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Humerus

(Weitergeleitet von Caput humeri)

Synonyme: Oberarmknochen, Os humeri (veraltet)
Englisch: upper arm bone, humerus

1 Definition

Der Humerus ist der längste Knochen der oberen Extremität. Er besteht aus einem nahezu zylindrischen Körper (Corpus humeri) und einem proximalen und distalen Endstück (Extremitas proximalis et distalis).

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2 Proximales Endstück (Extremitas proximalis)

Am proximalen Endstück lassen sich 4 wichtige anatomische Strukturen unterscheiden: der Kopf (Caput humeri), der Hals (Collum humeri) und zwei Höcker, das Tuberculum majus humeri und das Tuberculum minus humeri.

2.1 Caput humeri

Der nahezu halbkugelförmige Kopf des Humerus ist in der Ruhestellung des Oberarms nach kranial und medial sowie leicht nach dorsal gerichtet. Er steht zur Schaftachse in einem Kollodiaphysenwinkel von 120 bis 140° und einem Retrotorsionswinkel von 25-40°. Mit der Cavitas glenoidalis der Scapula bildet der Humeruskopf das Schultergelenk.

2.2 Collum humeri

Unmittelbar unterhalb des Oberarmkopfs schließt sich der Hals des Oberarmknochens an. Er ist gegenüber der Gelenkfläche leicht eingezogen und wird auch als "Collum anatomicum" bezeichnet. Er dient der Gelenkkapsel des Schultergelenks als Ansatz. Von ihm abgegrenzt wird das "Collum chirurgicum", eine chirurgisch bedeutsame "Sollbruchstelle" des Humerus, die unterhalb der Tubercula im Übergang zum Corpus liegt.

2.3 Tuberculum majus (humeri)

Das Tuberculum majus liegt lateral des Oberarmkopfes. Seine kraniale Oberfläche ist abgerundet und weist drei flache Impressionen auf, die von oben nach unten folgenden Muskeln als Ansatz dienen:

Die laterale Fläche des Tuberculum majus ist rau und konvex und geht ohne sichtbare Begrenzung in den Corpus humeri über.

2.4 Tuberculum minus (humeri)

Auch das Tuberculum minus dient als Muskelansatz, und zwar für den Musculus subscapularis. Es ist zwar kleiner als das Tuberculum majus, springt aber stärker nach frontal hervor. Es zeigt dabei nach medial, in die Zugrichtung der Sehne des Musculus subscapularis.

2.5 Sulcus intertubercularis

Beide Tubercula laufen nach kaudal in je eine Knochenleiste aus, die Crista tuberculi majoris und die Crista tuberculi minoris. Zwischen den Tubercula verläuft eine mit Faserknorpel ausgekleidete Rinne, der Sulcus intertubercularis. Er zieht nach distal bis etwa zum Beginn des mittleren Knochendrittels und verliert dabei zunehmend an Ausprägung. Der Sulcus wird durch das Ligamentum transversum humeri zu einem osteofibrösen Kanal geschlossen. Durch ihn läuft die lange Sehne des Caput longum des Musculus biceps brachii und ein Ast der Arteria circumflexa humeri anterior.

3 Körper bzw. Schaft (Corpus humeri)

3.1 Flächen

3.1.1 Facies anterior lateralis

Die Facies anterior lateralis ist im proximalen Teil glatt und gerundet. Sie wird durch den Musculus deltoideus verdeckt. Etwa in der Mitte der Fläche befindet sich ein rauer Buckel, die Tuberositas deltoidea, die den Ansatz des gleichnamigen Muskels markiert. Unter ihm befindet sich der von der Facies posterior kommende Sulcus nervi radialis, in der der Nervus radialis und die Arteria profunda brachii von schräg hinten und oben nach frontal schwenken. Im distalen Teil dient die Facies anterior lateralis als Ursprung des Musculus brachialis.

3.1.2 Facies anterior medialis

Die Facies anterior medialis hat eine geringere Ausdehnung als die Facies anterior lateralis. Ihr oberer Anteil ist eng, formt den Boden des Sulcus intertubercularis und dient als Ansatzfläche des Musculus latissimus dorsi. Eine raue Stelle im mittleren Abschnitt bildet den Ansatz des Musculus coracobrachialis. Der distale Teil dient als Ursprung des Musculus brachialis.

3.1.3 Facies posterior

Die Facies posterior wird fast vollständig vom lateralen und medialen Kopf des Musculus triceps brachii bedeckt. Die Ursprungsfläche beider Muskelköpfe wird vom Sulcus radialis durchschnitten.

3.2 Ränder

3.2.1 Margo anterior

Der Margo anterior läuft von der Vorderseite des Tuberculum majus nach distal bis zur Fossa coronoidea und trennt dadurch die Facies anterior medialis von der Facies anterior lateralis. Im oberen Teil ist er ein prominenter Knochenvorsprung (Crista tuberculi majoris), der als Ansatz für die Sehne des Musculus pectoralis major dient. In der Mitte nimmt er die Vordergrenze der Tuberositas deltoideae auf. Distal erscheint er glatt und abgerundet und dient hier als Ursprung des Musculus brachialis.

3.2.2 Margo lateralis

Der Margo lateralis zieht von der Rückseite des Tuberculum majus zum Epicondylus lateralis humeri und trennt dadurch die Facies anterior lateralis von der Facies posterior. Die obere Hälfte ist abgerundet und schwer abzugrenzen. Sie dient als Ansatz für den Musculus teres minor und distal davon als Ursprung für den lateralen Kopf des Musculus triceps brachii. In der Mitte wird der Margo lateralis von der flachen Knochenimpression des Sulcus radialis gekreuzt. Nach distal hin endet er in einem ausgeprägten Knochenkamm, der Crista supracondylaris lateralis, die dem Musculus brachioradialis als Ursprung dient.

3.2.3 Margo medialis

Der Margo medialis erstreckt sich vom Tuberculum minus bis zum Epicondylus medialis humeri. Im oberen Drittel imponiert er als prominenter Knochenvorsprung (Crista tuberculi minoris). Hier setzt die Sehne des Musculus teres major an. In der Mitte weist er eine leichte Vertiefung für die Ansatzsehne des Musculus coracobrachialis auf. Das untere Drittel erhebt sich zu einem - mit zunehmender Annäherung an den Epikondylus deutlicher werdenden - Knochenvorsprung, der |Crista supracondylaris medialis.

4 Distales Endstück (Extremitas distalis)

Das distale Endstück des Humerus ist in anterior-posteriorer Richtung abgeflacht und bildet den Gelenkkopf (Condylus humeri). Er trägt zwei Gelenkflächen für das Ellenbogengelenk: Lateral das Capitulum humeri und medial die Trochlea humeri. Seitlich befinden sich zwei Knochenvorsprünge, der Epicondylus medialis humeri und der Epicondylus lateralis humeri.

4.1 Capitulum humeri

Der laterale Anteil der Gelenkfläche besteht aus einer knopfartig abgerundeten, halbkugeligen und deutlich vorgewölbten Knorpelfläche, dem Capitulum humeri. Sie artikuliert mit der konkaven Gelenkfläche des Radiusköpfchens.

4.2 Trochlea

Der mediale Anteil der Gelenkfläche wird Trochlea humeri genannt. Er zieht als quer liegender Zylinder von der Vorder- zur Rückseite des Humerus und formt dadurch eine ausgedehnte, taillierte Knorpelrolle. In mediolateraler Richtung ist die Gelenkrolle konkav.

Die Trochlea artikuliert bündig mit der korrespondierenden, halbmondförmigen Gelenkfläche des Olecranons der proximalen Ulna. Die laterale Begrenzung trennt die Trochlea gratförmig von der angrenzenden Knorpelfläche, die mit dem Rand des Radiusköpfchens in Verbindung steht. Die mediale Grenze ist deutlicher ausgeprägt und markiert den Übergang zum Epicondylus medialis.

4.3 Fossa radialis

Gleich proximal des Capitulum humeri sieht man eine Vertiefung im Knochen, die Fossa radialis. Sie nimmt den Vorderrand des Radiusköpfchens auf, wenn der Unterarm in eine starke Beugestellung (Flexion) gebracht wird.

4.4 Fossa coronoidea

Proximal der Trochlea sieht man in der anterioren Ansicht eine kleine Vertiefung, die Fossa coronoidea. Sie nimmt - analog zur Fossa radialis - den Processus coronoideus der Ulna bei gebeugtem Unterarm auf.

4.5 Fossa olecrani

Auf der Rückseite des Humerus befindet sich proximal der Trochlea eine weitere, deutlich ausgeprägte dreieckförmige Vertiefung, die Fossa olecrani. Sie nimmt in der Extensionsstellung des Unterarms das Olecranon der Ulna auf.

4.6 Epicondylus lateralis

Der Epicondylus lateralis ist ein kleine, mit zahlreichen Tubercula besetzte Knochenvorwölbung auf der lateralen Seite des Humerus. Er ist der gemeinsame Ursprung folgender Muskeln:

Darüber hinaus dient er als Ansatzfläche für die Faserzüge des Ligamentum collaterale radiale. Nach proximal hin setzt er sich in die Crista supracondylaris lateralis fort.

4.7 Epicondylus medialis

Der mediale Epikondylus ist kräftiger ausgeprägt als der laterale. Nach proximal hin setzt er sich in die Crista supracondylaris medialis fort. Er dient als Ansatzfläche des Ligamentum collaterale ulnare. Der Epicondylus medialis ist der gemeinsame Ursprung der oberflächlichen Flexoren des Unterarms:

Der Nervus ulnaris läuft im Sulcus nervi ulnaris auf der posterioren Seite des Epicondylus medialis.

5 Entwicklung

Der Beginn der diaphysären Verknöcherung des Humerus beginnt in der 7.–8. Entwicklungswoche. Die Knochenkerne in der Epiphyse treten proximal zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr auf. In der distalen Epiphyse beginnt die Verknöcherung im Capitulum humeri schon im 1.–2., im Epicondylus medialis humeri im 5.–6., in der Trochlea humeri und im Epicondylus lateralis humeri im 8–13. Lebensjahr. Die distale Epiphysenfuge schließt sich zwischen dem 14. und 18., die proximale erst zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr. Die Knochenkernbildung und der Epiphysenfugenschluss finden beim weiblichen Geschlecht etwas früher statt als beim männlichen Geschlecht.

Projiziert man die Oberarmkopfachse von der Mitte des Tuberculum majus zur Mitte des Caput humeri auf die Epikondylenachse des Ellenbogengelenks, erhält man den Torsionswinkel. Er beträgt bei Neugeborenen etwa 60° (Torsion des Humerus). Durch Abflachung des Thorax in sagittaler Richtung verändert sich die Stellung des Schulterblatts. Dieser Änderung muss der Humeruskopf folgen, sodass der Torsionswinkel bei Erwachsenen nur noch etwa 20° beträgt.

Das Längenwachstum findet hauptsächlich in der proximalen Epiphyse statt. Die proximale Epiphysenfuge liegt bis zum fünften Lebensjahr im Bereich des Collum anatomicum. Danach vereinigen sich die Epiphysen des Caput humeri und des Tuberculum majus, sodass die Epiphysenfuge unter das Tuberculum majus verlagert wird ("sekundäre" Epiphysenfuge). Dadurch verliert sie den Schutz der Gelenkkapsel und der Rotatorenmuskeln. Bei Gewalteinwirkungen kann es nun relativ leicht zur Abscherung der Epiphyse vom Schaft kommen (Epiphyseolysis capitis femoris). In der Adoleszenz wandert die Fuge in den Bereich der Tubercula ("tertiäre" Fuge) und ist wieder besser geschützt.

6 Klinik

Frakturen des Humerus sind durch die exponierte Lage des Oberarms relativ häufig und machen ca. 4-5% aller Frakturen aus. Man unterscheidet:

Selten kann es zu einer aseptischen Knochennekrose des Humerus kommen, der Oberarmkopfnekrose.

Oberhalb des Epicondylus medialis findet sich bei ungefähr einem Prozent der Menschen ein hakenförmiger Fortsatz, der Processus supraepicondylaris. Dieser ist durch ein Band mit dem Epikondylus verbunden. Hier kann es zur Kompression des Nervus medianus oder der Arteria brachialis kommen.

Fachgebiete: Obere Extremität

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