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Legionellen

Englisch: legionella

1 Definition

Legionellen sind eine Gattung obligat aerober, gramnegativer, wassergängiger Stäbchenbakterien und Auslöser der Legionellosen.

2 Arten

Zur Zeit (2021) sind viele Arten von Legionellen beschrieben, die alle pathogene Auswirkungen auf den Menschen haben. Die größte epidemiologische Bedeutung mit über 90 % der Erkrankungsfälle hat die Spezies Legionella pneumophila.

3 Systematik

  • Domäne: Bakterien (Bacteria)
    • Abteilung: Proteobacteria
      • Klasse: Gammaproteobacteria
        • Ordnung: Legionellales
          • Familie: Legionellaceae

4 Arten

5 Vorkommen

Legionellen kommen in fast jeder Art von Süßwasser vor, wobei Grundwasser und ständig gekühltes Trinkwasser eher selten befallen sind. Innerhalb aquatischer Standorte kommen sie kaum frei vor, sondern vermehren sich überwiegend intrazellulär in Amöben, die bakterielle Biofilme phagozytieren.[1] Dies erhöht ihre Überlebensfähigkeit in nährstoffarmem Wasser und die Resistenz gegen Desinfektion.

Häufiger als in freien Gewässern finden sich Legionellen z.B. in Schwimmbeckenwässern, Wässern aus raumlufttechnischen Anlagen und Kühlwässern. Das Temperaturoptimum für Legionellen liegt zwischen 20 und 50 °C. Biofilme auf Rost, Kalkablagerungen oder anderen Sedimenten dienen zum einen als Nährstoffquelle zum anderen als Schutz und bieten so optimale Bedingungen für eine schnelle Vermehrung.

6 Übertragung

Die Infektion mit Legionellen geschieht durch Aerosol-Inhalation, wobei sowohl freie Legionellen als auch gefüllte Amöben infektiös sind ("trojanisches Pferd"). Nach Inhalation werden die Alveolarmakrophagen befallen.

Aus den oben genannten Bedingungen für das Vorkommen von Legionellen lassen sich die möglichen Orte für eine Infektion ableiten. Übertragen werden können die Bakterien an Orten wie z.B. Duschen, Warmsprudelbecken, hydrotherapeutischen Einrichtungen und im Bereich von Dentaleinheiten - überall dort, wo Aerosol entsteht. Eine direkte Übertragung von Mensch-zu-Mensch findet nur in Ausnahmefällen statt.[2]

7 Geschichte

1976 erkrankten nach einem Kongreß in einem Großhotel in Philadelphia 220 von 4000 Teilnehmern, 34 von ihnen starben an einer bis dato unbekannten Lungenentzündung, die durch ein Bakterium ausgelöst wurde. Da die Erkrankten Mitglieder der American Legion waren, wurde das Bakterium auf den Namen Legionella pneumophila getauft und die Krankheit als Legionärskrankheit bezeichnet.

8 Inzidenz

Jährlich infizieren sich in Deutschland etwa 6.000 bis 7.000 Personen mit Legionellen. Etwa 1.000 dieser Infektionen gehen tödlich aus. Besonders gefährdet sind Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Vorschädigungen wie z.B. chronischer Bronchitis oder Emphysemen und vor allem Personen nach Transplantationen und unter immunsuppressiver Therapie. Zu den Risikofaktoren zählen zudem:

9 Prävention

Im Wesentlichen gibt es zwei Präventivmaßnahmen gegen Legionellen. Die eine ist die Keimverminderung in warmwasserführenden aerosolbildenden Systemen durch die Entfernung und Prophylaxe von Biofilmen, die andere besteht in der Verminderung von Aerosolkontakten.

10 Quellen

  1. Suerbaum et al: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 9. Auflage. Springer, 2020. S. 388
  2. Correia AM, GonCalves J, Gomes, JP, et al. Probable Person-to-Person Transmission of Legionnaires’ Disease. N Engl J Med. 2016;374:497–8.

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Januar 2022 um 09:56 Uhr bearbeitet.

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