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Morphin

nach Morpheus - Gott des Schlafes in der griechischen Mythologie
Synonym: Morphium

1 Definition

Morphin ist ein Alkaloid, das aus Opium gewonnen wird. Es wird in der Medizin als starkes Schmerzmittel eingesetzt und ist das stärkste bekannte natürliche Analgetikum.

2 Chemie

Die Summenformel von Morphin ist C17H19NO3. Die molare Masse beträgt 285,3 g/mol, der Schmelzpunkt liegt bei etwa 254 °C. Morphin selbst ist nur schwer wasserlöslich, in Arzneimitteln werden deshalb ausschließlich die leichter wasserlöslichen Salze, v.a. Morphinhydrochlorid und Morphinsulfat, verwendet.

Morphin wurde erstmals 1803 vom deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner isoliert.

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2.1 Vorkommen und Biosynthese

Morphin kommt natürlicherweise im Opium, d.h. im getrockneten Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum), vor. In der Pflanze wird es aus Phenylalanin und 4-Hydroxyphenylacetaldehyd synthetisiert. Dabei ist Norcoclaurin ein wichtiges Zwischenprodukt. Über Reticulin werden dann die Morphinan-Alkaloide gebildet, zu denen das Morphin gehört.

2.2 Anwendung

Morphin wird zur Behandlung von starken und stärksten Schmerzen verwendet. Als Darreichungsform gibt es Retardkapseln, -tabletten, Tropfen, rasch wirksame Tabletten, Injektionslösungen, Suppositorien, und Pflaster.

Für die Therapie von akuten Schmerzen wird Morphin vorwiegend parenteral appliziert. Die schnellste Wirkung wird durch die intravenöse Gabe erreicht. Neben der intravenösen ist die subkutane Gabe besonders in der Palliativmedizin weit verbreitet.

Die orale Bioverfügbarkeit von Morphin liegt bei ca. 15%, ist also gering. Für die Therapie von starken chronischen Schmerzen kommen trotzdem retardierte Tabletten oder Kapseln zum Einsatz. Außerdem erhöht die konsequente Einnahme von Morphin dessen orale Bioverfügbarkeit.

Für die Therapie von sogenannten Durchbruchschmerzen stehen schnell wirksame Tropfen, Tabletten oder Injektionslösungen zur Verfügung.

Morphin kann in kleinen Dosen auch intrathekal eingesetzt werden. Mehrere Studien zeigen, dass die analgetische Wirkung verlängert wird, wenn man das epidural applizierte Morphin mit ebenfalls epidural injiziertem Clonidin kombiniert. Außerdem sinkt auch die notwendige Morphindosis.

Es wurden auch Gels und Salben mit Morphin zur topischen Anwendung bei z.B. Arhritiden entwickelt. Eindeutige Ergebnisse stehen noch aus.

Mit Morphin können bestimmte Formen der Dyspnoe behandelt werden. Durch die dämpfende Wirkung des Morphins auf das Atemzentrum wird der Sauerstoffbedarf gesenkt und der Patient hat das Gefühl, weniger Sauerstoff zu brauchen.

2.3 Pharmakologie

Vermutlich greift Morphin direkt am Zentralen Nervensystem (ZNS) an. Es wirkt als reversibler Agonist an μ-Opiatrezeptoren. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung verhindert und das Schmerzempfinden des Patienten gesenkt.

Weitere Wirkungen von Morphin, die teilweise unerwünscht sind (Nebenwirkungen), sind Atemdepression, Verstopfung, Störungen des Bewusstseins (Halluzinationen) und Abfall des Blutdrucks. Daneben unterdrückt Morphin den Hustenreiz (antitussive Wirkung des Morphin-Derivates Codein).

Das Wirkmaximum bei intravenös appliziertem Morphin tritt nach etwa 15 Minuten ein. Die Wirkungsentfaltung sollte immer abgewartet werden, ehe eine erneute Gabe erfolgt, um etwaige Überdosierungen oder unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

2.4 Kontraindikationen

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Leber- und/oder Niereninsuffizienz geboten. Hierbei kann es aufgrund der reduzierten Ausscheidungsleistung des Körpers zur Kumulation des Morphins und Wirkverstärkung kommen. Zugelassen ist jedoch der Einsatz des Morphins bei Niereninsuffizienz bis zu einer GFR von > 30ml/min.

Des Weiteren sollte die Indikation bei Patienten mit Asthma bronchiale sehr streng gestellt werden, da die Morphin-bedingte Histaminausschüttung zu einem akuten Asthmaanfall führen kann.[1]

Aufgrund der Tonuserhöhung auf die glatte Muskulatur ist Morphin bei einem bestehenden Ileus nicht geeignet. Darüber hinaus stellen Schmerzen durch Harleiterspasmen oder Harnleiterkoliken sowie Gallenwegserkrankungen eine relative Kontraindikation dar.[2]

2.5 Vergiftung

Eine Überdosierung von Morphin kann eine Opiatintoxikation bewirken. Die letale Dosis liegt bei peroraler Aufnahme zwischen 0,3 und 1,5 g, bei parenteraler Applikation bei etwa 100 mg. Bei Drogenabhängigen kann die letale Dosis deutlich höher liegen als bei Nicht-Abhängigen.

Sollte eine Morphinintoxikation vorliegen, kann man diese durch Gabe von Naloxon oder Naltrexon behandeln. Naloxon verdrängt Morphin von den Opiatrezeptoren und hebt dadurch die Wirkung auf. Dabei sollte vorsichtig dosiert werden. Wird zuviel Naloxon verabreicht, kann der Konsument von der Überdosis direkt in den Entzug mit schwerwiegenden Entzugssymptomen übergehen.

3 Quellen

  1. Ellinger, Genzwürker, Kursbuch Notfallmedizin, Deutscher Ärzteverlag, 2011
  2. Bastigkeit, Medikamente in der Notfallmedizin, Stumpf + Kossendey, 2008

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