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Herpesvirus

Synonyme: Herpesviridae
Englisch: herpes viruses

1 Definition

Die Herpesviren sind eine mehr als 130 Arten umfassende Familie von DNA-Viren in der Ordnung Herpesvirales. Sie sind 150-200 nm groß, verfügen über eine Hüllenmembran und eine kubische Form. Herpesviren rufen trotz sehr enger struktureller Gemeinsamkeiten äußerst unterschiedliche Erkrankungen hervor.

2 Einteilung

2.1 Alphavirinae

Alphaherpesviren zeichnen sich durch ein breites Wirtszellpektrum und eine schnelle Replikation aus. Sie persistieren in Ganglienzellen. Zu ihnen zählen:

2.2 Betavirinae

Betaherpesviren haben ein enges Wirtszellspektrum und replizieren langsam. Sie führen zur Bildung von Riesenzellen.

2.3 Gammavirinae

Gammaherpesviren haben ein sehr enges Wirtszellspektrum. Ihre Replikation verläuft langsam. Sie persistieren in B-Lymphozyten und sind potentiell onkogen.

3 Humanpathogene Herpesviren

Nach der neueren Namenskonvention werden die Herpesviren systematisch nach ihrer primären Wirtsspezies und dem Zusatz "Herpesvirus" sowie einer Zahl benannt. Beim Menschen werden nach dieser Nomenklatur 8 Viren unterschieden. Da die traditionellen Namen sich jedoch im klinischen Alltag festgesetzt haben, werden die neuen Namen nicht konsequent eingesetzt.

4 Morphologie

Herpesviren haben ein Durchmesser von etwa 120 bis 200 nm. Sie gehören damit neben den Pockenviren zu den größten bekannten Viren. Unter dem Elektronenmikroskop sieht man meist eine unregelmäßige, eingedellte Virushülle, die als Artefakt durch die Präparation auftritt. Zwischen Virushülle und Kapsid befindet sich ein relativ großer Matrixraum, der mit zahlreichen Strukturproteinen angefüllt ist. Das 100–110 nm große Kapsid ist ikosaedrisch geformt.

5 Lebenszyklus

Die Infektion mit Herpesviren beginnt damit, dass Viruspartikel mit spezifischen Rezeptormolekülen auf der Zelloberfläche der Wirtszelle interagieren. Nach der Bindung der Glykoproteine des Envelopes an seine Membranrezeptoren wird das Virion internalisiert und das Kapsid im Zytoplasma aufgelöst. Die freigesetzte DNA wird in den Zellkern verlagert.

Alle Herpesviren vermehren sich im Zellkern. Die virale DNA wird dort repliziert und in mRNA umgeschrieben, welche die Produktion neuer Viren durch die Proteinmaschinerie der Zelle in Gang setzt.

Im Rahmen symptomatischer Infektionen vermehren sich rasch neue Viruspartikel in den infizierten Zellen, die schließlich unter Einwirkung lytischer Virusenzyme die Zelle auflösen und die Viren freisetzen. In anderen Zellen werden stattdessen Virusgene produziert, die man als Latency-Associated Transcript (LAT bzw. HHV LAT) bezeichnet. Sie führen zu einer latenten, symptomfreien Infektion, die es dem Virus ermöglicht, nahezu unbegrenzt in der Zelle zu persistieren.

Die Reaktivierung dieser latenten Infektion ist z.B. für den Herpes zoster verantwortlich, der Jahre bis Jahrzehnte nach einer HHV-3-Primärinfektion ausbrechen kann.

Fachgebiete: Virologie

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