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Pankreas (Fleischfresser)

Synonym: Bauchspeicheldrüse
Englisch: pancreas

1 Definition

Das Pankreas der Fleischfresser ist eine exokrin und endokrin tätige Drüse im kranialen Abschnitt der Bauchhöhle.

2 Allgemein

Das Pankreas ist eine verhältnismäßig große Drüse, die dem Verdauungstrakt angeschlossen ist. Sie setzt sich aus einem exokrinen und einem endokrinen Anteil zusammen und liefert sowohl Bauchspeichel als auch Hormone zur Regulation des Blutzuckerspiegels.

Der exokrine Drüsenanteil produziert mit dem Bauchspeichel einen Verdauungssaft, der Enzyme für die Verdauung von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten besitzt. Gleichzeitig ist das Sekret reich an Bikarbonat, um die Magensäure zu neutralisieren und das basische Milieu im Dünndarm aufrecht zu erhalten. Die Steuerung des exokrinen Anteils erfolgt durch Intestinalhormone, wie Sekretin und Cholezystokinin. Beim Hund beträgt die Menge des täglich sezernierten Bauchspeichels ca. 0,2-0,4 Liter.

Der endokrine Drüsenanteil beträgt nur etwa 2% der gesamten Pankreasmasse, wobei die endokrin tätigen Zellen in Gruppen, den so genannten Langerhans-Inseln, verteilt in den exokrinen Drüsenendstücken liegen. Ihre Aufgabe liegt in der Produktion und Sekretion der blutzuckerregulierenden Hormone Insulin und Glukagon. Außerdem produzieren die endokrinen Drüsen auch Somatostatin und das pankreatische Polypeptid. So bilden die endokrin tätigen Zellen des Pankreas gemeinsam mit denen des Magens und des Darms das gastroenterohepatische System (GEP).

3 Anatomie

Das Pankreas unterscheidet sich in der Anatomie deutlich von der Bauchspeicheldrüse des Menschen. Es zeigt große tierartliche Unterschiede, wobei der Grundaufbau bei allen Tieren gleich ist:

  • Corpus pancreatis
  • Lobus pancreatis sinister (s. Milzschenkel)
  • Lobus pancreatis dexter (s. Duodenalschenkel)

Der Dorsalrand des Corpus pancreatis enthält einen Einschnitt, die Incisura pancreatis. Über diese Einkerbung hinweg verläuft die Pfortader zur Leber.

3.1 Ausführungsgänge

Das Pankreas besitzt tierartlich unterschiedlich viele Ausführungsgänge. Beim Fleischfresser existieren zwei Gänge:

3.2 Gefäßversorgung

Das Pankreas wird über die unpaaren Bauchgefäße versorgt.

3.2.1 Arterien

Die Bauchaorta gibt folgende Äste an das Pankreas ab:

3.2.2 Venen

Das venöse Blut fließt über die gleichnamigen Venen ab, die letztlich in die Vena portae eimmünden:

3.2.3 Lymphe

Die Lymphe fließt in die benachbarten Lymphknoten ab, wobei folgende Lymphknoten die wichtigsten sind:

Beim Hund kommen noch folgende Drainagestation hinzu:

3.3 Innervation

Die Bauchspeicheldrüse wird sowohl sympathisch als auch parasympathisch innerviert, wobei der Sympathikus die Sekretion hemmt und der Parasympathikus diese fördert.

3.3.1 Sympathikus

Die sympathische Innervation erfolgt über den Plexus coeliacus und den Plexus mesentericus cranialis.

3.3.2 Parasympathikus

Die parasympathische Innervation erfolgt über den Nervus vagus.

4 Topographie

Das Pankreas von Hund und Katze ähnelt einer U-förmigen Schleife, die aus Corpus und zwei Lobi besteht und ist im frischen Zustand blaßrot. Der Corpus pancreatis bildet den mittleren Abschnitt des Organs. Dieser Teil liegt der Pars cranialis duodeni an, wohingegen sich der Lobus pancreatis sinister der Facies visceralis des Magens anschmiegt. Dieser Pankreasabschnitt liegt in der Paries profundus des Omentum majus und erstreckt sich bis zur Milz, weshalb er auch als Milzschenkel bezeichnet wird. Der Lobus pancreatis dexter nimmt seinen Verlauf im Mesoduodenum descendens nach kaudal und trägt daher auch die Bezeichnung Duodenalschenkel.

5 Histologie

Histologisch betrachtet muss das Pankreas in seine zwei Hauptbestandteile untergliedert werden.

5.1 Exokrines Pankreas

Das exokrine Pankreas ist eine rein seröse Drüse, die aus mehreren Läppchen aufgebaut ist, die einen Durchmesser von ca. 1-3 mm aufweisen. Die einzelnen Läppchen sind durch dünne Bindegewebssepten voneinander abgegrenzt und somit nur locker zusammengehalten. Im interlobulären Bindegewebe kommen v.a. bei der Katze Lamellenkörperchen (Vater-Pacini-Körperchen) vor, wobei auch Ganglien und vegetative Nerven zu finden sind. Jedes einzelne Läppchen setzt sich aus mehreren hundert Drüsenendstücken, sogenannten Azini, zusammen. Diese Azinuszellen der Drüsenendstücke sezernieren die Verdauungsenzyme, die ihre Wirksamkeit jedoch erst bei einem entsprechendem pH-Milieu entfalten. Durch die Absonderung von Bikarbonat wird eine Alkalisierung des Magensaftes erreicht, sodass die Enzyme aktiv werden können. Das Bikarbonat wird von den Schaltstücken gebildet. Die Schaltstückzellen beginnen in Form der sogenannten zentroazinären Zellen, da sie teilweise in die Azini hinein vorgeschoben sind und münden direkt in die weiterführenden intralobulären Ausführungsgänge. Im histologischen Schnitt erscheint das Zytoplasma basal basophil (rER, Ergastoplasma) und apikal azidophil gekörnt (Zymogengranula).

5.2 Endokrines Pankreas

Das endokrine Pankreas wird aufgrund der inselartigen Anordnung auch als Inselorgan bezeichnet. In Summe bilden die Langerhans'schen Inseln den endokrinen Teil, wobei sie in Form von isolierten Zellgruppen zwischen den Azini anzutreffen sind. Diese Gruppen sind unterschiedlich groß, bestehen aber meist aus hellen Zellen und sind stark vaskularisiert und innerviert. Folgende Zelltypen sind aufzufinden:

  • A-Zellen: ihr Anteil liegt bei 5-30% und sind für die Produktion von Glukagon zuständig
  • B-Zellen: ihr Anteil liegt bei bis zu 80% und sind für die Produktion von Insulin zuständig
  • C-Zellen: sind organellarme Zellen, die als erschöpfte B-Zellen oder auch als undifferenzierte Stammzellen angesehen werden
  • D-Zellen: ihr Anteil liegt bei ca. 5% und sind für die Produktion von Somatostatin zuständig
  • PP-Zellen: ihre Aufgabe liegt in der Produktion des pankreatischen Poylpeptids

6 Klinik

Liegt eine akute Pankreatitis vor, findet eine Aktivierung der Pankreasenzyme innerhalb der Drüse statt. Dieser Zustand führt zur Selbstverdauung des Pankreasgewebes und schafft eine lebensgefährliche Situation.

Wie beim Menschen, führt auch bei Tieren ein Mangel an Insulin zu einem Diabetes mellitus. Bei Hunden liegt das Häufigkeitsmaximum im mittleren Alter, wobei Diabetes bei der Hündin deutlich häufiger auftritt als beim Rüden.

7 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.
  • Künzel, Wolfgang. Topographische Anatomie, Hochschülerschaft Veterinärmedizinische Universität (Hersausgeber), 3. Auflage. WS 2011/12
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Egerbacher, Monika, Gabner, Simone et al., Gewebelehre und mikroskopische Anatomie. Skriptum für Übungen und Konversatorien der Histologie. Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand: 01.10.2015

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