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Finerenon

Synonym: BAY-94-8862
Englisch: finerenone

1 Definition

Finerenon ist ein experimenteller, nicht-steroidaler Aldosteronantagonist. Die Anwendung bei diabetischer Nephropathie und chronischer Herzinsuffizienz wird derzeit (2020) in Phase-III-Studien getestet.

2 Chemie

Finerenon hat als Grundgerüst eine Dihydropyridin-Struktur, ähnlich wie bei L-Typ-Calciumkanalblockern des Nifedipin-Typs. Somit unterscheidet es sich strukturell von anderen Aldosteronantagonisten wie Eplerenon und Spironolacton, die ein Steroidgerüst aufweisen.

Die Summenformel von Finerenon lautet C12H22N4O3; die molare Masse beträgt 378,4 g/mol.[1]

3 Wirkmechanismus

Finerenon blockiert den Mineralkortikoidrezeptor und hemmt somit die Wirkung des Hormons Aldosteron. Die Expression der ROMK-Kanäle und der ENaC-Kanäle in der Niere wird reduziert, was zu einer verringerten Rückresorption von Natriumionen und zu einer erhöhten Diurese führt. Die verminderte Natriumresorption zieht eine geringere Kaliumsekretion nach sich, sodass Finerenon zu den kaliumsparenden Diuretika zählt. Die resultierende Senkung der Vorlast des Herzens ist vorteilhaft für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Des Weiteren soll Finerenon eine nephroprotektive Wirkung aufweisen.

In vitro bindet Finerenon im Vergleich zu Spironolacton spezifischer und im Vergleich zu Eplerenon mit einer höheren Affinität an den Mineralokortikoidrezeptor.[2] Dadurch sollen Nebenwirkungen, die durch Bindung an andere Steroidrezeptoren entstehen (Gynäkomastie, Libidoverlust, Impotenz) reduziert werden.

4 Pharmakokinetik

Die Bioverfügbarkeit von Finerenon beträgt 43,5 %.[3] Es hat eine Plasmahalbwertszeit von ca. 2 Stunden, jedoch eine lange Wirkdauer aufgrund einer Distribution ins kardiale und renale Gewebe.

Finerenon wird via CYP3A4 (90 %) und CYP2C8 (10 %) metabolisiert. Pharmakokinetische Wechselwirkungen sollen jedoch nicht zu erwarten sein.[4]

5 Indikationen

Derzeit (2020) wird der Einsatz von Finerenon bei chronischer Herzinsuffizienz sowie bei diabetischer Nephropathie getestet.[5]

6 Dosierung

Finerenon kann in einer Dosis von 10 mg/d p.o. verabreicht werden.[6]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7 Nebenwirkungen

Die wichtigste Nebenwirkung von Finerenon ist eine Hyperkaliämie.

8 Klinische Studien

In der kleinen Phase-II-Studie ARTS-HF wurde Finerenon gegen Eplerenon bei herzinsuffizienten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und/oder chronischer Nierenerkrankung untersucht. Dabei zeigte sich bei kein Unterschied im primären Endpunkt (Abfall von NT-proBNP um mindestens 30 %). Der sekundäre Endpunkt (Kombination aus Tod, Krankenhausaufnahme oder Notfallbehandlung wegen Herzinsuffizienz) war bei Finerenon um 44 % niedriger als unter Eplerenon.[7]

9 Zulassung

Finerenon ist derzeit (2020) noch nicht zugelassen. Es laufen zwei Phase-III-Studien, deren Ergebnisse Mitte 2020 bzw. 2021 erwartet werden:

  • FIDELIO-DKD: Beurrteilung der Sicherheit und Wirkung von Finerenon zusätzlich zur Standardtherapie auf die Progression der Nierenerkrankung bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Nephropathie bzw. Proteinurie.[8]
  • FIGARO-DKD: Einfluss von Finerenon auf das kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und chronischer Nierenerkrankung.[9]

10 Literatur

11 Quellen

  1. Pubchem-Datenbank Finerenon, abgerufen am 23.04.2020
  2. Dirk Einecke Neuer Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonist qualifiziert sich für Phase-III-Studien, Kardiologie.org, abgerufen am 23.04.2020
  3. Heinig R. Pharmacokinetics of the Novel, Selective, Non-steroidal Mineralocorticoid Receptor Antagonist Finerenone in Healthy Volunteers: Results from an Absolute Bioavailability Study and Drug-Drug Interaction Studies In Vitro and In Vivo, Eur J Drug Metab Pharmacokinet. 2018 Dec;43(6):715-727, abgerufen am 23.04.2020
  4. Heinig R. et al. Results from Drug-Drug Interaction Studies In Vitro and In Vivo Investigating the Effect of Finerenone on the Pharmacokinetics of Comedications, Eur J Drug Metab Pharmacokinet. 2020 Mar 3, abgerufen am 23.04.2020
  5. Bakris GL et al. Effect of Finerenone on Albuminuria in Patients With Diabetic Nephropathy: A Randomized Clinical Trial, JAMA. 2015;314(9):884–894, abgerufen am 23.04.2020
  6. Hui Pei et al. The use of a novel non-steroidal mineralcorticoid receptor Antagonist Finerenone for the Treatment of chronic heart failure. A systematic review and meta-Analysis, Medicine (Baltimore) 2018 Apr; 97(16): e0254, abgerufen am 23.04.2020
  7. Filippatos G et al. A randomized controlled study of finerenone vs. eplerenone in patients with worsening chronic heart failure and diabetes mellitus and/or chronic kidney disease, Eur Heart J. 2016 Jul 14;37(27):2105-14, abgerufen am 23.04.2020
  8. clinicaltrials.gov Efficacy and Safety of Finerenone in Subjects With Type 2 Diabetes Mellitus and Diabetic Kidney Disease (FIDELIO-DKD), abgerufen am 23.04.2020
  9. clinicaltrials.gov Efficacy and Safety of Finerenone in Subjects With Type 2 Diabetes Mellitus and the Clinical Diagnosis of Diabetic Kidney Disease (FIGARO-DKD), abgerufen am 23.04.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 23. April 2020 um 21:31 Uhr bearbeitet.

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