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Filarie

(Weitergeleitet von Filarien)

Englisch: filaria

1 Definition

Als Filarien bezeichnet man eine Überfamilie der Nematoden (Fadenwürmer). Die überwiegend in den tropischen und subtropischen Regionen vorkommenden Parasiten lösen sogennante Filariosen aus.

2 Systematik

2.1 Arten

Von den acht humanpathogenen Arten sind v.a. Wuchereria bancrofti, Brugia malayi, Onchocerca volvulus und Loa Loa für den Großteil der schweren Filariosen verantwortlich. Weltweit sind ca. 170 Millionen Menschen infiziert.[1]

Art Periodizität Vorkommen Vektor Lokalisation der adulten Würmer Lokalisation der Mikrofilarien Scheide
Wuchereria bancrofti nächtlich Südamerika, Afrika, Südasien, Papua-Neuguinea, China, Indonesien Culex, Anopheles (Stechmücken) Lymphsystem Blut +
subperiodisch östlicher Pazifik Aedes (Stechmücken)
Brugia malayi nächtlich Südostasien, Indonesien, Indien Mansonia, Anopheles (Stechmücken)
subperiodisch Indonesien, Südostasien Coquillettidia, Mansonia (Stechmücken)
Brugia timori nächtlich Indonesien Anopheles (Stechmücken)
Loa Loa tagsüber West-, Zentrafrika Chrysops (Bremsen) Subkutangewebe
Onchocerca volvulus keine Süd-, Zentralamerika, Afrika  Simulium (Kriebelmücken) Haut, Auge -
Mansonella ozzardi keine Süd-, Zentralamerika Culicoides (Mücken) keine spezifische Blut
Karibik Simulium (Kriebelmücken)
Mansonella perstans keine Süd-, Zentralamerika, Afrika Culicoides (Mücken) Seröse Höhlen, Mesenterium, perirenales Gewebe
Mansonella streptocerca keine West-, Zentralafrika Culicoides Subkutangewebe

3 Merkmale

Die infektiösen Larvenstadien der Filarien werden durch Stechmückenarten und andere Arthropoden auf den Menschen übertragen, die adulten Würmer (Makrofilarien) leben im lymphatischen oder subkutanen Gewebe. Dort produzieren sie Mikrofilarien, die 200-320 µm lang und 5-7 µm breit sind und ggf. eine Scheide tragen. Mikrofilarien zirkulieren im Blut oder im subkutanen Gewebe zeigen z.T. eine periodische Nachweisbarkeit im Blut (Periodizität). Anschließend werden sie von einem Vektor aufgenommen und entwickeln sich innerhalb von 1-2 Wochen zu infektiösen Larven.

Adulte Würmer überleben mehrere Jahre, Mikrofilarien nur 3-36 Monate. Des Weiteren besitzen alle Entwicklungsstadien von Brugia, Wuchereria, Mansonella und Onchocerca intrazellulär den bakteriellen Endosymbionten Wolbachia.

4 Klinik

4.1 Krankheitsbilder

Normalerweise kommt es nur durch wiederholte bzw. chronische Exposition gegenüber infektiösen Larven zu Infektionen. Die Filariose verläuft dabei als chronische Erkrankung mit möglichen Spätfolgen, wobei die Symptome bei Reisenden im Vergleich zu Bewohnern eines Endemiegebiets akuter verlaufen.

Man unterscheidet folgende Krankheitsbilder:

Ein ähnliches Krankheitsbild stellt die Dracunculiasis dar, die durch den verwandten Medinawurm (Dracunculus medinensis) hervorgerufen wird.

4.2 Zoonose

Bei Tieren können neben Brugia- und Onchocerca-Arten (Hunden, Katzen und Waschbären) auch Dirofilarien (kleine Säugetiere) zu Infektionen führen. Dabei kann es akzidentiell auch zur Infektion des Menschen kommen (Zoonose), wobei der Mensch einen Fehlwirt darstellt, sodass die Parasiten sich nicht vollständig weiterentwickeln.

Beispielsweise führt eine pulmonale Infektion mit dem Hundeherzwurm Dirofilaria immitis zu einem solitären pulmonalen Rundherd, selten zu Brustschmerzen, Hämoptysen und Husten. Infektionen mit Dirofilaria repens (Hund) oder Dirofilaria tenuis (Waschbär) können zu subkutanen Knoten führen. Zoonotische Infektionen mit Brugia-Arten lösen z.T. isolierte Lymphknotenvergrößerungen, zoonotische Onchozerkosen (v.a. Onchocerca lupi) subkonjunktivale Raumforderungen aus. Normalerweise sind die eosinophilen Granulozyten sowie Filarien-Antikörper nicht erhöht. Diagnostisch und therapeutisch wird eine Exzision durchgeführt, da eine medikamentöse Therapie i.d.R. wirkungslos ist.

5 Diagnostik

Filarien Erkrankungen Serologie Direktnachweis
Wucheria bancrofti Lymphangitis

Lymphadenitis

Elephantiasis
Keine speziesspezifische Serodiagnostik verfügbar. Tests für gruppenspez. Antikörper: Dicker Tropfen: Abnahme zwischen 23 Uhr und 2 Uhr am erfolgreichsten (Periodizität der Parasitämie) oder Stimulation der Mikrofilarämie durch orale Gabe von 100 mg Diäthylcarbamazepin
Loa-loa

Gewebsparasit, der Bindegewebe und Konjunktiven befällt

allergische Schwellungen

Konjunktivitis

Symptome oft erst 6-12 Monate nach der Infektion

Dicker Tropfen
Onchocerca volvulus

Flußblindheit

Dermatitis

Hautknoten

Hautbiopsie von suspektem Bereich in physiologische Kochsalzlösung geben

6 Quellen

  1. Suttorp et al. Harrisons Innere Medizin, 2020 ABW Wissenschaftsverlag

Diese Seite wurde zuletzt am 2. März 2021 um 17:39 Uhr bearbeitet.

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