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Vaginalkarzinom

Englisch: vaginal carcinoma, vaginal cancer

1 Definition

Unter einem Vaginalkarzinom versteht man einen malignen Tumor im Bereich der Vagina.

2 Epidemiologie

Das Vaginalkarzinom macht etwa ein bis zwei Prozent aller malignen Erkrankungen des weiblichen Genitaltraktes aus. Es handelt sich somit um eine eher seltene Erkrankung.

Häufiger wird der sekundäre Befall der Vagina bei Karzinomen der Nachbarorgane beobachtet.

3 Ätiopathogenese

Die Ätiologie ist noch nicht endgültig geklärt. Vaginalkarzinome werden häufiger nach chronischer Irritation z.B. durch einen Prolaps oder durch die längere Benutzung von Intrauterinpessaren sowie nach Bestrahlung des Beckens beobachtet. Eine Infektion mit dem HP-Virus scheint keine Rolle zu spielen.

In der Vagina lassen sich wie auch in der Vulva und der Zervix intraepitheliale Neoplasien beobachten, wobei ein Teil der Veränderungen in ein Plattenepithelkarzinom übergeht.

4 Histologie

In 90% der Fälle handelt es sich um Plattenepithelkarzinome, seltener findet man Adenokarzinome (häufig als Metastasen), Sarkome oder Melanome.

5 Lokalisation und Ausbreitung

Das Vaginalkarzinom ist meist im hinteren Teil des oberen Drittels der Vagina lokalisiert und infiltriert frühzeitig Nachbarorgane wie Rektum, Ureteren, Urethra und die Harnblase.

6 Klinik

Ein Fünftel der betroffenen Patientinnen hat keine Beschwerden. In der Mehrzahl der Fälle imponiert das Vaginalkarzinom durch vaginale Blutungen, die vor allem nach dem Geschlechtsverkehr auftreten. Weiterhin kann es zu fleischwasserfarbenem Fluor genitalis sowie zu Indurationen kommen. Ein Druckgefühl in der Vagina ist bei den am häufigsten vorkommenden exophytisch wachsenden Tumoren möglich.

Bei fortgeschrittener Tumorerkrankung können Miktions- und Defäkationsstörungen auftreten.

7 Metastasierung

Bei Karzinomen im oberen Drittel erfolgt die Metastasierung in die pelvinen Lymphknoten, bei Sitz im mittleren Drittel ist ein pelviner und inguinaler Lymphknotenbefall möglich. Bei Lokalisation im unteren Drittel erfolgt die Metastasierung vor allem in die inguinalen Lymphknoten.

8 Therapie

Bei Lokalisation im oberen Drittel wird eine radikale Hysterektomie mit oberer Kolpektomie und pelviner Lymphadenektomie durchgeführt.

Im mittleren Drittel erfolgt neben der radikalen Hysterektomie die totale Kolpektomie mit pelviner und inguinaler Lymphadenektomie.

Karzinome im unteren Drittel werde durch die untere Kolpektomie, eingeschränkter Vulvektomie sowie inguinaler Lymphadenektomie behandelt.

Bei infiltrierendem Wachstum erfolgt eine lokale Kontakttherapie im Afterloadingverfahren in Kombination mit einer perkutanen Radiatio des Beckens und des Inguinalbereiches.

9 Nachsorge

Die Nachsorge erfolgt in den ersten zwei Jahren jeweils alle drei Monate, danach bis zum fünften Jahr halbjährlich.

10 Prognose

Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 40%. Rezidive sind häufig.

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Fachgebiete: Gynäkologie

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