Obstruktives Schlafapnoesyndrom
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LoslegenSynonym: obstruktive Schlafapnoe
Englisch: obstructive sleep apnea syndrome, OSAS
Definition
Das obstruktive Schlafapnoesyndrom, kurz OSAS, ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es durch eine Verlegung der oberen Atemwege wiederholt zu einer Einschränkung oder einem Sistieren der Atmung während des Schlafes kommt. Je nach Lebensalter des Patienten überwiegen dabei unterschiedliche Ursachen.
Epidemiologie
Die Prävalenz des symptomatischen OSAS in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung liegt bei etwa 3 bis 4 %, wobei Männer etwa dreimal häufiger betroffen sind als Frauen.[1] Wird allein der Apnoe-Hypopnoe-Index ohne Symptomkriterium zugrunde gelegt, liegen die Häufigkeitsangaben deutlich höher.
Ätiologie
Kinder
Bei Kindern wird ein obstruktives Schlafapnoesyndrom am häufigsten durch eine Hyperplasie der Rachen- oder Gaumenmandel verursacht. Häufigste Ursache ist die Verlegung der oberen Atemwege durch:
- vergrößerte adenoide Vegetationen, die sog. kindlichen Polypen.
- vergrößerte Tonsillen (Tonsillenhyperplasie), z.B. "kissing tonsils"
Erwachsene
Auch das adulte OSAS entsteht durch Einengungen im Bereich der oberen Atemwege, z.B. durch:
- Übergewicht bzw. Adipositas (bei der Mehrzahl der erwachsenen Betroffenen, siehe auch: Pickwick-Syndrom)
- vergrößerte Tonsillen (Tonsillenhyperplasie)
- verbogene Nasenscheidewand (Septumdeviation)
- vergrößerte Nasenmuscheln
- vergrößertes Zäpfchen (Uvula)
- Kieferfehlstellungen (Retrognathie)
Pathophysiologie
Durch eine Verlegung des Rachens im Schlaf wird der Atemfluss beeinträchtigt. Er kann vermindert (Hypopnoe), aber auch ganz aufgehoben sein, was einem Atemstillstand (Apnoe) gleichkommt. Ein einzelnes Ereignis muss dabei definitionsgemäß mindestens 10 Sekunden andauern. Ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von ≥ 5 Ereignissen pro Stunde Schlaf gilt in Kombination mit typischer Symptomatik oder relevanten Begleiterkrankungen ein OSAS als gesichert. Ohne begleitende Symptomatik ist ein AHI ≥ 15/h maßgeblich.[2]
Trotz des Verschlusses der oberen Atemwege bleibt die Atemtätigkeit erhalten – die Atemmuskulatur betreibt also vergebliche Atembewegungen. Der Körper reagiert mit einer Weckreaktion (Arousal), die zur Wiederaufnahme der Atmung führt, da im Wachen die Muskelspannung den Rachen wieder aufspannt. Über ständige Weckreaktionen wird der Schlaf zerstückelt, der Anteil des Tiefschlafs und des Traumschlafs nimmt ab und kann sogar gegen Null tendieren. Man spricht von einer Schlaffragmentation. Dieser Schlaf ist nicht mehr erholsam, was wiederum zu einer erheblichen Einschlafneigung tagsüber führt.
Einteilung
Der Schweregrad wird anhand des Apnoe-Hypopnoe-Index eingeteilt:
- leichtgradig: AHI 5 bis < 15/h
- mittelgradig: AHI 15 bis < 30/h
- schwergradig: AHI ≥ 30/h
Symptome
Häufige Symptome des OSAS sind:
- Schnarchen
- Mundatmung
- Husten (durch ausgetrocknete Schleimhaut)
- Tagesschläfrigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
Bei Kindern können zusätzlich Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität auftreten. Da die kindliche Form häufig durch adenoide Hyperplasie bedingt ist, findet sich als Folge der begleitenden Tubenventilationsstörung nicht selten auch eine Schallleitungsschwerhörigkeit – diese ist jedoch keine unmittelbare Folge der Schlafapnoe selbst.
Komplikationen
Unbehandelt ist das OSAS mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert. Im Vordergrund stehen kardiovaskuläre und metabolische Folgeerkrankungen, insbesondere:
- arterielle Hypertonie (v.a. auch therapieresistente Hypertonie)
- Vorhofflimmern und weitere Herzrhythmusstörungen
- koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt
- Schlaganfall
- Herzinsuffizienz
- Insulinresistenz bzw. Diabetes mellitus Typ 2
Darüber hinaus erhöht die ausgeprägte Tagesschläfrigkeit das Unfallrisiko, insbesondere im Straßenverkehr.[2]
Therapie
Bei Kindern führt die Adenotomie ("Polypenentfernung") und/oder Tonsillektomie in der Regel zu einer Rückbildung der genannten Beschwerden.
Bei Erwachsenen kommen aufgrund der komplexeren Ätiologie verschiedene Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz:[3]
- Die CPAP-Therapie über Nasenmaske ist die Standardtherapie. Sie stellt eine "Schienung" der oberen Atemwege dar. Bei höheren Drücken (z.B. > 10 cm H2O) kann eine BIPAP-Therapie notwendig sein.
- Verhinderung der Rückenlage durch eine Spezialweste oder ein Kissen im Rücken. Dieses einfache und preiswerte Verfahren kann alleine oder in Kombination mit CPAP-Therapie Patienten mit lageabhängigem obstruktiven Schlafapnoesyndrom helfen.
- Unterkieferprotrusionsgeräte (z.B. Esmarch-Schiene) vergrößern den Rachenraum; diese Methode wird vom Zahnarzt oder Kieferchirurgen angewandt. Hierdurch ist eine Therapie bei geringgradigem obstruktiven Schlafapnoesyndrom möglich.
- Uvulovelopharyngoplastik (UVPP) mittels Laser oder konventionell hilft nur in einzelnen Fällen. Die Indikation muss streng gestellt werden.
- Verbesserung der Nasenatmung durch Septumplastik oder Conchotomie
- Implantation eines Zungenschrittmachers (nächtliche atemabhängige Stimulation des Nervus hypoglossus) bei unzureichender Toleranz bzw. Therapieadhärenz der CPAP-Therapie[4]
Als begleitende Maßnahmen kommen in Betracht:
- Gewichtsreduktion, am besten durch Ernährungsumstellung
- Schlafhygiene
- Sport und Bewegung
- Zungenmuskel-Training
- kein Alkohol unmittelbar vor der Bettruhe
- keine schweren Mahlzeiten vor der Bettruhe
- Umstellung insbesondere von Schlafmitteln unter ärztlicher Aufsicht
Quellen
- ↑ Deutsche Experteninformation Medizin (DEXIMED). Schlafapnoe-Syndrom. Verfügbar unter: Schlafapnoe-Syndrom.
- ↑ 2,0 2,1 AWMF. S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen". AWMF-Registernummer 063-001. Teil-Aktualisierung 2020. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen.
- ↑ Therapieoptionen der obstruktiven Schlafapnoe. zmk aktuell, Allgemeine Zahnheilkunde. Verfügbar unter: Therapieoptionen der obstruktiven Schlafapnoe.
- ↑ Die Nacht gehört dem Zungenschrittmacher. DocCheck News. Verfügbar unter: Die Nacht gehört dem Zungenschrittmacher.