Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Geflügelcholera

(Weitergeleitet von Geflügelcholera (Geflügel))

Synonym: (aviäre) Pasteurellose
Englisch: fowl cholera, avian pasteurellosis, avian cholera, avian hemorrhagic septicemia

1 Definition

Bei der Geflügelcholera bzw. aviären Pasteurellose handelt es sich um eine durch Pasteurella multocida hervorgerufene Infektionskrankheit des Geflügels. Besonders empfänglich für eine Infektion sind Puten und Wassergeflügel.

Die Krankheit ist auch auf den Menschen übertragbar, es handelt sich daher um eine Zoonose.

2 Ätiologie

Der Erreger der Geflügelcholera ist Pasteurella multocida, ein gramnegatives, unbewegliches und 0,2 bis 0,4 x 0,6 bis 2,5 µm großes Stäbchenbakterium aus der Familie der Pasteurellaceae. Es können fünf Kapseltypen (A bis F) und 16 Serotypen unterschieden werden. Hierbei dominieren vor allem die Serovare A1, 3 und 4, wobei sich die Serovare vorrangig hinsichtlich ihrer Virulenz unterscheiden.

3 Epidemiologie

Die Erkrankung tritt saisonal gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten auf. Hoch-virulente Bakterienstämme führen aufgrund einer systemischen Verbrauchskoagulopathie zu perakuten Todesfällen. Die Morbidität liegt zwischen 50 und 90 %, die Mortalität kann bis zu 80 % betragen.

Wildvögel und Kleinnager dienen als Erregerreservoir. Der Erreger wird oft über Kleinnager in Bestände eingebracht.

4 Pathogenese

Die Ansteckung erfolgt horizontal durch direkten Kontakt von Tier zu Tier sowie aerogen über an Schwebstoffen haftende Bakterien. Indirekte Infektionen über lebende und tote Vektoren sind ebenso möglich. Es liegen keine Hinweise auf eine vertikale Infektion vor.

Die Bakterien dringen über die Schleimhäute des oberen Respirationstrakts in den Organismus ein. Der weitere Krankheitsverlauf wird maßgeblich von der Virulenz des Erregers, der Krankheitsanfälligkeit und der antibakteriellen Reaktionsfähigkeit des Wirts geprägt. Nach der Infektion entwickelt sich bei hoch virulenten Stämmen binnen kürzester Zeit eine Septikämie, die mit einer systemischen Koagulopathie einhergeht. Durch die freigewordenen Endotoxine wird der Krankheitsverlauf verkompliziert.

5 Klinik

Die Krankheit kann perakut, akut oder chronisch verlaufen.

Verlaufsform  Symptome
perakut:
  • plötzliche Todesfälle
  • hohe Mortalität (> 50 %) binnen weniger Tage
  • symptomlos oder Symptome unmittelbar vor Todeseintritt
akut:
chronisch:

6 Pathohistologie

Verlaufsform  Symptome
perakut:
akut:
chronisch:

7 Differenzialdiagnosen

Bei perakuten bis akuten Krankheitsverläufen muss primär an eine Geflügelpest und Newcastle-Disease gedacht werden. Bei septikämischen Verläufen ist eine Ornithobakteriose, Yersiniose, Rotlauf, Salmonellose, Streptokokkose und Staphylokokkose auszuschließen.

8 Diagnose

Anhand der Klinik und den pathohistologischen Veränderungen kann eine Verdachtsdiagnose ausgesprochen werden. Die Diagnose wird letztendlich mittels Erregernachweis aus Tupfer- und Organproben gesichert werden. Die Anzüchtung gelingt auf konventionellem Blutagar.

Der Nachweis kann auch mittels PCR oder MALDI-TOF erfolgen.

9 Therapie

Die Behandlung bereits erkrankter Tiere ist meist erfolglos. Bei der Therapie steht die vorbeugende Behandlung noch nicht erkrankter Tiere in betroffenen Beständen im Vordergrund (Metaphylaxe). Hierzu werden Antibiotika (nach Antibiogramm), meist Sulfonamide oder Fluorchinolone, eingesetzt.

10 Prophylaxe

Ziel ist eine Bestandshygiene und Bestandsabschirmung, um einen Eintrag des Erregers zu verhindern. Hierfür zählen insbesondere die Wildvogelabschirmung sowie eine professionelle Schadnagerbekämpfung.

11 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 1. September 2021 um 12:49 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

6 Wertungen (4.33 ø)

3.725 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: