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Maul- und Klauenseuche (Wiederkäuer)

Synonym: MKS
Englisch: foot-andmouth disease, FMD

1 Definition

Die Maul- und Klauenseuche, kurz MKS, ist eine virale Infektionskrankheit beim Wiederkäuer, die durch das MKS-Virus verursacht wird. Sie ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.

2 Erreger

Das MKS-Virus ist ein Virus aus der Gattung Aphthovirus innerhalb der Familie der Picornaviridae. Aphthoviren sind unbehüllte, sphärische und ca. 30 nm große Viren, die eine einzelsträngige RNA (8 kb) positiver Polarität enthalten.[1]

Es existieren mehrere Serotypen (A, C, O, SAT 1-3, Asia 1) sowie etliche Subtypen (z.B. O1). In Europa konnten bislang (2019) nur die Serotypen A, C und O nachgewiesen werden.

3 Epidemiologie

Das MKS-Virus ist weltweit verbreitet - mit Ausnahme von Nordamerika, Australien und Neuseeland. Im Jahr 2001 trat die Maul- und Klauenseuche im Vereinigten Königreich flächendeckend auf. Der Ursprung war vermutlich ein Betrieb, der Schweine mit ungenügend erhitzten Essensresten mästete. Die Seuche breitete sich rasch aus und griff auch auf das europäische Festland über.

Die Virenübertragung findet hauptsächlich über Aerosole und Milch (Tröpfcheninfektion) statt. Die Morbidität in empfänglichen Rinderpopulationen beträgt nahezu 100 %. Die Letalität bei erwachsenen Rindern liegt zwischen 2 und 50 %, bei jüngeren Rindern deutlich höher. Wirtschaftliche Einbußen entstehen weniger aufgrund von Todesfällen, sondern vielmehr aufgrund langanhaltender Leistungsdepressionen und der anfallenden Kosten der Bekämpfungsmaßnahmen.

Nach einer überstandenen Erkrankung können betroffene Tiere über zwei Jahre Virusträger bleiben.

4 Pathogenese

Nach der Infektion mit dem Erreger erfolgt die primäre Virusreplikation im Rachenraum (Pharynx). Aufgrund der massiven Vermehrung entstehen die sogenannten Primäraphthen, die jedoch meist unbemerkt bleiben. In weiterer Folge kommt es zu einer Virämie und zur Ausbildung multipler Sekundäraphthen.

Da die Viren einen besonders ausgeprägten Epitheliotropismus aufweisen, entwickeln sich die charakteristischen Läsionen an der Maul- und Zungenschleimhaut, an den Zitzen und am Kronsaum bzw. Zwischenklauenspalt.

5 Klinik

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 8 Tage. Noch bevor die ersten klinisch manifesten Symptome auftreten, kommt es zur Ausbildung etlicher Aphthen, die sich durch die Verflüssigung von Zellen und vermehrte Exsudation (vom Papillarkörper ausgehend) im Stratum spinosum bilden. Im Gegensatz dazu bleibt das Stratum germinativum (als Aphthengrund) unversehrt, weshalb die Abheilung der Läsionen ohne Narbenbildung erfolgt (in der Humanmedizin werden Aphthen anders definiert).

Zu Beginn der Stomatitis zeigen die Tiere vermehrtes Speicheln (Hypersalivation) sowie ein eigenartiges Schmatzen. Das Schmatzen ist vermutlich auf ein reflektorisches Aufreißen der Maulspalte aufgrund der schmerzhaften Läsionen zurückzuführen. Durch ein übermäßiges Speicheln und Schmatzen ist der Flotzmaulbereich oftmals mit schaumigem Speichel verschmutzt ("MKS-Bart"). Da die Aphthen im Klauenbereich starke Schmerzen verursachen können, trippeln die Tiere vermehrt oder zeigen Entlastungsstellungen und Lahmheiten.

Neben den lokalen Veränderungen sind auch systemische Symptome vorhanden, wie z.B. Fieber, Abgeschlagenheit, Myokarditis sowie akutes Herzversagen (bösartige Verlaufsform).

Die klinischen Symptome sind bei kleinen Wiederkäuern (Schafe, Ziegen) sowie Schweinen deutlich geringer ausgeprägt als bei Rindern.

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind sämtliche Erkrankungen, die sowohl aphthenähnliche Läsionen als auch Klauenveränderungen hervorrufen, zu berücksichtigen, wie z.B.:

7 Diagnose

Im ausgeprägten Stadium ist die Maul- und Klauenseuche klinisch mit hinreichender Sicherheit zu erkennen und zu diagnostizieren. Die Krankheit ist bereits bei Verdacht anzuzeigen und den entsprechenden Behörden sowie dem Amtstierarzt zu melden. Eine Probenentnahme ist nur dem Amtstierarzt erlaubt.

Eine weiterführende Diagnostik kann mit Aphthenflüssigkeit, Schleimhaut, Nasentupferproben, Blutproben oder Schleimfängerproben durchgeführt werden. Die entsprechenden Probenmaterialien sind in Österreich an die AGES sowie in Deutschland an das Friedrich-Loeffler-Institut zu übermitteln. In den zugelassenen Laboratorien kann entweder ein direkter Virusnachweis (virale Antigene mittels ELISA bzw. Sequenzierung der Nukleinsäure mittels RT-PCR) oder indirekter Antikörper-Nachweis (ELISA, Neutralisationstest) durchgeführt werden.

8 Bedeutung für den Menschen

Das Wirtspektrum des MKS-Virus umfasst neben Klauentieren auch Elefanten, Igel und den Menschen. Die Morbidität bei Menschen scheint jedoch gering zu sein. Viele Personen, die in virologischen Labors arbeiteten, besaßen Antikörper gegen das MKS-Virus, ohne jedoch Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben. Eine direkte Übertragung des Virus von erkrankten Tieren auf den Menschen scheint deshalb äußerst selten zu sein.

Erkrankungen traten bislang hauptsächlich nur aufgrund des Konsums unpasteurisierter Milch, unzureichend erhitzter Lebensmittel tierischen Ursprungs oder durch engsten Tierkontakt (Landwirte, Tierärzte) auf. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bislang nicht nachgewiesen werden.[2]

9 Rechtliches

Da die Maul- und Klauenseuche eine anzeigepflichtige Tierseuche ist, verfolgt die EU eine strikte Nicht-Impfpolitik sowie Keulung infizierter Tiere. Die Bekämpfungsmaßnahmen konzentrieren sich bevorzugt auf die Erkennung, Isolierung und Ausmerzung infizierter MKS-positiver Tiere sowie auf die Kontrolle des Tierverkehrs (um eine Erregerverbreitung zu verhindern).[3]

Durch regelmäßige serologische Untersuchungen wird die Seuchenfreiheit in Österreich überwacht und durch die MKS-Verordnung geregelt.[4]

10 Literatur

  • Herausgeber: W. Klee, M. Metzner. Rinderskript. ISSN 1617-4410
  • Skript Virologie für die Module Tierseuchen, Verdauung, Respiration + Kreislauf, ZNS, Reproduktion. Für Studierende der Veterinärmedizin. Institut für Virologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand 1/2017.

11 Quellen

  1. [1] Aphthovirus, ViralZone.org
  2. [2] Transmission of Foot and Mouth disease to humans visiting affected areas, 21 February 2012. European Control for Disease Prevention and Control
  3. [3] Maul- und Klauenseuche, AGES.at
  4. [4] Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für MKS-Verordnung, Fassung vom 14.08.2019

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