Moxifloxacin
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LoslegenHandelsnamen: Avalox®, Actira®, Vigamox®, Avelox®
Synonym: "Moxi"
Englisch: moxifloxacin
Definition
Moxifloxacin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antibiotika und gehört zu den Fluorchinolonen bzw. Gyrasehemmern.
Hintergrund
Im deutschsprachigen Raum wird es häufig der 4. Generation dieser Fluorchinolone zugerechnet. Diese Generationeneinteilung wird allerdings uneinheitlich gehandhabt und ist international wenig gebräuchlich.
Chemie
Moxifloxacin ist ein synthetisches Fluorchinolon-Derivat mit der Summenformel C21H24FN3O4 und einer molaren Masse von 401,43 g/mol.[1] Der systematische Name lautet 1-Cyclopropyl-6-fluor-8-methoxy-7-[(4aS,7aS)-octahydro-6H-pyrrolo[3,4-b]pyridin-6-yl]-4-oxo-1,4-dihydrochinolin-3-carbonsäure.
Wirkmechanismus
Moxifloxacin hemmt sowohl die bakterielle DNA-Gyrase (Topoisomerase II) als auch die Topoisomerase IV. Beide Enzyme sind für die Entwindung und Trennung der bakteriellen DNA während Replikation und Transkription notwendig. Ihre Hemmung führt zum Absterben des Bakteriums. Die zusätzliche Hemmung der Topoisomerase IV erklärt die im Vergleich zu älteren Fluorchinolonen verbesserte Wirksamkeit gegen grampositive Erreger.[1]
Pharmakokinetik
Nach oraler Gabe wird Moxifloxacin rasch und nahezu vollständig resorbiert (Bioverfügbarkeit ca. 91 %); die maximale Plasmakonzentration von ca. 3,1 mg/l wird nach 0,5–4 Stunden erreicht. Nach intravenöser Infusion liegt die Spitzenkonzentration ca. 26 % höher. Die Plasmaproteinbindung beträgt 40–42 % und ist konzentrationsunabhängig. Moxifloxacin wird überwiegend durch Phase-II-Reaktionen metabolisiert und renal sowie biliär eliminiert, ohne relevante Beteiligung von Cytochrom-P450-Enzymen. Die Halbwertszeit beträgt etwa 12 Stunden.[1]
Indikationen
Moxifloxacin hat unter den Fluorchinolonen die beste Wirksamkeit gegen grampositive und anaerobe Bakterien.[2] Indikationen für Moxifloxacin sind gemäß Fachinformation:[1]
- akute bakterielle Sinusitis
- akute Exazerbation einer COPD oder chronischen Bronchitis
- ambulant erworbene Pneumonie (zusätzlich, aber nicht vorrangig[3])
- komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen (nur i.v.)
- Infektionen des oberen weiblichen Genitaltrakts, einschließlich Salpingitis und Endometritis
- Infektionen durch Keime wie Legionellen und Mykoplasmen
- eitrige, bakterielle Konjunktivitis (topisch)
Eine Therapie mit Moxifloxacin sollte aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nur dann erfolgen, wenn andere Antibiotika nicht wirksam sind bzw. keine Besserung erzielen. Im Jahr 2008 schränkte die EMA die orale Anwendung von Moxifloxacin bei Pneumonie, akuter bakterieller Sinusitis und akuter COPD-Exazerbation entsprechend ein.[4] 2019 wurde die Anwendung systemischer Fluorchinolone EU-weit zusätzlich eingeschränkt, nachdem die EMA seltene, aber langanhaltende und möglicherweise irreversible muskuloskelettale und neuropsychiatrische Nebenwirkungen identifiziert hatte. Moxifloxacin soll seither nur noch eingesetzt werden, wenn keine geeigneten Therapiealternativen bestehen.[5]
Darreichungsformen
Moxifloxacin steht als Filmtablette zur oralen Einnahme, als Augentropfen zur topischen Anwendung am Auge sowie als Infusionslösung zur intravenösen Applikation zur Verfügung. Die intravenöse Infusion wird über 60 Minuten verabreicht, die Filmtablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen.[1]
Dosierung
Die Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Fachinformation. Die übliche Dosis beträgt sowohl bei oraler als auch bei intravenöser Gabe 400 mg Moxifloxacin einmal täglich. Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Indikation: 5–10 Tage bei akuter COPD-Exazerbation, 7 Tage bei akuter bakterieller Sinusitis, 7–14 Tage bei ambulant erworbener Pneumonie und 7–21 Tage bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen. Nach initial intravenöser Therapie kann, meist nach 4–6 Tagen, auf orale Gabe umgestellt werden. Bei topischer Anwendung am Auge werden in der Regel dreimal täglich ein Tropfen appliziert, üblicherweise für 5–7 Tage.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- QT-Zeit-Verlängerung, v.a. bei Hypokaliämie oder vorbestehender QT-Verlängerung[6]
- Kopfschmerzen und Benommenheit
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen
- Transaminasenanstieg, Hepatitis, Leberversagen (tödlicher Ausgang möglich)
- Tendinitis und Sehnenruptur, v.a. bei gleichzeitiger Gabe von Kortikosteroiden[7]
- Aortenaneurysma und Aortendissektion, insbesondere bei älteren Patienten und vorbestehenden Risikofaktoren (z.B. Marfan-Syndrom, Hypertonie)[7]
- Herzklappenregurgitation und -insuffizienz[8]
- periphere Neuropathie und psychiatrische Reaktionen (u.a. Angst, Schlafstörungen)[7]
- Toxische epidermale Nekrolyse und Stevens-Johnson-Syndrom
- Verschlimmerung der Symptome einer bestehenden Myasthenia gravis
- Rhabdomyolyse
- Photosensibilisierung (im Vergleich zu älteren Fluorchinolonen seltener)[2]
Wechselwirkungen
- Gleichzeitige Gabe anderer QT-Zeit-verlängernder Arzneimittel (z.B. bestimmte Antiarrhythmika, Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva) erhöht das Risiko ventrikulärer Herzrhythmusstörungen.
- Kaliumsenkende Arzneimittel (z.B. bestimmte Diuretika, Laxanzien) verstärken das Arrhythmierisiko zusätzlich.
- Mehrwertige Kationen (Antazida, Sucralfat, Eisen-, Zink-, Calcium- und Magnesiumpräparate) reduzieren die Resorption von Moxifloxacin deutlich; ein Einnahmeabstand von mindestens 6 Stunden wird empfohlen.
- Aktivkohle vermindert die Resorption erheblich und sollte – außer bei Überdosierung – nicht gleichzeitig eingenommen werden.
- Orale Antikoagulanzien: mögliche Wirkungsverstärkung mit Veränderung des INR, daher engmaschige Gerinnungskontrolle empfohlen.
- Keine klinisch relevante Interaktion mit Theophyllin, Warfarin, Digoxin oder Nahrungsmitteln (inkl. Milchprodukten).[1][2]
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Moxifloxacin oder anderen Chinolonen
- Schwangerschaft und Stillzeit (unzureichende Sicherheitsdaten beim Menschen; in tierexperimentellen Studien wurden Knorpel- und Gelenkschäden beobachtet)
- Patienten unter 18 Jahren
- Sehnenerkrankungen oder -schäden nach vorheriger Chinolontherapie
- schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter einer früheren Therapie mit Fluorchinolonen oder Chinolonen – eine erneute Anwendung von Fluorchinolonen (einschließlich Moxifloxacin) wird in diesem Fall nicht empfohlen[5]
- angeborene oder dokumentierte erworbene QT-Zeit-Verlängerung
- unkorrigierte Hypokaliämie oder andere relevante Elektrolytstörungen
- klinisch relevante Bradykardie
- Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion
- symptomatische Herzrhythmusstörung in der Vorgeschichte
- gleichzeitige Therapie mit anderen QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln
- eingeschränkte Leberfunktion (Child-Pugh C) bzw. Transaminasenanstieg über das Fünffache des oberen Normwerts[1]
Zulassung
Moxifloxacin ist in Deutschland seit September 1999 unter dem Handelsnamen Avalox® zugelassen.[9]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Gelbe Liste Online: Moxifloxacin – Wirkstoff-Informationen. Stand 24.01.2025.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Balfour JA, Wiseman LR. Moxifloxacin. Drugs. 1999;57(3):363-373.
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie: Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie. AWMF-Registernummer 020-020. Update 2021 (Version 4.0); Gültigkeit war bis 23.04.2025 befristet – Leitlinie aktuell abgelaufen, Aktualisierung steht aus. Verfügbar unter: S3-Leitlinie ambulant erworbene Pneumonie.
- ↑ BfArM. Risikoinformationen Moxifloxacin: Anwendungsbeschränkungen und Warnhinweise. Bescheid vom 07.01.2009.
- ↑ 5,0 5,1 BfArM. Fluorchinolone: Schwere und langanhaltende Nebenwirkungen im Bereich Muskeln, Gelenke und Nervensystem. 2019.
- ↑ Laut PubMed: Zhao X, Sun J, Huang D. Meta-analysis application to hERG safety evaluation in clinical trials. J Biopharm Stat. 2024;35(3):343-355.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 BfArM. Rote-Hand-Brief: Fluorchinolon-Antibiotika zum Einnehmen, Injizieren oder Inhalieren. 2019.
- ↑ Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. UAW-News International: Anwendungsbeschränkung von Fluorchinolonen. Arzneiverordnung in der Praxis. 2023;50(3).
- ↑ Pharmazeutische Zeitung. Moxifloxacin, ein Gyrasehemmer der vierten Generation. PZ. 2001.