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Listeriose (Schwein)

Synonym: Listeria monocytogenes-Infektion des Schweins

1 Definition

Die Listeriose ist eine Infektionskrankheit des Schweins, die durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht wird. Da die Listereriose auch den Menschen befällt, zählt sie zu den Zoonosen.

2 Erreger

Listerien sind kurze Stäbchenbakterien, die 0,4 bis 0,5 x 0,5 bis 2 µm groß sind. Aufgrund ihrer abgerundeten Zellenden erscheinen sie im Lichtmikroskop kokkoid. Die Bakterien sind entweder einzeln oder in kurzen Ketten gelagert und nur selten in längeren Filamenten angeordnet. Bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C können sie sich aufgrund der Expression peritricher Geißeln eigenständig fortbewegen.

Listerien sind fakultative Anaerobier und bauen im Zuge ihrer Stoffwechselaktivität Glukose fermentativ ab. Sie sind katalasepositiv sowie oxidasenegativ. Im Schräglicht erscheinen die einzelnen Kolonien in einer charakteristischen blau-grün-Färbung (Schrägdurchlicht nach Henry).

3 Epidemiologie

Eine klinisch manifeste Erkrankung - verursacht durch Listeria monocytogenes - kann grundsätzlich in allen Altersstufen auftreten. In den meisten Fällen sind Mastschweine, Sauen und Ferkel betroffen. Besonders anfällig für Listeria monocytogenes sind neugeborene und tragende Tiere.

Listeria monocytogenes ist weltweit verbreitet und bei den meisten lebensmittelliefernden Tieren nachweisbar. Klinisch manifeste Erkrankungen treten jedoch nur fallweise auf. Schweine tragen die Listerien hauptsächlich im Gastrointestinaltrakt und in geringen Mengen auch auf den Tonsillen. Einzelnen Studien zufolge sind 10 % aller geschlachteter Schweine Träger von Listeria monocytogenes. Die Trägerrate steigt signifikant an, wenn im Betrieb Flüssigfutter oder Silage gefüttert wird.

4 Pathogenese

Listeria monocytogenes kann über zwei Eintrittspforten in den Organismus der Tiere gelangen. Einerseits können die Bakterien über das Nervensystem oder die Tonsillen, andererseits über den Gastrointestinaltrakt aufsteigen und zu einer generalisierten Infektion führen. Im weiteren Verlauft kommt es zu einer Septikämie mit Lymphadenitis.

5 Klinik

Die Symptome einer Listeriose werden durch die von den Bakterien produzierten Toxinen (Listeriolysin O) ausgelöst. Erkrankte Tiere versterben oft innerhalb der ersten vier Tage.

Bei Ferkeln werden oftmals plötzliche Todesfälle beobachtet. Ebenso können Septikämien und Fieber bis zu 42 °Celsius und zentralnervöse Symptome auftreten. Bei neugeborenen Tieren beträgt die Inkubationszeit etwa 24 bis 48 Stunden.

Eine Erkrankung bei trächtigen Tieren führt zu Aborten, Totgeburten sowie Geburten von lebensschwachen Ferkeln. Bei Mastschweinen ist die Infektion vor allem durch blutige Durchfälle gekennzeichnet.

6 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose einer Listeriose ergibt sich aus der Anamnese und der Klinik. Durch weiterführende Diagnostikverfahren - wie etwa pathohistologische Untersuchungen oder einen direkten Erregernachweis - kann die Diagnose gesichert werden.

Bei der Sektion frisch verendeter oder euthanasierter Tiere sind vor allem ausgedehnte Lebernekrosen erkennbar. Zusätzlich kann die Lunge vereinzelt Läsionen aufweisen. In manchen Fällen entwickeln die Tiere einen Hydrothorax. Im histologischen Schnittbild sind vor allem perivaskuläre Entzündungen zu sehen. Der Darm ist durch eine diphtheroid-nekrotisierende Enteritis gekennzeichnet.

Alternativ können die Erreger auch direkt mithilfe einer kulturellen Anzüchtung aus geeigneten Probenmaterialien (z.B. Tonsillen oder Caecuminhalt auf Blutagar) nachgewiesen werden. Mittels anschließender PCR, MALDI-TOF oder Immunhistochemie lassen sich die Erreger identifizieren.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind sämtliche Erreger, die zentralnervöse, gastrointestinale sowie reproduktive Störungen verursachen, zu berücksichtigen. Hierzu zählen unter anderem:

Neben infektiösen Ursachen sind auch nicht-infektiöse Auslöser (z.B. Vitamin D-Intoxikation) auszuschließen.

8 Therapie

Listerien reagieren auf verschiedene Antibiotika sensibel (z.B. Penicilline und Aminoglykoside). Eine kausale Therapie ist jedoch nur bei Tieren indiziert, die noch das Vollbild der Erkrankung zeigen. Schweine - die bereits unter zentralnervösen Symptomen (z.B. Paralysen) leiden - sollten nicht mehr therapiert, sondern euthanasiert werden.

9 Prophylaxe

Durch eine Optimierung der Haltungs- und Hygienebedingungen kann der Infektionsdruck deutlich gesenkt werden. Da Listerien gegenüber den meisten Desinfektionsmitteln empfindlich sind, gestaltet sich die Reinigung und anschließende Desinfektion vergleichsweise einfach.

Durch Gabe von Trockenfutter kann das Risiko einer Listerieninfektion innerhalb eines Schweinebestandes deutlich reduziert werden. Wird Silage an die Tiere verfüttert, muss beim Silierprozess unbedingt darauf geachtet werden, dass die Gärung unter vollkommenem Luftausschluss stattfindet. Nur so kann ein möglichst niedriger pH-Wert in der Silage erreicht werden (Reduktion bzw. Hemmung des Listerienwachstums).

10 Bedeutung für den Menschen

Listeria monocytogenes verursacht beim Menschen, insbesondere beim Immunsupprimierten, das klinische Bild einer Listeriose. Das Spektrum reicht von meist asymptomatischen Fällen bis hin zur Septikämie und Meningoenzephalitis. Schweine spielen als Quelle für lebensmittelassoziierte Listeriosen eine bedeutende Rolle.

11 Quellen

  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
  • Skriptum, Universitätsklinik für Schweine. Veterinärmedizinische Universität Wien. Leptospiren, Listeria monocytogenes. Version 1.
  • Skriptum Erkrankungen des Reproduktionstraktes, Universitätsklinik für Schweine. Veterinärmedizinische Universität Wien.

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