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Rote Speikobra

Synonym: Abu Somett (lokal)
Zoologische Bezeichnung: Naja pallida
Englisch: Red Spitting Cobra

1. Definition

Die Rote Speikobra ist eine in Afrika heimische Giftschlange, die durch ihren Giftbiss medizinisch relevante Intoxikationen hervorrufen kann.

2. Verbreitung

Die Rote Speikobra bewohnt Savannen und Halbwüsten im Osten Afrikas von Süd-Ägypten und Somalia bis Tansania. In Europa kommt die Spezies in etlichen zoologischen Einrichtungen vor. Weiterhin sei auf die gelegentliche private Haltung als Terrarientier hingewiesen.

3. Epidemiologie

Die Rote Speikobra ist nicht dafür bekannt, häufig menschliche Siedlungen aufzusuchen. Demnach sind Bissunfälle verhältnismäßig selten. Dennoch kommt es gelegentlich zu Giftbissen. Todesfälle sind möglich, aber selten.

4. Taxonomie

Naja pallida ist eine Art aus der Familie der Giftnattern (Elapidae) und zählt zur Gattung der Echten Kobras (Naja). Sie wurde zeitweise als Unterart anderer Kobra-Arten betrachtet (unter den zoologischen Bezeichnungen Naja nigricollis pallida und Naja mosambica pallida), erhielt jedoch zuletzt einen eigenen Art-Status unter der Bezeichnung Naja pallida. Die Rote Speikobra selbst wird nicht in mehrere Unterarten aufgeteilt.

5. Merkmale

Die Rote Speikobra weist einen schlanken Körperbau auf und erreicht eine Länge von 0,8 bis 1,5 Meter. Der relativ kurze und breite Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab. Die Augen weisen, wie für Kobras typisch, runde Pupillen auf. Die Körperschuppen sind glatt und verlaufen in 21 bis 27 Reihen um die Körpermitte. Der Körper des Tieres ist bei Jungtieren oft leuchtend gelblich orange, verblasst jedoch mit zunehmendem Alter. Ausgewachsene Tiere sind orange bis rötlich braun, seltener gelblich gefärbt. Der Hals trägt eine breite, dunkle Querbinde. Tiere aus dem Tschad oder Südost-Ägypten zeigen oftmals mehrere Halsbinden.

5.1. Giftapparat

Der Giftapparat im Allgemeinen ist typisch für alle Vertreter der Giftnattern, die Ausrichtung der Endigung des Giftkanals in den Fangzähnen ist jedoch ein Charakteristikum der Speikobras:

  • Giftdrüse: ist evolutionsbiologisch betrachtet eine umgebildete Speicheldrüse und seitlich beiderseits des Schädels von Muskeln umgeben.
  • Giftkanal, der Giftdrüse und Giftzähne verbindet.
  • Giftzähne (Fangzähne): beiderseits im vorderen Oberkiefer befindlich. Sie sitzen fest und sind nicht beweglich. Sie besitzen einen Giftkanal, über den das Gift im Falle eines Bisses injiziert wird. Bei Speikobras ist die Austrittsöffnung dieses Kanals, die sich vorne mittig am Zahn befindet, kleiner und rundlicher als bei anderen Kobras, und fungiert so als eine Art Düse. Durch eine Krümmung nach vorn im letzten Teil des Kanals wird das gezielte horizontale Speien des Giftes ermöglicht.

6. Abwehrverhalten

Fühlt sich die Schlange bedroht, versucht sie zunächst zu fliehen. Ist dies nicht möglich, richtet sie ihren Vorderkörper auf und spreizt einen (relativ schmalen) Nackenschild.

Die Rote Speikobra verursacht durch ihren Giftbiss ernsthafte, potentiell lebensbedrohliche Intoxikationen und ist zudem in der Lage, das Gift ihrem Angreifer entgegen zu sprühen (Spucken, Speien; daher der Name Speikobra/ Spitting Cobra) und somit in Augen und auf Schleimhäuten schwere Schäden zu bewirken. Auf eine Entfernung von 2 bis 3 Metern kann die Schlange einem Angreifer oder Menschen zielsicher und nahezu beliebig häufig ins Gesicht spucken.

7. Toxikologie

7.1. Giftzusammensetzung

Das Toxin-Gemisch weist vor allem folgende Wirkkomponenten auf:

Bei der Roten Speikobra tritt die neurotoxische Komponente in der Regel in den Hintergrund, da hier - für Giftnattern untypisch - ein wesentlich höherer Anteil an Zytotoxinen vorliegt. Die zytotoxischen Eigenschaften bestimmen zumeist das Vergiftungsbild.

7.2. Hautkontakt/Schleimhautkontakt

Die zytotoxische Komponente ist als Kontaktgift wirksam. Gelangt es durch das Speien der Kobra auf die Haut, kann es zu Schmerzen, Schwellungen und entzündlichen Beschwerden kommen. Auf Schleimhäuten ist mit entsprechend stärkerer Reizwirkung zu rechnen. Gelangt das Gift in die Augen, kann es zu starken Schädigungen bis hin zu dauerhafter Erblindung kommen. Nach Kontakt mit Schleimhäuten oder Augen muss unverzüglich mit einer geeigneten Flüssigkeit (Wasser, notfalls z.B. auch Milch, Urin) gespült werden (mind. 10-15 Minuten). Ein Augenarzt sollte hinzugezogen werden. Je nach Zustand des Betroffenen sollte ein Notarzt gerufen werden.

7.3. Therapie des Giftbisses

  • Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. Zwecks Nierenschutz ist eine Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung angezeigt. Weitere Maßnahmen dienen der symptomatischen Behandlung. Die Möglichkeit der künstlichen Beatmung ist sicherzustellen.
  • Keine Kompressionsmethode, da hierdurch die zytotoxische Lokalwirkung ungleich verstärkt wird.
  • Wundtoilette bei Nekrose. Unter Umständen sind Amputationen nötig.
  • Bei Auftreten von neurotoxischen Erscheinungen kann auf Neostigmin zurückgegriffen werden, um die (durch das Gift gehemmte) cholinerge Wirkung zu verstärken.
  • Antivenine: Der Einsatz von Antiveninen sollte nur in Rücksprache mit einer Giftnotruf-Zentrale und nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Ein spezifisches Antivenin (Antiserum, Gegengift) für Naja pallida existiert derzeit nicht. Alternativ kann auf eines der folgenden, polyvalenten Antivenine zurückgegriffen werden:
    • Antivipmyn Africa (Produzent: Instituto Bioclon)
    • Bivalent Naja / Walterinnesia Snake Antivenom (Produzent: National Antivenom and Vaccine Production Centre)

7.4. Komplikationen

8. Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.

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21.03.2024, 09:00
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