Babesiose (Hund)
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LoslegenSynonyme: Hundepiroplasmose, "Hundemalaria"
Englisch: canine babesiosis
Definition
Bei der Babesiose handelt es sich um eine durch Sporentierchen der Gattung Babesia hervorgerufene Infektionskrankheit bei Hundeartigen (Canoidea).
Epidemiologie
Hunde jedweden Alters und aller Rassen sind betroffen. In endemischen Gebieten sind Welpen nur durch maternale Antikörper geschützt.
Erreger
Die Erreger der Babesiose des Hundes sind einzellige Endoparasiten aus der Sporentiergattung Babesia. Die früher als Unterarten von Babesia canis geführten Erreger Babesia canis canis, Babesia canis vogeli und Babesia canis rossi werden heute als drei eigenständige Arten – Babesia canis, Babesia vogeli und Babesia rossi – betrachtet.[1]
Pathogenese
Verschiedene Zeckenarten dienen als Vektoren.
- Der Überträger von Babesia canis ist die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus).
- Babesia vogeli wird durch die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen.
Die Erreger gelangen beim Stich über den Speichel der Zecke in den Blutkreislauf des Wirts. In den Erythrozyten des Wirts kommt es zu einer ungeschlechtlichen Vermehrung des Erregers (Merogonie). Die dabei entstehenden Zwischenstadien (Merozoiten) schädigen und zerstören den betroffenen Erythrozyten. Danach ist ein Befall weiterer Erythrozyten durch die freigesetzten Merozoiten möglich.
Immunologisch naive Hunde erkranken nach einer Inkubationszeit von 10–21 Tagen meistens akut, seltener chronisch oder perakut. Humorale und zelluläre Immunmechanismen limitieren die Parasitämie, die Monate bis Jahre persistieren kann. Eine infektionsgebundene Immunität schützt vor Erkrankungen.
Symptome
Akut
Die durch Babesia canis verursachte Krankheit verläuft in Deutschland meist akut. Nach einer Inkubationszeit von etwa 1 bis 3 Wochen treten zunächst unspezifische Allgemeinsymptome auf wie
- Fieber (bis 42 °C)
- Apathie, Mattigkeit
- Inappetenz, Konditions- und Gewichtsverlust
Durch die Hämolyse kommt es 1–2 Tage danach zu
- Anämie
- Hämoglobinurie
- Bilirubinurie
- Ikterus
- bei ZNS-Beteiligung (zerebrale Babesiose) Paresen, epileptischen Anfällen und Bewegungsstörungen
- evtl. Ödeme und Aszites sowie Nasenausfluss, Atemnot, Stomatitis, Gastritis und Myositis
- häufig Hepatomegalie und Splenomegalie
Bleibt die Behandlung aus, kann es zum schockartigen Tod kommen. Möglich sind auch Blutungen in Haut und Schleimhäuten durch Thrombozytopenie, nicht selten kommt es zu
- disseminierter intravasaler Koagulopathie (DIC)
- Azidose und Gewebsnekrosen
- Hämorrhagischer Enteritis
- akutem Nierenversagen
- Multiorganversagen
Perakut
Die Tiere verenden meist innerhalb von 24 Stunden mit einem hypovolämischen Schock und akutem Lungenversagen. Perakute Krankheitsverläufe mit Tod nach 1–2 Tagen ohne vorhergehende deutliche Symptome kommen sporadisch vor.
Chronisch
Chronische Symptome sind Apathie, Schwäche, Abmagerung, Fieber (oft nur vorübergehende Temperaturerhöhung), Anämie, Leberinsuffizienz und Ikterus (weniger stark ausgeprägt). Die Anämie normalisiert sich meist innerhalb von etwa 3 Monaten; in manchen Fällen besteht eine Panzytopenie. Die Thrombozytopenie kann länger anhalten.
Diagnostik
Im Rahmen der Diagnose hat eine Differenzierung der Isolate v.a. Relevanz für die Therapie.
Mikroskopische Blutuntersuchung
Die Diagnose einer akuten Babesiose kann mit hoher Sensitivität durch die mikroskopische Untersuchung dünner Blutausstriche (Giemsa-Färbung oder Diff-Quick) auf intrazelluläre Babesien erfolgen. Die Erreger sind dann als häufig paarweise liegende, birnenförmige Gebilde in den Erythrozyten erkennbar.
Peripheres Kapillarblut, das aus der Ohrmuschel oder Schwanzspitze entnommen wurde, enthält meist eine höhere Anzahl befallener Zellen. Bei chronischen Infektionen ist die Parasitämie sehr gering ausgeprägt, daher bedarf es zur Diagnosestellung oftmals einer gründlichen und langen Untersuchung der Ausstriche.
Serologie
Spezifische Antikörper sind erst ab etwa zwei Wochen nach Erstinfektion nachweisbar, sodass akute Infektionen noch nicht erfasst werden. Bei geimpften Tieren sind positive Ergebnisse aufgrund von Impfantikörpern nicht aussagekräftig.
Der IFAT (indirekter Immunfluoreszenztest) ist der Antikörpertiter gegen den Erreger. In einer frühen Krankheitsphase, in der noch keine Antikörper gebildet sind, kann er zu falsch negativen Ergebnissen führen.
Molekulare Diagnostik
Die PCR ist sensitiver als die mikroskopische Blutuntersuchung, was besonders bei der Diagnose chronischer Infektionen entscheidend sein kann. Auch im Rahmen einer PCR können falsch-negative Ergebnisse vorkommen. Eine Bestimmung der Babesienspezies mittels PCR kann für Therapie und Prognose von Bedeutung sein.
Differentialdiagnosen
Therapie
Allgemeinmaßnahmen
Akute Babesiosen sind als Notfälle zu behandeln. Sofern die Diagnose gestellt ist, sollte unverzüglich eine medikamentöse Therapie mit einem Babesizid eingeleitet werden.
Die symptomatische Therapie umfasst die Bekämpfung der Anämie und des Kreislaufversagens. In akuten Fällen mit sehr niedrigem Hämatokrit werden parallel Bluttransfusionen gegeben.
Spezifische Therapie
Mittel der Wahl gegen die großen Babesien ist das Antiprotozoikum Imidocarb-Dipropionat (6–6,6 mg/kgKG i.m. oder s.c., Wiederholung nach 14 Tagen). In Deutschland ist der Wirkstoff nicht für den Hund zugelassen, darf bei Therapienotstand aber gemäß den arzneimittelrechtlichen Bedingungen importiert werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Bei der durch kleine Babesien (Babesia gibsoni) verursachten Form ist Imidocarb nur eingeschränkt wirksam. Etabliert ist hier die Kombination aus Atovaquon und Azithromycin. Für die feline Babesiose liegen nur begrenzte Therapiedaten vor. Der Einsatz von Chemotherapeutika kann die Schwere der Symptome verringern und Todesfälle verhindern.
Prophylaxe
Zeckenprophylaxe
Vorbeugend sollten Hunde gegen Zecken behandelt werden – mit einem entsprechenden Spot-On-Produkt oder Zeckenhalsband gegen Ektoparasiten. Außerdem sollten Tiere nach jedem möglichen Zeckenkontakt (Spaziergang) gründlich abgesucht und von Zecken befreit werden.
Impfung
Ein früher verfügbarer Babesiose-Impfstoff ist nicht mehr zugelassen. Die EU-Zulassung wurde zurückgenommen.[2] Derzeit (2026) steht in der EU kein zugelassener Impfstoff gegen die canine Babesiose zur Verfügung. Die früher eingesetzte Vakzine schützte vor schweren klinischen Verläufen, nicht jedoch sicher vor einer Infektion, und wirkte nicht gegen alle Babesia canis-Stämme gleichermaßen.
Chemoprophylaxe
Bei Reisen mit dem Hund in ein Endemiegebiet (Mittelmeerländer) kann im Vorfeld eine prophylaktische Behandlung mit einem Antiprotozoikum erfolgen. Dabei ist eine Risikoabwägung zwischen Nutzen und möglichen Nebenwirkungen vorzunehmen. Imidocarb-Dipropionat kann einige Stunden vor Einreise verabreicht werden. Die für ca. 4 Wochen wirkende Medikation schützt zwar nicht vor einer Infektion mit Babesia canis, verhindert aber eine schwerwiegende Erkrankung.
Quellen
- ↑ Penzhorn BL, Oosthuizen MC. Don't let sleeping dogs lie: unravelling the identity and taxonomy of Babesia canis, Babesia rossi and Babesia vogeli. Parasit Vectors. 2020.
- ↑ Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Nobivac Piro – Rücknahme der Zulassung, abgerufen am 26.10.2026
Literatur
- Boch J, Supperer R. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6. Aufl. Parey Verlag; 2005.
- ESCCAP Deutschland. Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen. ESCCAP-Empfehlung Nr. 5 (aktuelle Auflage).