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Clostridium difficile

von altgriechisch: κλωστήρ ("kloster") - Spindel; lateinisch: difficile - schwierig
Synonyme: C. difficile, C. diff
Englisch: Clostridioides difficile

1 Definition

Clostridium difficile ist ein obligat anaerobes, bewegliches, gram-positives Stäbchenbakterium, das zur Sporenbildung befähigt ist. Das Bakterium ist einer der häufigsten Erreger von Nosokomialinfektionen. Nach neuerer Nomenklatur (2016) wird es Clostridioides difficile genannt.

2 Systematik

3 Vorkommen

Clostridium difficile kommt ubiquitär in der Umwelt und im Magen-Darm-Trakt von Menschen vor. Beim Menschen ist der Erreger häufig im Darm von Kleinkindern zu finden (bis zu 80%). Erwachsene hingegen weisen nur eine geringere Besiedlung (unter 5%) auf. Nach einem Krankenhausaufenthalt sind etwa 20 bis 40% der Patienten mit Clostridium difficile besiedelt, wobei sie häufig asymptomatisch bleiben.

4 Pathomechanismus

Clostridium difficile produziert verschiedene Exotoxine, wie Enterotoxin A und Zytotoxin B, die zu einer Zerstörung der Epithelzellen der Darmschleimhaut führen. Beide Toxine sind Glucosyltransferasen, die GTPasen der Rho-Familie inaktivieren. Zytotxin B induziert dadurch eine Depolymerisation des Aktins. Weitere Toxine wurde beschrieben - ihre pathogenetische Bedeutung ist jedoch noch offen.

Zusätzliche Virulenzfaktoren von Clostridium difficile sind Adhäsine, welche die Bindung an das Darmepithel vermitteln, und Hyaluronidase. Der Erreger sezerniert außerdem p-Kresol, um das Wachstum von anderen Mikroorganismen in seiner Umgebung zu unterdrücken. Damit verschafft er sich einen Selektionsvorteil gegenüber der normalen Darmflora.

In den letzten Jahren zeigte sich neben einem Anstieg der Inzidenz von Infektionen mit Clostridium difficile auch das vermehrte regionale Auftreten von hochvirulenten Stämmen in Clustern, wie etwa dem Ribotyp 027. Beim Ribotyp 027 liegt eine Punktmutation (Deletion) im Toxingen vor, was schwere Krankheitsverläufe mit deutlich vermehrter Toxinexpression (A+B) zur Folge hat. Diese hochvirulenten Stämme weisen häufig Resistenzen gegen mehrere Antibiotika (z.B. Erythromycin oder Moxifloxacin) auf.

5 Übertragungsweg

Clostridium difficile wird fäkal-oral übertragen. Der Erreger kommt auch als Kommensale in der Darmflora mancher Patienten vor.

6 Klinik

Eine Infektion mit Clostridium difficile löst eine akute Darmentzündung (Enteritis) mit schleimig-blutigen Diarrhöen, Fieber und Bauchkrämpfen aus. Der Stuhl hat einen fötiden Geruch. Durchfallbedingt kann es zu einer Exsikkose kommen.

Die Schwere der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö variiert stark. In der Mehrzahl der Fälle kommt es zu einem leichten bis mittelschweren Krankheitsverlauf. Die schwerste Verlaufsform imponiert unter dem Bild der pseudomembranösen Colitis mit der Ausbildung von Pseudomembranen auf den Colonwänden. Weiterhin ist die Entstehung eines toxischen Megacolon möglich.

7 Nachweis

Als Screeningtest eignet sich das Clostridium-difficile-spezifische Enzym Glutamat-Dehydrogenase (GDH). Es wird sowohl von toxigenen als auch von nicht-toxigenen Stämmen produziert.

Die Infektion mit pathogenen Stämmen wird über den Nachweis der Toxine in einer Stuhlprobe belegt (Toxin A/B-Test). Er kann per Zellkultur (Hemmung des Zellwachstums) oder per ELISA erfolgen. Präanalytische Faktoren (lange Transportzeit, falsche Probenlagerung) können zu einem Toxinabbau führen und falsch negative Testergebnisse verursachen.

Die Kultivierung des Erregers ist aufwändig, aber nicht sinnvoll, da der Erreger auch bei Gesunden vorkommt.

Die pseudomembranöse Colitis kann endoskopisch durch eine Koloskopie diagnostiziert werden.

8 Therapie

Die antibiotische Therapie von Clostridium-difficile-Infektionen ist anspruchsvoll, da der Erreger Resistenzen entwickelt und sich der Therapie durch Sporenbildung und den schützenden Effekt der Pseudomembranen entzieht.

Die Behandlung wird mit Metronidazol (4 x 250 mg oder 3 x 500 mg oral/i.v.) oder Vancomycin (4 x 125 mg oral) durchgeführt. Die Therapiedauer sollte ca. 10 Tage betragen.[1]

Metronidazol wird vorzugsweise bei Patienten mit einem nichtschweren Verlauf eingesetzt, da Metronidazol hier eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie Vancomycin hat. Vancomycin ist die Therapie der Wahl bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf sowie bei Schwangerschaft und Kindern unter 10 Jahren.

Bei rezidivierenden Verläufen kann anstelle von Vancomycin das orale Schmalspektrumantibiotikum Fidaxomicin (200 mg Tabletten) über 10 Tage gegeben werden (1 - 0 - 1). Nachteil sind die mit rund 2.100 Euro relativ hohen Kosten der Behandlung.[2]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Bei Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheitsbildern (z.B. toxisches Megakolon) wird eine Kombinationstherapie mit Vancomycin und Metronidazol empfohlen. Im Falle einer Sepsis kann Metronidazol kann auch intravenös gegeben werden.

9 Leitlinien

AWMF Leitlinie zu Hygienemaßnahmen bei Vorkommen von Clostridium difficile

10 Quellen

  1. "RKI-Ratgeber Clostridium difficile", Robert Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Stand: 19.05.2016
  2. Fidaxomicin (Dificlir) Bbei Clostridien-assoziierter Diarrhö Arzneitelegramm 2013; 44: 27-8

11 Literatur

  • Laborlexikon.de; abgerufen am 25.02.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 26. Februar 2021 um 17:33 Uhr bearbeitet.

Ergänzt. Danke für den Hinweis.
#2 am 01.03.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
-Bei schweren Fällen Fidaxomicin 200 mg 1-0-1,bei schwerer Sepsis auch Clont i.v. zusätztlich. -Therapie und isolierung bis keine Durchfälle mehr vorkommen(Toxine NAchweis bleibt oft >6 Monate erhalten).
#1 am 28.02.2019 von Zurab Lekuridze (Arzt | Ärztin)

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