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Cytauxzoonose (Katze)

Englisch: feline cytauxzonoosis

1 Definition

Als Cytauxzoonose bezeichnet man eine parasitär bedingte und oftmals schwer verlaufende Infektionskrankheit bei Katzen, die durch Cytauxzoon felis ausgelöst wird.

2 Erreger

Cytauxzoon felis sind einzellige Parasiten, die im Blutausstrich als 1 bis 2 µm große, stäbchen- oder kommaförmige Sporozoen (Merozoiten) in Erythrozyten eingeschlossen vorliegen. Aufgrund der Größe und der Morphologie werden die intrazellulären Erreger häufig auch mit Artefakten, Siderozyten, Howell-Jolly-Körperchen und anderen Blutparasiten (z.B. Babesia felis) verwechselt.

3 Taxonomie

4 Epidemiologie

Cytauxzoon felis kommt vorwiegend in Nord- und Südamerika vor. Die Verbreitung ist an die Zeckenvektoren (Schildzecken) gebunden. Als Vektoren dienen v.a. Amblyomma americanum, Dermacentor variabilis und vermutlich auch andere Dermacentor-Arten. Empfänglich sind neben Wildfeliden (Luchs, Puma, Ozelot, Jaguar u.ä.) auch Hauskatzen.

In hochendemischen Gebieten kann die Prävalenz bei Hauskatzen 30 % erreichen. In Europa wird der Einzeller beim Iberischen Luchs und bei Hauskatzen in Spanien, beim Eurasischen Luchs und bei Europäischen Wildkatzen in Rumänien sowie bei Hauskatzen in Frankreich, Portugal, Italien und der Schweiz nachgewiesen. Die Vektorzecken in Europa sind nicht bekannt – man geht jedoch davon aus, dass Dermacentor spp. oder Ixodes ricinus sowie Rhipicephalus sanguineus als Vektoren fungieren.

Die klassischen Reservoirwirte (Wildfeliden) sind meist asymptomatisch infiziert und tragen zur Weiterverbreitung der Parasiten bei. Klinisch manifeste Erkrankung werden hauptsächlich bei jüngeren Hauskatzen mit Freigang beobachtet.

5 Pathogenese

Cytauxzoon felis wird im Sporozoiten-Stadium über den Speichel von Schildzecken (Ixodidae) während des Stechaktes auf den Wirten übertragen.

Nachdem die Sporozoiten auf den Katzenwirt übertragen wurden, dringen diese gezielt in mononukleäre myeloische Leukozyten (CD34-positive Blasten, Monozyten, Makrophagen, dendritische oder Langerhans-Zellen) ein. Durch asexuelle Vermehrung bilden sie dann Meronten, aus denen wiederum Merozoiten hervorgehen. Die charakteristischen Merozoiten befallen Erythrozyten und bilden dort stäbchen- oder kommaförmige kleine Stadien aus, die unter dem Mikroskop erkannt werden können. Empfängliche Zecken nehmen dann während der Blutmahlzeit die mit Merozoiten befallenen Erythrozyten auf, worauf im Darm der Vektoren die Gamogonie stattfindet. Bei diesem Entwicklungszyklus werden Sporokineten gebildet, die in die Speicheldrüsen der Zecken vordringen und dort eine Sporogonie vollziehen.

Die genauen Invasionsmechanismen der Sporozoiten sowie die genauen Schritte der einzelnen Entwicklungsstadien sind noch (2021) unbekannt. Die ausgeprägte Pathogenität der Erreger ist jedoch durch die Entwicklung in den Wirtszellen bedingt. Die befallene Blutzellen sind massenhaft mit Meronten angefüllt und können so zu Obstruktionen der Blutgefäße, v.a. in Organen wie der Leber, der Milz und der Lunge führen. Es kommt zu disseminierten Thrombosen mit Multiorganversagen.

6 Klinik

Bei natürlichen Wirten (Wildfeliden) verlaufen Infektionen subklinisch und persistent. Bei in Gefangenschaft gehaltenen Feliden (Löwe, Tiger) hingegen werden klinisch manifeste Erkrankungen beobachtet.

Bei der Hauskatze verursacht Cytauxzoon felis eine akute bis perakute Parasitose, die zu typischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Inappetenz, hohem Fieber, Ikterus, Dyspnoe, Tachykardie und generalisierten Schmerzen führt. Häufig stellt sich auch eine hämolytische Anämie (blasse Schleimhäute, verfärbter Harn und Splenohepatomegalie) ein. In den meisten Fällen kommt es binnen drei Wochen post infectionem zum Tod.

7 Therapie

Eine Therapie kann mit Atovaquon (15 mg/kgKG p.o. TID) in Kombination mit Azithromycin (10 mg/kgKG p.o. SID) über 10 Tage hinweg versucht werden. In rund 60 % der Fälle lässt sich eine Besserung der Symptome erzielen. Parallel dazu sind unterstützende Maßnahmen (parenterale Flüssigkeitstherapie, Sauerstoff und Gerinnungshemmer) zu treffen. Bei der Wahl der Wirkstoffe sind unbedingt die nationalen Zulassungs- und Umwidmungsbestimmungen zu berücksichtigen.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Literatur

  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0

9 Quellen

  • ECLINPATH. Cytauxzoon Cornell University Colle of Veterinary Medicin (abgerufen am 07.07.2021)

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Juli 2021 um 12:37 Uhr bearbeitet.

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