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Blutprobengewinnung (Veterinärmedizin)

Synonyme: Blutabnahme, Blutentnahme
Englisch: blood sample

1 Definition

Unter Blutprobengewinnung versteht man in der Veterinärmedizin das Gewinnen von Blut durch die Punktion eines Blutgefäßes bei Tieren.

2 Technik

Die Blutentnahme erfolgt aus einer gestauten Vene oder einer Arterie mit weitlumigen Injektionsnadeln (Größe der Nadeln dem Durchmesser des Blutgefäßes angepasst). Bei größeren Tieren empfiehlt sich die Verwendung vom Vakuumröhrchen, die den Vorteil haben, dass bei gelungener Blutentnahme das ideale Mischungsverhältnis zwischen Antikoagulanzien und Vollblut exakt eingehalten wird. Bei kleineren Tieren oder schwierigen Entnahmeverhältnissen kann man das Blut auch frei an der Röhrchenwand entlang in das Gefäß abrinnen lassen. Dabei muss das richtige Füllvolumen eingehalten werden.

Der Zeitpunkt der Blutentnahme sollte nach Möglichkeit so gewählt werden, dass Einflüsse, welche die Untersuchungsergebnisse verändern könnten (z.B. Nahrungsaufnahme, Arbeit, Erregung), minimiert werden; auch die Tagesschwankungen mancher Messgrößen sind zu beachten.

Vor der Probenentnahme ist zu überlegen, welche Art der Blutprobe und welche Menge für die gewünschten Untersuchungen erforderlich sind. Blutröhrchen für verschiedene Volumina und mit verschiedenen Gerinnungshemmern (Antikoagulanzien), aber auch Gerinnungsförderern (zur Serumgewinnung) sind kommerziell erhältlich und die Stöpsel farblich kodiert. Die Farbkodierung der Stöpsel kann je nach Hersteller variieren. Die Eigenschaften des Röhrchens sowie die vorgesehene Füllmenge, auf die das enthaltene Antikoagulans abgestimmt ist, sind immer auf dem Etikett vermerkt, ebenso wie das Ablaufdatum.

Wichtig ist die eindeutige Kennzeichnung der Blutprobe durch z.B. Besitzername, Tiername, Entnahmedatum. Bei Funktionstests darf die Angabe, um welche Probe es sich handelt (z.B. Basalwert, Stimulationswert), keinesfalls fehlen.

3 Formen

Grundsätzlich wird die Gewinnung von arteriellem und venösem Blut unterschieden. Man unterscheidet hämatologische (Blutstatus), hämostaseologische (Gerinnungstests) und klinisch-chemische Untersuchungen (Metaboliten, Enzymaktivitäten, Elektrolyte, Hormone) des Blutes.

3.1 Hämatologische und hämostaseologische Untersuchungen

Für hämatologische Untersuchungen sollten mindestens 0,5 ml EDTA-antikoaguliertes Vollblut entnommen werden. Nach der Entnahme und vor der Analyse muss die Probe sorfältig gemischt werden! Die Stabilität hämatologischer Proben beträgt gekühlt (4 °C) etwa 24 Stunden.

Na-, K2- oder K3-EDTA-Salze verhindern die Blutgerinnung durch Kalziumbindung. Dadurch werden aber zahlreiche chemische Blutuntersuchungen gestört, sodass EDTA-Plasma für viele chemische Untersuchungen nicht geeignet ist. Bei Proben, die Heparin als Gerinnungshemmer enthalten, sind lediglich die Färbeeigenschaften der Zellen im Ausstrich etwas beeinträchtigt (Blaustich).

Die Thrombozytenzählung ist nur bis vier Stunden nach Entnahme möglich, da die Blutplättchen rasch abgebaut werden. Bei Leukämieverdacht sollten sofort nach der Entnahme mehrere Blutausstriche angefertigt werden, da Tumorzellen in vitro rasch ihre morphologischen Eigenschaften verändern und somit nicht mehr zuverlässig mikroskopisch beurteilt werden können.

Für globale Gerinnungstests sind 3 ml Vollblut, die mit 3,8 %iger Natriumcitratlösung im Verhältnis 1:9 gemischt werden, erforderlich. Das Mischungsverhältnis muss genau eingehalten werden, da sonst die Messergebnisse falsch sind.

3.2 Klinisch-chemische Untersuchungen

Für klinisch-chemische Untersuchungen kann entweder Serum oder Heparinplasma verwendet werden. Werden die Zellen unmittelbar nach der Entnahme entfernt, bleiben die meisten Messwerte bei Kühlschranktemperatur (4 °C) bis zu 48 Stunden stabil.

Serum entspricht dem Blutplasma, also der flüssigen Phase des Blutes ohne Fibrinogen, das durch den Gerinnungsprozess verbraucht wird und im Blutkuchen zurückbleibt. Für die Serumgewinnung werden Röhrchen ohne Zusatz oder mit gerinnungsfördernden Silikonpartikeln (sog. clot activator) verwendet. Das Röhrchen wird nach der Entnahme kurz überkopf geschwenkt und leicht schräg oder senkrecht, jedenfalls aber erschütterungsfrei bei Raumtemperatur gelagert. Die Verwendung eines Clotaktivators verkürzt die Zeit bis zur vollständigen Gerinnung von 30 auf etwa 5 Minuten. Sobald die Gerinnung eingetreten ist, wird mit einer sauberen Nadel der Blutkuchen von der Röhrchenwand abgelöst und die Probe 5 Minuten bei 4.000 g zentrifugiert. Das Serum kann danach abgehebert oder abgekippt werden.

Heparin hemmt die Blutgerinnung durch die Verstärkung eines in der Blutbahn vorkommenden natürlichen Gerinnungshemmers, dem Antithrombin III. Üblicherweise werden Lithium-Heparinsalze verwendet. Mit Heparin versetztes Vollblut kann sofort nach der Entnahme zentrifugiert werden. Das Plasma muss mit einer Pipette abgehebert werden, da es sich bei den Zellen am Gefäßboden nur um ein Sediment, nicht aber um einen stabilen Blutkuchen handelt.

Die Ausbeute bei Plasma- und Serumgewinnung ist in erster Linie vom Hämatokrit abhängig. Bei der Gewinnung von Serum ist die gewinnbare Menge aber geringer, weil mehr Flüssigkeit im Blutkuchen zurückgehalten wird. Bei physiologischem Hämatokrit können etwa 30 - 40 % der Vollblutmenge als Serum erhalten werden, bei Plasma sind es 50 - 60 %. Manche klinisch-chemischen Analysesysteme für die Praxis erlauben auch den Einsatz von heparinisiertem Vollblut, die Abtrennung des Plasmas von den Zellen erfolgt im Automaten bzw. auf den Reagenzstreifen. Da die Analysen bei der Verwendung von Vollblut störanfälliger sind, wird die Verwendung von Serum oder Plasma empfohlen.

Idealerweise sollten die Zellen möglichst rasch von der flüssigen Phase getrennt werden. Können Blutzellen und Flüssigkeit nicht getrennt werden, wird durch den fortgesetzten Energiestoffwechsel der Zellen Glukose abgebaut (10 % pro Stunde) und Laktat gebildet. Weiterhin steigt die Gefahr einer Hämolyse, die durch die Farbveränderung des Plasmas/Serums wiederum photometrische Untersuchungsmethoden stört.

Trenngele sind Zusätze in Proberöhrchen, die sich aufgrund ihres spezifischen Gewichts nach dem Zentrifugieren als Barriere zwischen Zellen und flüssigen Überstand legen, sodass die Diffusion von intrazellulären Metaboliten in die Flüssigkeit, aber auch der Abbau von Bestandteilen in der Flüssigkeit durch die Blutzellen verhindert wird. Dieses System ist v.a. für die Verwendung in der ambulatorischen Großtierpraxis geeignet, wenn die Blutprobe bereits im Auto zentrifugiert werden kann. Die Zusammensetzung des Serums bzw. Plasmas bleibt dadurch auch bei längeren Transportwegen stabil.

Müssen Serum- oder Plasmaproben länger konserviert werden, sollte das Plasma bzw. Serum ohne Zellen bei -20 °C eingefroren werden. Für die meisten Systeme sind 0,7 ml Plasma oder Serum ausreichend, um bis zu 20 Parameter zu bestimmen.

Wenn Hormon- oder Arzneimittelkonzentrationen bestimmt werden sollen, ist vor der Blutentnahme zu prüfen, welches Probenmaterial die untersuchende Stelle benötigt.

4 Indikation

Die Blutentnahme ermöglicht die Untersuchung des Blutes. Dabei können neben Erkrankungen des Blutes auch Veränderungen gefunden werden, die bei den meisten Allgemein- und Organkrankheiten auftreten und die für Diagnose, Verlaufskontrolle und Prognose hilfreich sein können.

5 Anwendung

Tierart Gefäß zur Blutabnahme
Pferd
Wiederkäuer V. jugularis externa, (V. caudalis mediana), V. auricularis caudalis
Schwein V. cava cranialis (bei Ferkeln), V. jugularis externa, V. auricularis caudalis
Neuweltkamele V. jugularis externa
Kleintier V. cephalica, V. saphena lateralis, V. jugularis externa, V. femoralis
Vogel V. ulnaris, rechte Vena jugularis, V. metatarsalis plantaris medialis

5.1 Pferd

Beim Pferd wird das Blut aus der Vena jugularis externa entnommen. Die Einstichstelle wird im Bedarfsfall geschoren, mit Alkohol gereinigt und das Gefäß mit dem Daumen gestaut. Die Einstichstelle liegt am Übergang vom ersten zum zweiten Halsdrittel. Man sticht mit genügend großer Nadel (0,7 - 1 mm lichte Weite) zunächst knapp vor dem Daumen in Längsrichtung der Vene subkutan, dann etwas steiler in das Gefäß ein und schiebt anschließend die Nadel wieder flach weiter, ohne die Vene neuerlich zu perforieren. Als weitere oberflächliche Venen sind geeignet: Vena cephalica, Vena thoracica superficialis, Vena saphena lateralis (beim Fohlen).

Die arterielle Blutentnahme beim Pferd erfolgt entweder aus der Arteria transversa faciei oder aus der rechten Arteria carotis communis eine Handbreite vor der Brustapertur. Entweder ist sie palpatorisch feststellbar und kann so zur Punktion fixiert werden, oder die Arteria carotis communis dextra ist nicht tastbar. Dann wird in Richtung der Arteria carotis communis dextra eingestochen, bis hellrotes Blut aus der Nadel spritzt. Beim liegenden Fohlen eignet sich auch die Arteria femoralis zur arteriellen Blutentnahme.

5.2 Wiederkäuer und Schwein

Geringe Blutmengen für die Anfertigung eines Blutausstriches (Nachweis von Blutparasiten) oder zur Bestimmung von Hämoglobin und/oder Hämatokrit können bei Wiederkäuern und Schweinen durch Punktion einer Ohrvene (Vena auricularis caudalis) entnommen werden. Eine Stauung oder Massage ist aber zu unterlassen (Austritt von Gewebeflüssigkeit).

5.2.1 Wiederkäuer

Bei den Wiederkäuern wird zur Gewinnung größerer Mengen Blut die Vena jugularis externa herangezogen. Diese Vene wird beim Rind mithilfe einer Staukette, eines Staustrickes oder des Daumens komprimiert. Der Kopf des Rindes muss dafür gut fixiert werden. Beim Kalb und bei kleinen Wiederkäuern wird die Vene mit der Hand gestaut (Punktionsstelle beim Schaf ausscheren). Das gestaute Gefäß wird mit einer Kanüle unter kräftigem Stoß angestochen. In neuerer Zeit haben sich verschiedene Vakuumsysteme bestens bewährt. Nach der Entnahme der Blutprobe wird die Stauvorrichtung gelöst. Erst danach wird die Kanüle aus der Vene herausgezogen.

Weiterhin kann beim Rind die Schwanzvene (Vena caudalis mediana) für die Blutentnahme herangezogen werden. Die Nachteile bei dieser Punktionsstelle liegen in einer gewissen Infektionsgefahr aufgrund Kotverschmutzung und der Gefahr einer Hämatombildung.

Die Eutervene (Vena epigastrica cranialis superficialis) sollte aufgrund der Gefahr einer Thrombophlebitis nicht zur Blutentnahme genutzt werden, zudem ist das Blut aus der Vene für die Bestimmung biochemischer Parameter ungeeignet.

5.2.2 Schwein

Zur Entnahme venösen Blutes wird beim Ferkel die vordere Hohlvene (Vena cava cranialis) und beim älteren Tier die Vena jugularis externa herangezogen. Zur Blutentnahme aus der Vena cava cranialis werden die Ferkel auf dem Rücken (zwischen den Beinen eines Gehilfen) liegend unter Strecken des Kopfes und nach hinten gezogenen Vordergliedmaßen fixiert. Die Einstichstelle befindet sich am Halbierungspunkt einer von der Brustbeinspitze zum Buggelenk gedachten Linie. Abhängig von der Größe des Tieres wird die Hohlvene mit einer 4 - 6 cm langen Injektionsnadel armiert in dorsomediokaudaler Richtung angestochen. Unter Vorgabe eines kleinen Vakuums durch Zurückziehen des Spritzenstempels nach Durchstechen der Haut wird das Einfließen des Blutes aus der Vene sichtbar, sobald diese getroffen wurde.

Größere Schweine (etwa ab 25 kg Körpermasse) werden mit der Oberkieferschlinge fixiert und dabei Kopf und Hals nach oben gestreckt. Nun wird im mittleren bis kaudalen Drittel der Jugularrinne mit einer etwa 10 cm langen Nadel senkrecht auf die Körperoberfläche so tief eingestochen, bis Blut kommt.

Schweineblut gerinnt sehr rasch, daher ist eine gewisse Übung bei der Blutentnahme erforderlich (Hämolysegefahr).

5.3 Neuweltkamele

Venöses Blut wird aus der Vena jugularis externa entnommen, allerdings sind die besonderen anatomischen Bedingungen zu beachten. Die Vena jugularis liegt nicht oberflächlich, sonder ist über weite Teile des Halses nach medial verlagert. Zudem liegt die Vene dadurch der Carotis direkt an. Durch diese anatomischen Besonderheiten stellt sich die Vene trotz Staus nur undeutlich oder nicht dar und eine höhere Wahrscheinlichkeit einer versehentlichen Punktion der Arterie besteht. Da die Vene und Arterie handbreit kranial des Brusteingangs und handbreit kaudal des Kinnwinkels getrennt laufen, sind diese Regionen zu bevorzugen. Zudem ist zu beachten, dass die Haut am Hals der Neuweltkamele ungewöhnlich dick und derb ist.

5.4 Kleintier

Bei Hund und Katze erfolgt die Blutentnahme üblicherweise aus der Vena cephalica antebrachii, Vena saphena lateralis, Vena jugularis externa oder aus der Vena femoralis. Bei Bedarf sind die Haare zu kürzen und die Vene wird gestaut (Fixierung). An der Vena cephalica darf dies nicht zu fest in der Ellbogenbeuge erfolgen, da sonst auch der arterielle Zustrom unterbunden wird und nur wenig Blut gewonnen werden kann.

5.5 Vogel

Bei Vögeln eignen sich prinzipiell drei Punktionsstellen für die Blutentnahme: die Vena ulnaris am Flügel, die rechte Vena jugularis (insbesondere Papageienvögel) und die Vena metatarsalis plantaris medialis am Ständer.

Am häufigsten wird aus der Vena ulnaris Blut entnommen, da diese sich relativ leicht darstellen lässt. Hierbei wird bei geeigneter Fixierung des Vogels (halbaufrecht oder in Rückenlage) die Vene proximal im Bereich des Humerus gestaut und die Kanüle wird (mit oder ohne aufgesetzte Spritze) sehr flach sowie mit Anschliff nach oben in die Haut eingeführt, bis Blut aus der Kanüle austritt. Hämatome sind aufgrund der dünnen Haut und der beweglichen Vene kaum zu vermeiden.

Die Halsvene eignet sich ebenfalls gut, hierzu muss der Vogel allerdings so fixiert werden (rechte Halsseite etwas überstrecken), dass eine sichere Entnahme gefahrlos möglich ist. Hier erfolgt die Entnahme grundsätzlich mit aufgesetzter und eventuell leicht abgewinkelter Kanüle.

Die Entnahme aus der Metatarsalvene ist ebenfalls bei verschiedenen Spezies ab etwa einer Körpermasse von 400 g möglich. Allerdings lässt sich die Vene oft nicht direkt darstellen, da die Ständer von Hornschuppen bedeckt sind.

Insgesamt können bis zu 1% der Körpermasse entnommen werden, also bei einem Wellensittich etwa 0,4 ml, bei einem Graupapagei bis 4 ml. Als Antikoagulans hat sich Heparin bewährt.

5.6 Haussäugetiere

5.6.1 Kaninchen

Beim Kaninchen erfolgt die Blutentnahme an der Vena saphena. Dazu wird das Kaninchen von einer Halteperson auf dem Tisch so fixiert, dass das Tier vorne in Sternallage liegt und mit den Hinterbeinen in Seitenlage. Mit einer Hand wird das oben liegende Bein oberhalb des Knies festgehalten und gleichzeitig die Venen gestaut. Der Rücken des Kaninchens lehnt dabei am Körper der Hilfsperson an. Mit etwas Geduld entspannt sich das Kaninchen bald und das Fell kann am Bein etwas freigeschoren werden. Je nach Größe des Tieres wird die größtmögliche Kanüle gewählt. Es ist darauf zu achten, dass die Gefäße sehr fein sind und zum Kollabieren neigen, wenn zu viel Unterdruck angewendet wird. Bei sehr kleinen Tieren kann man auch den Konus der Kanüle abschneiden und das Blut direkt ins Röhrchen tropfen lassen.

Eventuell muss man die Pfote etwas massieren (pumpen), damit genug Blut gewonnen werden kann. Mit dieser Methode kann auch an der Ohrvene am Ohrrand Blut gewonnen werden. Am Ohr darf man sich nicht von der größeren Arterie in der Ohrmitte verleiten lassen. Wird diese punktiert, kommt es zu starken Nachblutungen mit Hämatomen. Auch sonst ist auf eine gute Hämostase Wert zu legen, da es sehr häufig zu Nachblutungen kommt. Bei sedierten Tieren kann auch aus der Vena jugularis Blut entnommen werden.

5.6.2 Chinchilla

Beim Chinchilla kann beim Schwanzansatz auf der ventralen Seite Blut gewonnen werden. Dazu wird das Tier in einer sitzend/rückenliegenden Position von einer Hilfsperson fixiert. Die Kanüle wird mit aufgesetzter Spritze in einem 45 °-Winkel vom Schwanz Richtung Tierkörper bis zu den Wirbelkörpern eingestochen und dann mit wenig Unterdruck ganz leicht zurückgezogen, bis man das Blut in die Spritze tropfen sieht. Bei ruhigen oder sedierten Tieren ist die Vena jugularis eine gute Alternative. Sie liegt etwas weiter lateral wie von Hund oder Katze gewohnt. Da das Fell sehr langsam nachwächst, ist so wenig wie möglich auszuscheren.

5.6.3 Meerschweinchen

Beim Meerschweinchen erschweren die kurzen Beine eine Blutentnahme an der Vena saphena, dennoch ist dieses Vorgehen für kleine Blutmengen eine brauchbare Methode. Eventuell muss man den Konus der Kanüle abschneiden und das Blut direkt in ein Röhrchen tropfen lassen oder mit einer Mikropipette auffangen. Für größere Blutmengen wird am sedierten/narkotisierten Tier die V. cava cranialis bzw. die V. brachiocephalica dextra oder sinistra punktiert.

Dazu liegt das Tier in gestreckter Rückenlage. Die Brustbeinapertur wird palpiert und die Kanüle gleich davor in der Richtung vom linken Ellenbogen zum rechten Knie im 45°-Winkel in die Tiefe eingestochen. Das linke Vorderbein wird dabei locker nach unten gehalten und keinesfalls gestreckt, da sonst die Vene kollabiert. Zur Punktierung der rechten Vena brachiocephalica wird entsprechend seitenverkehrt vorgegangen. Es empfiehlt sich sehr, sich vorgängig an einem toten Tier die anatomischen Verhältnisse zu vergegenwärtigen, liegen wichtige Strukturen hier doch sehr eng beieinander.

5.6.4 Ratten

Bei den Ratten kann am Schwanz sowohl aus den lateralen Schwanzvenen oder der tiefer gelegenen medialen Schwanzarterie Blut gewonnen werden. Der Schwanz sollte vorher aufgewärmt werden, um eine Vasodilatation zu erreichen. Auch aus der Vena saphena kann Blut punktiert werden. Die Fixierung des Tieres für die Blutentnahme am Schwanz ist aber deutlich einfacher. Am sedierten Tier ist eine Entnahme an der Vena jugularis möglich.

5.6.5 Gerbil, Degu und Hamster

In der Labortiermedizin (Versuchstier) wird bei Gerbil, Degu und Hamster in Sedation das Herz punktiert, um eine ausreichend große Menge Blut zu erhalten. Dies stellt aber in der Heimtiermedizin keine Option dar. An der Vena saphena oder der Schwanzvene können nur sehr kleine Mengen gewonnen werden. Für einzelne Parameter oder Blutglukosemessungen kann das genügen.

5.6.6 Frettchen

Beim Frettchen eignet sich, wie bei Hund und Katze, die Vena jugularis sehr gut für eine Blutentnahme. Dazu wird das Tier in Sternallage mit den Vorderbeinen über die Tischkante gezogen und mit dem Kopf nach hinten gestreckt von einer Hilfsperson gehalten. Dies ist auch am wachen Tier möglich, wenn es zusätzlich zur Fixation mit einer Vitaminpaste aus der Tube, welche abgeleckt werden kann, abgelenkt wird. Die Jugularvenen liegen etwas weiter lateral wie bei Hund oder Katze, auch ist die Haut etwas derber.

5.7 Reptilien

Für die Blutentnahme sollten die Tiere warm und aktiv sein. Bei Reptilien wird das Blut gewonnen, indem über eine Kanüle mit aufgesetzter Spritze das Blut direkt aspiriert wird. Es sollte eine eher großvolumige Kanüle gewählt werden, da das Blut bei Reptilien aufgrund der relativ großen kernhaltigen Erythrozyten, des meist geringeren Blutdruckes und der schnellen Gerinnung in kürzester Zeit die Kanüle verstopft. Um dies zu vermeiden, sollte die Kanüle vor der Blutentnahme mit Lithiumheparin gespült werden. EDTA führt bei Reptilienblut, insbesondere bei Schildkröten, häufig zur Hämolyse.

5.7.1 Schildkröten

V.a. bei männlichen Tieren kann die dorsale Vena coccygealis gut zur Blutentnahme verwendet werden, da hier insbesondere bei männlichen Tieren aufgrund des längeren und breiteren Schwanzes dieser gut fixiert werden kann. Die Vene liegt dorsal des Wirbelkörpers der Schwanzwirbel und ist am besten in einem 45 °-Winkel in Panzernähe am Schwanz zu punktieren. V.a. bei nicht zahmen Schildkröten, die sich beim Handling in den Panzer zurückziehen, ist der Subcarapacial-Plexus geeignet. Der Plexus liegt an der höchsten Stelle der vorderen Panzeröffnung, genau in der Mitte unter den ersten Brustwirbeln. Eine Kanüle wird in einem ca. 120 °-Winkel abgebogen. Damit sticht man durch die Haut und kurz unter dem Panzerrand ein und aspiriert. Die Vena jugularis liegt relativ oberflächlich und verläuft ungefähr in der Halsmitte. Sie kann am Ende des kranialen Drittels des Halses punktiert werden. Der Nachteil bei dieser Methode besteht darin, dass der Kopf sehr gut fixiert werden muss, was bei großen Exemplaren ohne Sedierung Schwierigkeiten bereiten kann.

5.7.2 Schlangen

Die Blutentnahmestelle der Wahr stellt die ventrale Schwanzvene (Vena coccygealis ventralis) dar, die distal der Kloake mittig ventral auf den Wirbelkörpern der Schwanzwirbelsäule liegt. Die Kanüle wird bis auf den Wirbelkörper vorgeschoben und vorsichtig zurückgezogen, wobei aspiriert wird. Bei männlichen Tieren sollte nicht zu nah an der Kloake und genau mittig gestochen werden, um die Hemipenes nicht zu verletzen. Eine Herzpunktion aus dem auf der ventralen Seite leicht zu lokalisierenden Herz ca. am Ende des ersten Drittels des Körpers ist prinzipiell möglich und wird in der Literatur häufig empfohlen, birgt aber die Gefahr einer Herzbeuteltamponade.

5.7.3 Echsen

Analog zu den Schlangen stellt die ventrale Schwanzvene die Blutentnahmestelle der Wahl dar. Die Blutentnahme erfolgt in der gleichen Weise. Bei größeren Echsen über 30 cm Kopf-Rumpf-Länge kann auch ein lateraler Zugang versucht werden, da lateral am Wirbelkörper auch ein Blutgefäß entlangläuft.

5.7.4 Panzerechsen

Analog zu Echsen kann aus der ventralen Schwanzvene Blut entnommen werden. V.a. im angloamerikanischen Raum wird bei diesen Reptilien meistens der Okzipitalsinus, der sich direkt oben kaudal des Schädels befindet, zur Blutentnahme verwendet.

6 Risiken

7 Quellen

  • Walter Baumgartner: Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere, 9. Auflage, Enke-Verlag

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Fachgebiete: Veterinärmedizin

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