Adenotomie
Synonyme: "Mandelentfernung", operative Entfernung der Rachenmandel
Englisch: adenoidectomy
Definition
Unter einer Adenotomie versteht man die Entfernung von adenoiden Vegetationen bei Vergrößerung der Rachenmandeln, wenn eine Atem- bzw. Hörproblematik besteht.
Terminologie
Umgangssprachlich wird die Adenotomie teils fälschlicherweise als "Mandelentfernung" bezeichnet. Die "echte" Mandelentfernung betrifft jedoch die Gaumenmandeln (Tonsillektomie).
Epidemiologie
Die Adenotomie gilt als einer der am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffe im Kindesalter. Sie wird häufig zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr durchgeführt, da in diesem Zeitraum die physiologische Hyperplasie des lymphatischen Gewebes im Nasenrachen am ausgeprägtesten ist. Mit Beginn der Pubertät bildet sich das Gewebe in der Regel spontan zurück, weshalb Eingriffe bei Erwachsenen eine seltene Ausnahme darstellen.
Indikation
Hauptindikation ist die behinderte Nasenatmung, die sich durch chronische Mundatmung, Schnarchen und in schweren Fällen durch eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) äußert. Ein weiterer wesentlicher Grund sind rezidivierende Infekte der oberen Atemwege sowie chronische Tubenventilationsstörungen mit persistierendem Paukenerguss. Auch bei chronischer Sinusitis oder rezidivierenden akuten Mittelohrentzündungen kann eine Adenotomie indiziert sein.
Durchführung
Der Eingriff wird in der Regel in Intubations- oder Larynxmaskennarkose durchgeführt. Der Patient befindet sich in Rückenlage mit leicht überstrecktem Kopf (Rose-Lagerung). Nach dem Einsetzen eines Mundsperrers wird das weiche Gaumensegel sanft retrahiert, um den Nasenrachen freizulegen. Die Abtragung des Adenoidgewebes erfolgt klassischerweise mit einem Beckmann-Ringmesser (Adenotom), mit dem das Gewebe in einer fließenden Bewegung von der Rachenhinterwand geschält wird. Moderne alternative Verfahren nutzen die Shaver-Technik, Elektrokauterisation oder Coblation, um eine präzisere Abtragung und bessere Blutstillung zu erreichen. Nach der Entfernung erfolgt eine Drucktamponade des Nasenrachens für einige Minuten zur Hämostase.
Komplikationen
Obwohl die Adenotomie als risikoarm gilt, können Komplikationen auftreten. Die bedeutsamste ist die postoperative Nachblutung, die meist innerhalb der ersten 24 Stunden auftritt und ggf. eine operative Revision erfordert. Selten kommt es zu Infektionen oder einer vorübergehenden velopharyngealen Insuffizienz. Verletzungen des Tubenwulstes können zu Vernarbungen und dauerhaften Belüftungsstörungen führen. Zahnschäden durch den Mundsperrer sind bei lockeren Milchzähnen möglich.
Prognose
In den meisten Fällen führt der Eingriff zu einer sofortigen Verbesserung der Nasenatmung und einer Normalisierung der Mittelohrbelüftung. Die Rate an Rezidiven ist gering, kann aber bei sehr jungen Patienten (unter 3 Jahren) vorkommen. Die Adenotomie senkt nachweislich die Frequenz von Infekten und verbessert die Lebensqualität sowie die kognitive Entwicklung bei Kindern mit schlafbezogenen Atmungsstörungen.
Literatur
- Lenarz & Boenninghaus: HNO, 14. Auflage, Berlin, Springer 2012