Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Varizellen

(Weitergeleitet von Windpocken)

Synonyme: Windpocken, Varizellen-Zoster, Wasserpocken, Schafblattern
Englisch: chickenpox, varicella

1 Definition

Varizellen sind eine durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) aus der Familie der Herpesviren hervorgerufene Infektionskrankheit, die vorwiegend im Kindesalter auftritt.

2 Übertragung

Varizellen sind äußerst kontagiös. Wenn ein Familienmitglied Windpocken hat, werden sich 80-90% der anderen Familienmitglieder, die durch eine vorherige Infektion noch keine Antikörper gebildet haben, anstecken.

Die Patienten werden etwa 2 Tage vor Ausbruch des Exanthems zur Ansteckungsquelle. Die Ansteckungsgefahr dauert so lange an, bis alle Effloreszenzen verkrustet sind.

Schwangere Frauen sollten Kontakt zu Personen mit Varizellen meiden - insbesondere, wenn nicht sicher ist, ob sie schon eine Varizellen-Infektion hinter sich haben. Bei einer Infektion des Fetus, vor allem vor der 20. Schwangerschaftswoche, kann es zu Missbildungen und Abort kommen.

3 Symptome

Die Krankheit bricht typischerweise in den Wintermonaten oder im Frühjahr aus. Die typischen Symptome sind:

Das typische Varizellen-Exanthem zeigt kleine, rundliche rote Flecken oder Papeln, aus denen sich rasch sekretgefüllte Vesikel (Bläschen) mit entzündlichem roten Hof entwickeln. Die Vesikel verwandeln sich durch Einwanderung von Entzündungszellen in Pusteln. Nach dem Eintrocknen der Vesikel oder Pusteln bilden sich dünne Krusten. Der Ausschlag beginnt in der Regel am Rumpf und dehnt sich - in dieser Reihenfolge - auf den behaarten Kopf, das Gesicht und die Extremitäten aus. Charakteristischerweise sind die Handinnenflächen und Fußsohlen nicht vom Exanthem betroffen.

Neben der Haut kann auch die Mundschleimhaut in Form eines Enanthems betroffen sein.

Das Nebeneinander neu entstehender und abheilender Hautläsionen führt zum typischen "bunten" Bild der Varizellen, das auch treffend als "Sternenhimmel" oder "Heubnersche-Sternenkarte" bezeichnet wird.

4 Verlauf

Die Inkubationszeit liegt zwischen 8 und 21 Tagen nach Exposition, die meisten Erkrankungen werden nach etwa 14 Tagen manifest. Insgesamt dauert die Varizellen-Erkrankung dann zwischen 7 und 10 Tagen. Bei Erwachsenen kann dieser Zeitraum verlängert sein.

In der Regel zeigen Varizellen einen milden Krankheitsverlauf. Die Infektion kann jedoch bei Kleinkindern, Erwachsenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem schwerer verlaufen. Die häufigste Komplikation der Varizellen ist eine bakterielle Superinfektion, die vor allem die Haut, aber auch andere Organe befallen kann. Weitere ernsthafte Komplikationen sind die Viruspneumonie und die Varizellen-Encephalitis.

Nach Abklingen der Varizellen-Infektion kann sich VZV in Neuronen der Spinalganglien vor der vollständigen Eradikation durch das Immunsystem verstecken. Es besteht dann eine latente Infektion, die zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert werden kann - insbesondere bei passagerer Immundefizienz. Diese Folgeerkrankung nennt man Zoster (Gürtelrose).

5 Prävention

5.1 Aktive Immunisierung

Seit Mitte der 90er Jahre sind Impfstoffe gegen Varizellen verfügbar, die in bis zu 95% der Fälle erfolgreich sind. Die Impfung führt dazu, dass die Infektion symptomfrei oder mit generell milderer Symptomatik abläuft. Der geeignetste Zeitpunkt für die Impfung ist das Alter zwischen 12 und 18 Monaten.

5.2 Passive Immunisierung

Die Impfung ist nur erfolgreich, wenn sie vor der Exposition erfolgt. Bei Risikopatienten und Schwangeren, die mit Windpocken-Patienten Kontakt hatten, kann eine passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin erfolgen. Die übliche Dosierung beträgt 1 ml/kg KG i.v. oder 0,2 - 0,5 ml/kg KG i.m..

6 Therapie

Wie bei vielen anderen Virusinfektionen gibt es auch gegen Varizellen zur Zeit (2005) keine effektive Therapie. Der beste Schutz ist die rechtzeitige Impfung.

6.1 Allgemeinmaßnahmen

Um das Aufkratzen der juckenden Bläschen und damit die Gefahr der bakteriellen Infektion zu vermeiden, sollten bei den erkrankten Kindern die Nägel kurz geschnitten werden.

Cave: Acetylsalicylsäure (Aspirin®) ist bei Kindern mit Varizellen gegen Fieber kontraindiziert, da die Gefahr eines Reye-Syndroms besteht. Statt dessen kann Paracetamol gegeben werden.

6.2 Virustatika

Bei Kindern über 12 Jahren können Virustatika (z.B. Aciclovir) verabreicht werden. Sie können den Krankheitsverlauf abmildern. Diese Behandlung wird vorwiegend bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem eingesetzt. Die Medikamentengabe muss innerhalb von 24 Stunden nach Ausbruch des Exanthems einsetzen, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand von der Infektion sinkt die Effizienz.

6.3 Antibiotika

Antibiotika sind gegen Varizellen wirkungslos. Sie werden jedoch verordnet, wenn beim Patienten bakterielle Superinfektionen auftreten.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

36 Wertungen (2.92 ø)

167.477 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: