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Bösartiges Katarrhalfieber (Wiederkäuer)

Synonyme: BKF, Bösartige Kopfkrankheit, Coryza gangraenosa, Rhinitis gangraenosa
Englisch: malignant catarrhal fever, MCF

1 Definition

Das bösartige Katarrhalfieber ist eine akut und meist tödlich verlaufende Virusinfektion beim Wiederkäuer, die durch massive Entzündungen der Schleimhäute gekennzeichnet ist.

2 Erreger

Das bösartige Katarrhalfieber wird durch das ovine Herpesvirus 2, ein Virus aus der Gattung Makavirus (Subfamilie Gammaherpesvirinae, Familie Herpesviridae, Ordnung Herpesvirales), ausgelöst.

Gammaherpesviren sind sphärische oder pleomorphe Viren, die zwischen 150 und 200 nm groß sind. Das Genom enthält eine lineare dsNDA und ist ca. 180 kb groß.[1]

3 Epidemiologie

Die Erkrankung betrifft vor allem Wiederkäuer. Empfänglich sind neben Bovidae (Hornträger) auch Bisons, Wasserbüffel, andere Wild- und Zoowiederkäuer sowie Ziegen. Schweine können sich ebenfalls mit dem Virus infizieren.

Oftmals sind nur einzelne junge erwachsene Rinder betroffen - sehr selten auch Kälber. Es können auch Enzootien auftreten, in deren Verlauf bis zu 50 % der Rinder eines Bestandes am bösartigen Katarrhalfieber erkranken. Die Letalität unter erkrankten Rindern ist hoch und beträgt meist über 90 %. In den meisten Fällen sterben die Tiere binnen weniger Tage (4 bis 10 Tage) nach dem Auftreten erster klinischer Erscheinungen. Es sind auch perakute Krankheitsverläufe möglich, sodass die Rinder plötzlich versterben, ohne vorher deutliche Symptome zu zeigen.

Trotz nachweisbarer Serokonversion entwickeln nicht alle infizierten Rinder eine klinisch manifeste Erkrankung. In manchen Fällen zeigen die Tiere nur leichte Krankheitssymptome, die sich dann rasch bessern. Meist kommt es jedoch aufgrund der persistierenden Infektion - auch nach Jahren - zu einem Rezidiv, das dann tödlich endet. Es sind auch chronische Verlaufsformen beschrieben.[2]

Bei einem seuchenhaften Ausbruch der Erkrankung lässt sich meist ein Kontakt der erkrankten Tiere zu Schafen nachweisen. Schafe zeigen bei einer Infektion keinerlei Krankheitserscheinungen, spielen aber aufgrund der hohen Durchseuchungsrate eine bedeutende Rolle in der epidemiologischen Entwicklung der Krankheit.

Die häufigsten Infektionen finden nach direkten Tier-Tier-Kontakt statt. Eine Übertragung der Viren fand jedoch auch bei Tieren statt, die ca. 100 m voneinander entfernt waren (airborne disease).[3] Der genaue Übertragungsmodus ist derzeit (2019) noch nicht geklärt. Experimentelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass eine Übertragung durch Blut sowie isolierte Leukozyten, über Aerosole und Nasensekrete (von infizierten Schafen) zu einer Erkrankung bei empfänglichen Wirten führen kann.

4 Pathogenese

Über die genaue Pathogenese ist derzeit (2019) noch wenig bekannt. Da aus einer Gruppe von gleichartig exponierten Rindern in der Regel nur einzelne Tiere klinisch manifest erkranken, spielen vermutlich immunpathologische Faktoren (z.B. Interleukin-2) eine Rolle.

5 Klinik

Die klinischen Erscheinungen sind die Folgen einer nekrotisierenden und obliterierenden Vaskulitis mit ischämischer Nekrose der von den betroffenen Gefäßen versorgten Arealen.

In der Literatur sind vier Verlaufsformen beschrieben:

Eine Mischung aus der Kopf-Augen- und Haut-Form tritt in unseren Breitengraden am häufigsten auf.

Grundsätzlich können alle Organe betroffen sein.[3] Zu den häufigsten Symptomen gehören Niedergeschlagenheit, Anorexie, Versiegen der Milchproduktion, hohes Fieber, schleimig-eitriger Nasenausfluss, nasale Stenosegeräusche, Augenausfluss und Konjunktivitis sowie ausgeprägte Läsionen an Flotzmaul und an der Maulschleimhaut. Weiterhin tritt eine Keratitis mit bilateral-symmetrischer, zentripetal fortschreitender, milchig-grauer Trübung der Kornea und Photophobie auf. Die Hautveränderungen können auch an den Zitzen, am Skrotum und in seltenen Fällen auch generalisiert auftreten.

Als Ausdruck einer systemischen Erkrankung sind die Lymphknoten meist deutlich vergrößert. Infolge einer nicht-eitrigen interstitiellen Nephritis und hämorrhagischer Zystitis kann es zu Hämaturie und Proteinurie kommen. Zusätzlich können zentralnervöse Störungen auftreten, wie z.B. Andrücken des Kopfes gegen Wände, Tobsuchtsanfälle sowie ein pathologisch veränderter Liquor cerebrospinalis (Erhöhung der Proteinkonzentration, Trübung).

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind sämtliche Erkrankungen, die zu Augenveränderungen sowie Schleimhautläsionen führen, zu berücksichtigen:

7 Diagnose

In ausgeprägten Fällen kann aufgrund der klinischen Symptomatik und der Epidemiologie eine hinreichend sichere Diagnose gestellt werden. Bei chronischen sowie Mischformen ist eine Diagnose nicht immer möglich. Da eine Erregerkultivierung nicht möglich ist, kann ein direkter Erregernachweis nur durch PCR erfolgen.

8 Therapie

Derzeit (2019) ist noch keine kausale Therapie beim bösartigen Katarrhalfieber möglich. Antibiotika werden v.a. zur Behandlung von bakteriellen Sekundärinfektionen eingesetzt. Untersuchungen zeigen, dass die mehrmalige Verabreichung niedrig dosierter Interleukin-2-Injektionen die Heilungsrate erhöhen kann.[4]

9 Rechtliches

Das bösartige Katarrhalfieber der Wiederkäuer ist seit 2011 nicht mehr meldepflichtig. Aufgrund der epidemiologischen Eigenschaften ist die Krankheit nicht für eine Bekämpfung gemäß eines Seuchenplans geeignet.

10 Literatur

  • Herausgeber: W. Klee, M. Metzner. Rinderskript. ISSN 1617-4410
  • Skript Virologie für die Module Tierseuchen, Verdauung, Respiration + Kreislauf, ZNS, Reproduktion. Für Studierende der Veterinärmedizin. Institut für Virologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand 1/2017.

11 Quellen

  1. Gammaherpesvirinae, ViralZone.org
  2. Chronic generalized obliterative arteriopathy in cattle: a sequel to sheep-associated malignant catarrhal fever, J Vet Diagn Invest. 1995 Jan;7(1):108-21.
  3. 3,0 3,1 Malignant Catarrhal Fever The Center for Food Security & Publich Health, Iowa State University
  4. Braun et al. Behandlung von Rindern mit Bösartigem Katarrhalfieber mit Interleukin-2, Departement für Nutztiere und Institut für Virologie, Universität Zürich, Department of Food Safety and Infection Biology, Norwegen, School of Veterinary Science, Oslo

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