesenchymverdichtungen im Mesogastrium dorsale und ist daher nahe der Curvatura major des Magens lokalisiert. Sie liegt zwischen den beiden Serosablättern (Paries profundus et superficialis) des Omentum majus. Im weiteren Verlauf der Entwicklung differenzieren sich aus den Mesenchymzellen die Retikulumzellen und die Organkapsel. Gleichzeitig findet eine Einwanderung von Blutstammzellen statt, sodass die Milz nach der Rückbildung des Dottersackes zusammen mit der Leber die Blutbildung beim Fetus (hepatolienale Periode) übernimmt. In dieser Phase geht die Milz der Produktion folgender Blutzellen nach:

Im weiteren Verlauf der Entwicklung und auch postnatal ist die Milz nur noch für die Lymphopoese zuständig. Außerdem ist die Milz für die Aussonderung und gleichzeitigen Abbau von überalterten Erythrozyten zuständig. Gelegentlich können sogenannte Nebenmilzen im großen Netz auffindbar sein.

3 Anatomie

Die Milz der Haussäugetiere ist im Grundbau ein abgeplattetes Organ, das meist scharfkantige Ränder aufweist. Fleischfresser besitzen eine Milz, deren ventraler Abschnitt deutlich verbreitert ist. Sie kann bei großen Hunden bis zu 25 cm lang sein.

3.1 Morphologie

Folgende morphologische Auffälligkeiten zeigt die Milz von Fleischfressern:

  • Facies parietalis: zur Bauchwand zugeneigte Fläche
  • Facies visceralis: zu den Eingeweiden zugeneigte Fläche, hier liegt der Hilus lienis
  • Margo cranialis: zum Kopf zeigender Rand
  • Margo caudalis: zum Schwanz zeigender Rand
  • Extremitas ventralis: zur ventralen Bauchwand geneigter Milzabschnitt
  • Extremitas dorsalis: zur dorsalen Bauchwand geneigter Milzabschnitt

3.2 Topographie

Die Milz ist in der linken Regio hypochondriaca lokalisiert, wobei der kraniale Teil der Facies visceralis den Magen berührt. Der kaudale Abschnitt hingegen ist der linken Niere zugewandt. Beim Fleischfresser ist die Lage der Milz je nach Füllungszustand des Magens sehr variabel. Ist der Magen leer, liegt sie beim Hund intrathorakal, bei der Katze bereits teilweise extrathorakal.

Die Längsachse der Milz verläuft in kaudoventraler Richtung. Hier ist das Ligamentum gastrolienale zu einer großen Sekundärtasche geformt, das als Milznetz bezeichnet wird und als seitliche Abfaltung das Segelnetz (Velum omentale) aufweist.

Die meist spitz ausgebildete Extremitas ventralis zeigt in kranioventrale Richtung und kann somit die Leber und ventrale Bauchwand erreichen. Die Milz liegt dabei der linken Thoraxwand großflächig an und kann mittels Ultraschall gut erkundet werden. Liegt oder sitzt das Tier, so kann sich die Lage der Milz beim Hund partiell nach extrathorakal verschieben und kann dann durch die Bauchwand hindurch palpiert werden.

3.3 Gefäßversorgung

Die Gefäßversorgung entstammt den unpaaren Bauchgefäßen, die wiederum ihre Äste zur Milz abgeben.

3.3.1 Arterien

Die Bauchaorta gibt die Arteria coeliaca ab, von der aus die Arteria lienalis nach links zieht. Sie läuft im Omentum majus zum Milzhilus und den Milzrand entlang und gibt dabei Rami lienales ab.

3.3.2 Venen

Der venöse Abfluss erfolgt über die gleichnamige Vena lienalis, die wiederum in die Vena portae mündet.

3.3.3 Intralienaler Blutfluss

Der Blutfluss zur, durch die und aus der Milz gestaltet sich wie folgt:

  • Arteria lienalis
  • Arteria trabecularis
  • Arteria pulpae albae
  • Arteria pulpae rubrae
  • Sinusoide der roten Milzpulpa
  • Vena pulpae rubrae
  • Vena trabecularis
  • Vena lienalis

3.3.4 Lymphe

Die Lymphgefäße der Milz münden in die am Milzhilus befindlichen Lymphonodi lienales.

3.4 Innervation

Die Milz wird über das vegetative Nervensystem, vorwiegend über sympathische Nervenfasern innerviert. Sie steuern v.a. die kontraktilen Elemente, also die glatte Muskulatur und die Retikulumzellen. Die hierfür eintretenden Milznerven sind meist stark ausgebildet und entstammen dem Plexus coeliacus.

3.5 Milzbänder

Die Milz ist über folgende Bänder fixiert:

4 Histologie

Die Milz besitzt einen komplexen Bau, der von außen nach innen besprochen wird. Unter dem Bauchfellüberzug liegen folgende Schichten:

4.1 Milzkapsel

Die Organkapsel besteht aus elastischen Fasern, die mit reichlich (bis zu 80%) glatten Muskelzellen versetzt ist. Die Kapsel gibt zahlreiche, ins Organinnere ziehende, muskulöse Milzbalken, Trabeculae lienis, ab. Diese Trabekel werden von Trabekelarterien und -venen begleitet und bilden ein schwammartiges Gerüst.

4.2 Milzpulpa

In das von Trabekeln und zugehörigen Gefäßen gebildete Gerüst ist ein feines Maschenwerk aus retikulärem Bindegewebe eingefügt. Es enthält zahlreiche Aufzweigungen von Blutgefäßen und liegt insgesamt in breiartiger Konsistenz vor, weshalb es in Summe als Milzpulpa bezeichnet wird. Die Pulpa kann aufgrund ihrer Funktion und Farbe aufgeteilt werden in:

  • rote Milzpulpa (Pulpa lienis rubra): aufgrund des großen Blutgehaltes erscheint die Pulpa rot und ist mit zahlreichen Milzkörperchen (Lymphonoduli lienales, Malpighi-Körperchen) versetzt; es besteht aus sogenannten Pulpasträngen, einem feinmaschigen und blutgefüllten Netzwerk aus Retikulumzellen und den sie begleitenden, wechselnd weiten Blutsinus (Sinusmilz-Typ) oder venösen Kapillaren bzw. Venolen (Retikulummilz-Typ)
  • weiße Milzpulpa (Pulpa lienis alba): knötchenförmige, weißliche Gebilde (Milzkörperchen) stellen die Bildungsstätte der Lymphozyten dar und werden in ihrer Gesamtheit als weiße Milzpulpa zusammengefasst

5 Klinik

Ist die Milz vergrößert, kann sich die Extremitas ventralis über die ventrale Bauchwand bis auf die rechte Körperseite verschieben. Wird dann ein Röntgenbild erstellt, erscheint ihr dreieckiger Querschnitt an der ventralen Bauchwand.

6 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.
  • Künzel, Wolfgang. Topographische Anatomie, Hochschülerschaft Veterinärmedizinische Universität (Hersausgeber), 3. Auflage. WS 2011/12
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Egerbacher, Monika, Gabner, Simone et al., Gewebelehre und mikroskopische Anatomie. Skriptum für Übungen und Konversatorien der Histologie. Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand: 01.10.2015

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

2 Wertungen (3.5 ø)

731 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: