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Intramuskuläre Injektion

Synonym: i.m.-Injektion
Englisch: intramuscular injection

1 Definition

Unter einer intramuskulären Injektion versteht man die Injektion in einen Muskel, beispielsweise den Musculus gluteus medius oder den Musculus deltoideus.

2 Injektionsstellen

2.1 Glutealregion

Entgegen alter Lehrmeinungen sollte der Musculus gluteus maximus aufgrund der Verletzungsgefahr des unter ihm verlaufenden Nervus ischiadicus nicht punktiert werden. Zur Injektion in den Musculus gluteus medius kommen zwei Techniken in Betracht:

2.2 Oberschenkel

2.3 Oberarm

Eine Alternative zu den oben beschriebenen Techniken stellt die intramuskuläre Injektion in den Musculus deltoideus dar, die in der Regel am sitzenden oder stehenden (cave!) Patienten durchgeführt wird. Der Injektionsort ist die Hauptmasse des Musculus deltoideus. Die Injektionsnadel wird senkrecht zur Hautoberfläche, etwa drei QF unterhalb des Acromions eingestochen.

Auf Grund der geringen Muskelmasse eignet sich die intramuskuläre Injektion in den Musculus deltoideus nur für kleinere Injektionsvolumina (< 2 ml), z.B. im Rahmen von Impfungen.

3 Vorbereitung

Für eine lege artis ausgeführte intramuskuläre Injektion werden folgende Materialien benötigt:

Material Zweck
Einmalhandschuhe Hygiene, Infektionsschutz
Desinfektionsmittel Hautdesinfektion der Injektionsstelle
Steriler Tupfer Einreiben des Desinfektionsmittels, Kompression der Punktionsstelle nach der Injektion
Injektionslösung Wirkstoffgabe
Einmalspritze Aufnahme der Injektionslösung
Aufziehkanüle Zum Aufziehen der Injektionslösung in die Spritze, falls kein Fertigspritze verwendet wird
Injektionskanüle Zur Punktion des Muskels
Pflaster Wundverband nach der Injektion
Kanülenbox Entsorgung der benutzten Kanülen

4 Kanülen

Die Wahl der Kanülenlänge ist abhängig vom Patienten und vom gewählten Injektionsort. Es werden Kanülen mit einer Länge von 25 bis 70 mm verwendet. Bei Neugeborenen reicht eine 15 mm Kanüle aus.

Eine zu kurze Kanüle kann - insbesondere bei adipösen Patienten - zu einer Fehlinjektion in das subkutane Fettgewebe führen, was die Wirkstoffanflutung verändert und Fettgewebsatrophien auslösen kann. Beim zu tiefen Einstechen mit einer langen Kanüle kann sich die Spitze der Kanüle durch Knochenkontakt deformieren, was beim Zurückziehen zu unnötigen Gewebszerreißungen im Stichkanal führt.

5 Hautdesinfektion

Für die Hautdesinfektion der Punktionsstelle kann das Sprüh- oder Einreibeverfahren gewählt werden. Dabei sind die vom Hersteller angegebenen Einwirkzeiten zu beachten. Das Desinfektionsmittel sollte minimal 30 Sekunden einwirken und anschließend 30 Sekunden abtrocknen, bevor die i.m.-Injektion unternommen wird. Ein flüchtiges "Überwischen" der Punktionsstelle ist keine suffiziente Hautdesinfektion.

Obwohl dieses Vorgehen als "best practice" etabliert ist, ist die Wirksamkeit einer Hautdesinfektion bei i.m.-Injektionen im Hinblick auf die Vermeidung von Komplikationen in der wissenschaftlichen Literatur nicht eindeutig belegt.

Nach den Empfehlungen der WHO ist bei Impfungen keine vorherige Hautdesinfektion notwendig.[1]

6 Aspiration

Bei der Aspiration wird der Spritzenstempel kurz zurückgezogen, um sicher zu stellen, dass mit der Kanüle kein Blutgefäß getroffen wurde. Dieses Vorgehen basiert auf der Überlegung, dass es bei der Injektion in ein intramuskuläres Blutgefäß zu einem zu schnellen Anfluten des Wirkstoffes oder zu einer Hämatombildung im Muskel kommen könnte.

Nach neueren Untersuchungen wird die Aspiration bei i.m-Injektionen nicht mehr empfohlen, da es keine Evidenz dafür gibt, dass diese Maßnahme Injektionszwischenfälle verhindert.[2]

Bei der i.m.-Injektion von Impfstoffen empfiehlt das RKI, zur Stress- und Schmerzreduktion auf die Aspiration zu verzichten.[3]

7 Komplikationen

Eine sachgerecht durchgeführte intramuskuläre Injektion verläuft in der Regel komplikationslos. Zu den möglichen Komplikationen zählen:

Bei wiederholten Injektionen kann es ferner zu einer Muskelfibrose und/oder Verkalkungen im Muskel- oder Fettgewebe kommen.

8 Kontraindikationen

9 Rechtliche Aspekte

Die intramuskuläre Injektion ist eine ärztliche Tätigkeit, die vom Arzt nach vorheriger Überprüfung der jeweiligen Fachkenntnis an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal (Pflegepersonal) delegiert werden kann. Der Durchführende trägt die Verantwortung für die fachkompetente Ausführung (Durchführungsverantwortung).

10 Quellen

  1. WHO Best Practices for Injections and Related Procedures Toolkit, WHO 2010, abgerufen am 11.9.2019
  2. Sepah Y et al.: Aspiration in injections: should we continue or abandon the practice? Version 3. F1000Res. 2014; 3: 157. Published online 2017 Mar 1. doi: 10.12688/f1000research.1113.3 PMID: 28344770
  3. Warum hat die STIKO empfohlen, auf eine Aspiration bei der Injektion von Impfstoffen zu verzichten? rki.de abgerufen am 4.7.2018

Diese Seite wurde zuletzt am 29. März 2021 um 16:16 Uhr bearbeitet.

zu 5. Hautdesinfektion die WHO rät ausdrücklich von einer Haut-Desinfektion ab, leider ohne Erklärung ? WHO: "DO NOT use alcohol skin disinfection for administration of vaccinations."
#9 vor 23 Tagen von Roland Borst (Mitarbeiter/in Industrie | Agentur)
Ich habe den entsprechenden Abschnitt aktualisiert. Da es wenig Evidenz für die Sinnhaftigkeit der Aspiration gibt, kommen mittlerweile viele Publikationen zu dem Schluss, dass sie generell überflüssig ist. Quelle im Footer.
#8 vor 28 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
3. Es handelt sich nach meinem Verständnis lediglich um eine Empfehlung, nicht aber um den Inhalt einer Leitlinie oder gar um eine bindende Richtlinie. Zudem wurde die Empfehlung der STIKO seit Jahren nicht aktualisiert, dies insbesondere auch nicht im Hinblick auf die aktuellen mRNA-Vakzine. Dies erstaunt, ist doch das allgemeine Vorgehen beim Verabreichen von Medikamenten (und somit auch beim Impfen) u. a. abhängig vom Arzneimittel und kann insbesondere in Abhängigkeit vom Individuum bzw. Impfling abweichen. 4. Vor diesem Hintergrund befremdet, dass zumindest ein "Corona-Impfzentrum" in Deutschland selbst Personen mit schwerwiegenden anaphylaktischen Reaktionen in der Vorgeschichte (und entgegen der dringenden Empfehlung mehrerer vorab in die Fallführung eingebundener Allergologen) mittels eines äussert aggressiven impfärztlichen Vorgehens zwingt, eine i. m.-Gabe von Comirnaty® ohne vorherige Aspiration (→ zur Vermeidung einer versehentlichen intravasalen Injektion) durchführen zu lassen. Den betreffenden Impflingen wurde als einzige Alternative zu diesem Vorgehen angeboten, "umgehend zu verschwinden".
#7 vor 28 Tagen von Gast (Arzt | Ärztin)
Gast
1. "Unabhängig von der gewählten Technik sollte vor der Injektion immer eine Aspiration erfolgen." Sehr geehrter Herr Antwerpes, können Sie mir bitte die diesbezügliche Literatur benennen? Vielen Dank für Ihre Mühe! 2. Die Empfehlung der STIKO, keine Aspiration mehr durchzuführen ("da die lokalen Gefäße zu klein sind, um eine Gefahr für intravasale Injektionen darzustellen, und eine schnelle Injektion Schmerzen reduzieren kann") basiert massgeblich auf "Taddio A, et al; Reducing the pain of childhood vaccination: an evidence-based clinical practice guideline. CMAJ. 2010 Dec 14; 182(18): 1989–1995." Bzw. auf den bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Hamburg empfohlenen Strategien. Entsprechende (evidenzbasierte) Empfehlungen erwachsene Impflinge betreffend habe ich nicht gefunden. Könnten Sie mir ggf. entsprechende Quellen benennen?
#6 vor 28 Tagen von Gast (Arzt | Ärztin)
Die Informationen finden Sie in der englischen Version der Quelle in der Tabelle " Skin preparation for different types of injection" auf Seite 7. Viele Grüße
#5 am 06.01.2021 von Natascha van den Höfel (DocCheck Team)
Herr Antwerpes, eine Frage zu Punkt 5, letzter Satz: Ich kann eine solche Empfehlung bei der WHO nicht finden, helfen Sie mir da bitte. MfG, Peter Eglins peter.eglins@t-online.de
#4 am 06.01.2021 von Peter Eglins (Arzt | Ärztin)
Das bezieht sich aber nur auf die Impfung, nicht auf i.m.-Injektionen im Allgemeinen.
#3 am 04.07.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Nach Aktueller STIKO-Empfehlung KEINE ASPIRATION bei i.m. Injektionen in die empfohlenen Muskeln, heißt Deltoideus und Vastus Lateralis, weil keine verzeichneten Unfälle bei fehlender Aspiration, dafür aber deutlich mehr Stress und Schmerzen bei Aspiration. (Wie es mit den ventroglutealen Regionen aussieht, weiß ich gerade nicht)
#1 am 04.07.2018 von Nicolas Erdal (Student/in der Humanmedizin)

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