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Radikale Hysterektomie

1 Allgemein

Die radikale Hysterektomie ist eine Form der Gebärmutterentfernung (Hysterektomie), bei welcher der Corpus uteri, die Cervix uteri, der obere Teil der Vagina, ein Teil der Parametrien und die zugehörigen Lymphknoten entfernt werden.

Zusätzlich werden gelegentlich eine oder beide Ovarien entfernt.

2 Indikation

Die radikale Hysterektomie ist die klassische Operationstechnik bei einem Zervixkarzinom. Wie radikal operiert wird, ist abhängig vom Stadium der Tumorerkrankung.

3 Operatives Vorgehen

Grundsätzlich kann die radikale Hysterektomie über einen offenen abdominellen Zugang, laparoskopisch oder robotisch erfolgen. Die Grundprinzipien sind hierbei jedoch die gleichen:[1]

  • Eröffnung der Bauchhöhle und systematische Inspektion
  • Belassung der Ovarien möglich bei prämenopausalen Frauen
  • Eröffnung der paravesikalen Grube. Bei Verdacht auf Befall des vesikouterinen Übergangs erfolgt eine Schnellschnittuntersuchung. Bei Tumorbefall erfolgt der Abbruch der Operation. Weitere Optionen sind die Blasenteilresektion oder die Durchführung einer Exenteration
  • Inzision des Douglas-Peritoneums und Eröffnung der pararektalen Grube; Entfernung des Binde- und Fettgewebes mit den Lymphbahnen und -knoten
  • Darstellung und Absetzen der Parametrien stadienabhängig mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum Tumor
  • Mobilisierung des Rektums und Absetzen der Ligamenta sacrouterina
  • Komplette Präparation des Ureters aus den Parametrien
  • Mobilisierung des Ureters nach Präparation des Blasenpfeilers
  • Absetzen von Parakolpium und Vagina in Abhängigkeit von der Größe des Primärtumors und Befall der Vagina - anzustreben ist ein ausreichender vaginaler Sicherheitsabstand
  • Verschluss der Bauchdecken

4 Klassifikation nach Piver

Die Klassifikation von Piver et al. aus dem Jahre 1974 unterscheidet je nach Radikalität fünf Grade der radikalen Hysterektomie [2]

Grad Vorgehen
Piver I Extrafasziale Hysterektomie: keine nennenswerte Mobilisierung der Ureteren
Piver II Modifiziert-radikale Hysterektomie: Absetzen der Arteria uterina an der Überkreuzung des Ureters. Absetzen der Ligamenta sacrouterina und cardinalia auf halben Weg zum Kreuzbein bzw. zur Beckenwand. Resektion des oberen Vaginaldrittels. Präparation der Ureteren ohne Herauslösen aus dem Ligamentum pubovesicale. Letztlich handelt es sich um eine extrafasziale Hysterektomie mit Resektion der Parametrien medial der Ureteren
Piver III "Klassische" radikale Hysterektomie: Absetzen der Arteria uterina an ihrem Ursprung (Arteria iliaca interna oder Arteria vesicalis superior). Absetzen der Ligamenta uterosacralia und cardinalia nahe an ihren Ursprüngen (Os sacrum, Beckenwand). Resektion des oberen Vaginaldrittels (bis zur Vaginalhälfte). Präparation der Ureteren bis zur Einmündung in die Blase unter Schonung eines kleinen lateralen Anteils des Ligamentum pubovesicale
Piver IV Erweiterte radikale Hysterektomie: Wie Piver III, jedoch mit kompletter Herauslösung der Ureteren aus dem Ligamentum pubovesicale, Resektion der Arteria vesicalis superior, Resektion von bis zu 3/4 der Vagina
Piver V Wie Piver IV, jedoch mit Resektion von Teilen der Blase und des distalen Ureters mit Ureterneuimplantation

siehe auch: Wertheim-Meigs-Operation, Zervixkarzinom, Hysterektomie

5 Quellen

  1. [1] S3-Leitlinien zum Zervixkarzinoms. 09/2014
  2. Piver, M.S., F. Rutledge, and J.P. Smith, Five classes of extended hysterectomy for women with cervical cancer. Obstet Gynecol, 1974. 44(2): p. 265-72:

Tags:

Fachgebiete: Gynäkologie

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