Alzheimer-Krankheit: Unterschied zwischen den Versionen

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== Histopathologie ==
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[[Mikroskop]]isch lassen sich [[intrazellulär]]e [[Aggregat]]e des [[Tau-Protein]]s ([[Neurofibrilläre Tangles]], Alzheimer-Fibrillen) nachweisen. Dieser Aggregation liegt eine übermäßige [[Phosphorylierung]] der Tau-Proteine zugrunde. Ungeklärt ist, ob diese Phosphorylierung sekundärer Natur oder krankheitsauslösend ist.  
[[Mikroskop]]isch zeigen sich [[intrazellulär]]e [[Aggregat]]e des [[Tau-Protein]]s ([[Neurofibrilläre Tangles]], Alzheimer-Fibrillen). Dieser Aggregation liegt eine übermäßige [[Phosphorylierung]] der Tau-Proteine zugrunde. Ungeklärt ist, ob diese Phosphorylierung sekundärer Natur oder krankheitsauslösend ist.  


Des Weiteren sind Ablagerungen extrazellulärer Beta-Amyloid-Plaques ([[senile Plaques]]) und eine [[zerebrale Amyloidangiopathie]] ([[Kongorot]]-Färbung) nachweisbar. Diese beiden mikroskopischen Korrelate der Alzheimer-Krankheit basieren auf der Ablagerung von Beta-Amyloid.<ref>Rollwagen. [https://d-nb.info/1042348251/34 Einfluss systemischer Infektionen auf  den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Erkrankung im Maus-Modell], Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades  
Des Weiteren sind Ablagerungen extrazellulärer Beta-Amyloid-Plaques ([[senile Plaques]]) und eine [[zerebrale Amyloidangiopathie]] ([[Kongorot]]-Färbung) nachweisbar. Diese beiden mikroskopischen Korrelate der Alzheimer-Krankheit basieren auf der Ablagerung von Beta-Amyloid.<ref>Rollwagen. [https://d-nb.info/1042348251/34 Einfluss systemischer Infektionen auf  den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Erkrankung im Maus-Modell], Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades  

Version vom 30. Januar 2024, 00:15 Uhr

nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 bis 1915)
Synonyme: präsenile Demenz (veraltet), Demenz vom Alzheimer-Typ
Englisch: alzheimer's disease

Definition

Als Alzheimer-Krankheit oder Morbus Alzheimer bezeichnet man eine progressive Atrophie der Großhirnrinde (Cortex cerebri), die üblicherweise zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auftritt.

Epidemiologie

Frauen sind von der Alzheimer-Krankheit häufiger betroffen als Männer. Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt etwa acht Jahre bis zum Tod. Die Prävalenz liegt bei etwa 1 % in der Gesamtbevölkerung, bei etwa 5 bis 10 % bei den über 65-Jährigen und bei etwa 30 % bei den über 80-Jährigen.[1]

Ätiologie

Die genaue Ätiologie der Alzheimer-Krankheit ist bislang (2024) noch nicht geklärt. Es handelt sich um eine degenerative Erkrankung mit einer diffusen Atrophie der Hirnrinde (im späteren Verlauf auch des Marklagers). Betroffen sind hier insbesondere der Temporallappen, der Parietallappen und der Hippocampus. Die Gehirnschrumpfung kann bis zu 20 % betragen.

Histopathologische Untersuchungen zeigen, dass Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid (Aβ) im Gehirnparenchym und in den Hirngefäßen ein wesentlicher Treiber der Erkrankung sind. Die Erkrankungsmechanismen haben dabei Ähnlichkeit mit denen der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD), die durch Prionen ausgelöst wird. Wie die CJD wurde auch die Alzheimer-Krankheit in der Vergangenheit in einigen Fällen iatrogen durch Verabreichung von kontaminierten humanen Wachstumshormon-Präparaten übertragen. In diesen Präparaten lies sich nachträglich Beat-Amyloid nachweisen.[2]

Genetik

Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit. Der ApoE-ε4-Genotyp ist einer der wichtigsten genetischen Risikofaktoren für die Enstehung einer Alzheimer-Krankheit. Das sehr seltene Allel ApoE-ε2 wirkt hingegend protektiv.[3][4]

Unter 3 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden autosomal-dominant vererbt. Diese Form bezeichnet man als familäre Alzheimer-Krankheit. Bekannt sind ursächliche Mutationen im APP-Gen, Präsenilin-1-Gen und Präsenilin-2-Gen.[5][6][7]

Histopathologie

Mikroskopisch zeigen sich intrazelluläre Aggregate des Tau-Proteins (Neurofibrilläre Tangles, Alzheimer-Fibrillen). Dieser Aggregation liegt eine übermäßige Phosphorylierung der Tau-Proteine zugrunde. Ungeklärt ist, ob diese Phosphorylierung sekundärer Natur oder krankheitsauslösend ist.

Des Weiteren sind Ablagerungen extrazellulärer Beta-Amyloid-Plaques (senile Plaques) und eine zerebrale Amyloidangiopathie (Kongorot-Färbung) nachweisbar. Diese beiden mikroskopischen Korrelate der Alzheimer-Krankheit basieren auf der Ablagerung von Beta-Amyloid.[8]

Innerhalb der Neurone sieht man granuläre und vakuoläre Degenerationen, die Transmitterausschüttung von Acetylcholin ist durch Degeneration des Nucleus basalis vermindert. Diese Veränderungen sind allerdings nicht spezifisch und lassen sich auch in den Gehirnen nicht-dementer Personen nachweisen.

Darüber hinaus wird eine Verbindung zwischen dem Protein IGFBP7 und der Alzheimer-Krankheit vermutet. Im Mausmodell gingen erhöhte Konzentrationen von IGFBP7 mit einer verminderten Gedächtnisleistung einher.[9]

Symptomatik

Die Alzheimer-Krankheit geht mit einem Abbau des Gedächtnisses sowie kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten einher. Das erste Symptom der Alzheimer-Krankheit ist eine zunehmende Störung der Merkfähigkeit und der Orientierung. Im weiteren Verlauf treten Perseverationen sowie Apraxie und Aphasie auf. Die Persönlichkeitsstruktur bleibt auch mit fortschreitender Erkrankung über einen langen Zeitraum erhalten.

Fachausdruck Klinik
Amnesie Gedächtnisverlust, Vergesslichkeit
Apraxie Verlust praktischer Fähigkeiten, z.B. Ankleiden, Schuhe binden, Kaffee kochen
Sensorische Aphasie Fehlendes Sprachverständnis
Agnosie Mangelnde Interpretationsfähigkeit wahrgenommener Informationen, Überforderung beim Treffen von Entscheidungen
Motorische Aphasie Sprechstörung, unverständliche Sprache
Apathie Mangelnde Anteilnahme

Verlauf

Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist chronisch progredient und lässt sich grob in drei Stadien einteilen:

Jedes Stadium dauert ca. drei Jahre lang an.

Diagnostik

Ein Diagnoseverfahren zur Früherkennung des Morbus Alzheimer ist die Software-gestütze Messung der Stoffwechselaktivität im Hippocampus mittels Positronenemissionstomographie (PET).

Therapie

Bis heute (2023) ist die Alzheimer-Krankheit unheilbar. Daher bezieht sich die gängige Therapie auf die Linderung der Symptome. Einige Medikamente konnten in klinischen Studien eine Verbesserung der Symptomatik (besonders der Merkfähigkeit) zeigen, unter anderem:

Darüber hinaus sind eine Gruppe von monoklonalen Antikörpern im Einsatz bzw. in klinischer Entwicklung, die sich gezielt gegen Beta-Amyloid richten und seinen Abbau durch das Immunsystem induzieren. Sie können vor allem im Frühstadium der Erkrankung den Progress verzögern. Dazu zählen

Die Langzeit-Prognose des Morbus Alzheimer wird durch die bislang entwickelten Wirkstoffe nicht verändert.

Quellen

  1. Höfler et al. Lehrbuch Pathologie, 6. Auflage, 2019
  2. Banerjee, G., Farmer, S.F., Hyare, H. et al. Iatrogenic Alzheimer’s disease in recipients of cadaveric pituitary-derived growth hormone. Nat Med (2024).
  3. Gelbe Liste - Alzheimer: ApoE2 schlägt ApoE4, abgerufen am 28.03.2023
  4. Raulin et al. ApoE in Alzheimer’s disease: pathophysiology and therapeutic strategies. Molecular Neurodegeneration volume, 2022
  5. Medizinisch Genetisches Zentrum - AlzheimerTyp, familiär, abgerufen am 27.03.2023
  6. Deutsche Alzheimer Gesellschaft - Die Genetik der Alzheimer-Krankheit, abgerufen am 27.03.2023
  7. Alzheimer-Forschung - Ist Alzheimer erblich?, abgerufen am 27.03.2023
  8. Rollwagen. Einfluss systemischer Infektionen auf den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Erkrankung im Maus-Modell, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität zu Göttingen, 2010
  9. Hope Y Agbemenyah et al.: Insulin growth factor binding protein 7 is a novel target to treat dementia, abgerufen am 11.1.2021

Literatur