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Ulna

Synonym: Elle
Englisch: ulna

1 Definition

Die Ulna, deutsch Elle genannt, ist ein länglicher Röhrenknochen, der an der medialen Seite des Unterarms liegt und parallel zum Radius verläuft.

2 Anatomie

Die Ulna besteht aus einem rautenförmigen Körper (Corpus ulnae) und je einem proximalen und distalen Endstück (Extremitas proximalis et distalis). Das stark ausgeprägte proximale Endstück formt den größten Teil des Ellenbogengelenks. Das kleinere distale Endstück steht über einen Knorpeldiskus mit dem Handgelenk in Verbindung.

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2.1 Proximales Endstück (Extremitas proximalis)

Am proximalen Endstück lassen sich 4 wichtige anatomische Strukturen unterscheiden: das Olecranon, der Processus coronoideus, die Incisura trochlearis und die Incisura radialis.

2.1.1 Olecranon

Das Olecranon ist ein breiter, dicker und schnabelartig ausgezogener Knochensporn am proximalen Ende der Ulna. Sein prominentes Ende reicht in die Fossa olecrani des Oberarmknochens (Humerus) hinein. Die Basis verjüngt sich im Übergang zum Corpus ulnae.

Die posteriore Fläche des Olecranon ist etwa dreieckig, glatt und wird von einem Schleimbeutel (Bursa olecrani) bedeckt, da sie unmittelbar unter der Haut liegt. Die superiore Fläche ist etwa rautenförmig und dort aufgerauht, wo die Sehne des Musculus triceps brachii in den Knochen einstrahlt. Am Vorderrand des Olecranons sieht man einen quer verlaufende Vertiefung, die den posterioren Faserzügen der Gelenkkapsel des Ellenbogengelenks als Ansatz dient. Die anteriore Oberfläche ist glatt, konkav und von Gelenkknorpel überzogen. Sie bildet den oberen Teil der Incisura trochlearis. Am medialen Rand des Olecranon entspringen einige Fasern des Musculus flexor carpi ulnaris. Am lateralen Rand setzt der Musculus anconaeus an.

2.1.2 Processus coronoideus

Der Processus coronoideus ulnae ist ein prominenter, dreieckiger Knochenvorsprung unterhalb der Incisura trochlearis. Seine anteroinferiore Fläche ist konkav und weist eine rauhe Eindellung auf, in welche Fasern der Sehne des Musculus brachialis inserieren.

Die laterale Fläche zeigt eine trapezförmige, knorpelüberzogene Gelenkfläche, die das Radiusköpfchen (Caput radii) aufnimmt. Sie wird als Incisura radialis bezeichnet. Die mediale Seite des Knochenfortsatzes dient als Ursprung für den Musculus flexor digitorum superficialis und den Musculus pronator teres.

In Flexion wird der Processus coronoideus ulnae von der Fossa coronoidea des Humerus aufgenommen.

2.1.3 Incisura trochlearis

Die Incisura trochlearis (Incisura semilunaris ulnae) ist eine große, sichelförmige Vertiefung zwischen dem Olekranon und dem Processus coronoideus. Sie ist mit Gelenkknorpel überzogen und artikuliert mit der Trochlea des Humerus. Die Inzisur wird durch einen glatten Knochengrat, der vom Olekranon bis zur Spitze des Processus coronoideus läuft, in eine laterale und eine etwas größere, mediale Partie unterteilt.

2.1.4 Incisura radialis

Die Incisura radialis ist eine knorpelüberzogene Einziehung an der lateralen Seite des Processus coronoideus. Sie nimmt das Radiusköpfchen auf. In ihrer Längsausdehnung ist sie leicht konkav. Ihre etwas vorspringenden Ränder dienen dem Ligamentum anulare radii als Ansatz.

2.2 Schaft (Corpus ulnae)

Der Schaft der Ulna hat im proximalen Abschnitt einen annähernd dreieckigen Querschnitt mit drei Kanten und drei durch sie getrennten Flächen. Nach distal wird er zunehmend abgerundet.

2.2.1 Margo anterior

Die vordere (volare) Kante läuft vom Processus coronoideus nach distal. Ihr oberer und mittlerer Abschnitt dient als Ursprung des Musculus flexor digitorum profundus. Im unteren Viertel entspringen Fasern des Musculus pronator quadratus. Die Margo volaris trennt die Facies anterior von der Facies medialis.

2.2.2 Margo posterior

Die hintere (dorsale) Kante der Ulna beginnt auf der Rückseite des Olecranons und läuft von dort nach distal zum Processus styloideus. In den oberen drei Vierteln ist sie stark ausgeprägt und dient als Ansatz einer Aponeurose, die dem Musculus flexor carpi ulnaris, dem Musculus extensor carpi ulnaris und dem Musculus flexor digitorum profundus als Ursprung dient. Die Margo volaris trennt die Facies posterior von der Facies medialis.

2.2.3 Margo interosseus

Die mediale Kante wird Crista interossea ulnae oder Margo interosseus ulnae genannt. Sie beginnt an der Verbindungsstelle zweier Linien, die von den Rändern der Incisura radialis nach distal ziehen. Diese Linien schließen ein dreieckiges Knochenareal ein, die Crista musculi supinatoris, die einen Teil des Ursprungs des Musculus supinator markiert. Der Margo interosseus endet distal am Caput ulnae. Die Kante ist im oberen Anteil scharfrandig, im unteren Abschnitt glatt und abgerundet, Am Margo interosseus ist die Membrana interossea antebrachii befestigt, welche die Ulna mit dem Radius verbindet. Sie trennt die Facies posterior von der Facies anterior.

2.2.4 Facies anterior

Die Facies anterior (Facies volaris) ist proximal deutlich breiter als distal. In ihren oberen 3/4 entspringt der Musculus flexor digitorum profundus. Das unter Viertel ist vom Musculus pronator quadratus bedeckt.

2.2.5 Facies posterior

Die Facies posterior (Facies dorsalis) ist im oberen Teil breit und konkav, im mittleren Anteil konvex und etwas enger und im distalen Anteil glatt und abgerundet. Über den oberen Teil läuft schräg eine kleine Knochenkante. In der Knochenpartie oberhalb dieser Kante inseriert der Musculus anconaeus. Unterhalb der Knochenkante wird die Fläche von einer longitudinal verlaufenden, feinen Konchenleiste in zwei Teile geteilt. Der mediale Teil ist glatt und wird vom Musculus extensor carpi ulnaris bedeckt. Der laterale Teil ist rauh und dient - von oben nach unten - folgenden Muskeln als Ursprung:

2.2.6 Facies medialis

Die Facies medialis ist in den proximalen 3/4 das Ursprungsgebiet des Musculus flexor digitorum profundus. Das untere Viertel grenzt an das Integument.

2.3 Distales Endstück (Extremitas distalis)

Das distale Endstück der Ulna ist deutlich graziler als das proximale Endstück. Man findet hier zwei prominente Knochenstrukturen.

2.3.1 Caput ulnae

Das lateral stehende Caput ulnae ist der distale Gelenkkopf der Elle. Der nach distal weisende Teil der Gelenkfläche steht in Kontakt mit dem Discus articularis, der ihn von der proximalen Reihe der Handwurzelknochen trennt. Die nach lateral weisende Knorpelzone wird von der Incisura ulnaris des Radius aufgenommen.

2.3.2 Processus styloideus

Medial vom Caput ulnae befindet sich der Processus styloideus ulnae (Griffelfortsatz) der Elle. Er reicht weiter nach distal als das Caput. Sein abgerundetes Ende dient den Fasern des Ligamentum collaterale carpi ulnare als Ansatz.

3 Entwicklung

Die perichondrale Ossifikation des Corpus ulnae beginnt im Laufe der 7. Embryonalwoche. Die Knochenkerne in der distalen Epiphyse werden enchondral zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr, im Processus styloideus zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr angelegt. Proximal erfolgt der Epiphysenfugenschluss früher als distal.

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