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Abhängigkeit

Synonyme: Sucht, Abhängigkeitserkrankung
Englisch: addiction

1 Definition

Unter Abhängigkeit oder Sucht versteht man das zwanghafte Bedürfnis bzw. den unwiderstehlichen Drang nach einem bestimmen Stimulus (Reiz), z.B. einer chemischen Substanz (Droge).

Nach den Empfehlungen der WHO soll der Begriff "Abhängigkeit" den älteren Begriff "Sucht" ersetzen.

2 Ursachen

Die Abhängigkeit basiert auf komplexen Abläufen des Gehirnstoffwechsels, bei denen Neurotransmitter, die der "Belohnung" des Gehirns dienen, eine wichtige Rolle spielen. Ihre Ausschüttung kann entweder direkt durch Drogen (z.B. Kokain) oder eine bestimmte Situation, die beim Individuum ein Glücksgefühl auslöst, beeinflusst werden. Demnach kann eine Abhängigkeit nicht nur von chemischen Substanzen, sondern auch von bestimmen Situationen bzw. Verhaltensmustern bestehen ("Adrenalin-Junkie", Spielsucht) .

3 Einteilung

3.1 ...nach betroffenem System

Aus klinischer Sicht wird die Abhängigkeit unterteilt in:

Die Grenzen zwischen beiden Formen sind jedoch fließend und basieren auf der Art, Dauer und Intensität der auslösenden Reize bzw. Drogen. Auch die psychische Abhängigkeit basiert letztlich auf stofflichen Anpassungsvorgängen wie z.B. der veränderten Produktion und Ausschüttung von Neurotransmittern. Sie kann sich durch die neuronale Plastizität auch dauerhaft morphologisch im ZNS niederschlagen.

3.1.1 Physische Abhängigkeit

Bei der physischen oder körperlichen Abhängigkeit hat sich der Körper durch den regelmäßigen Konsum der Droge an die Zufuhr der psychotropen Substanz angepasst. Er braucht sie schließlich für ein normales Funktionieren.

Nach DSM-V gelten Entzugserscheinungen und Toleranzentwicklung als Zeichen körperlicher Abhängigkeit. Da die Toleranzentwicklung jedoch bei fast allen Drogen auftritt, ist sie zwar ein notwendiges, aber kein hinreichendes Merkmal einer körperlichen Abhängigkeit. Körperliche Entzugssymptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Unruhe oder Magenkrämpfe gelten dagegen als weitgehend sichere Zeichen.

Eine körperliche Abhängigkeit ist im Vergleich zur psychischen deutlich einfacher zu behandeln. Auch wenn die Überwindung sehr belastend und schmerzhaft ist, kann sie je nach Substanz binnen weniger Wochen erreicht sein.

Typische Substanzen, die - teils schon nach kurzem Konsum - eine körperliche Abhängigkeit hervorrufen, sind Benzodiazepine, Morphin-Derivate wie Heroin, aber auch Alkohol.

3.1.2 Psychische Abhängigkeit

Die psychische Abhängigkeit besteht in einem maßlosen, unwiderstehlichen und nicht mehr kontrollierbaren Verlangen nach erneuter Einnahme der Droge (craving). Die Gedanken des psychisch Abhängigen sind ständig auf die Droge und ihre Beschaffung fokussiert. Bei Unterlassen des Konsums treten keine körperliche Entzugserscheinungen i. e. S. auf, der Betroffene fühlt sich aber zunehmend unwohl, depressiv oder leidet an Angstzuständen. Weitere Zeichen sind Stimmungsabfall, Gereiztheit und Aggressivität, die Vernachlässigung anderer Interessen und das Fortsetzen des Konsums wider besseres Wissen.

Daher sind Therapie und Überwindung einer psychischen Abhängigkeit meist deutlich aufwendiger als bei körperlicher Abhängigkeit.

Prinzipiell führen fast alle Drogen nach längerem Konsum in eine psychische Abhängigkeit. Typische Drogen, die praktisch ausschließlich psychisch abhängig machen sind Amphetamine, Kokain und mit geringem Potenzial auch Cannabis.

3.2 ...nach Stimulus

Abhängigkeit kann nicht nur durch psychotrope Substanzen, sondern auch durch substanzungebundene Reize ausgelöst werden. Dementsprechend differenziert man:

Weitere Varianten sind der in der ICD10-Klasse F55 erfasste "Schädliche Gebrauch von körperlich nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen" (Beispiel: Medikamentenabhängigkeit von Laxantien oder Analgetika) und die so genannte Co-Abhängigkeit, wenn Bezugspersonen die substanzgebundene Abhängigkeit einer Person verstärken.

4 Symptome

Zu den typischen Symptomen der Abhängigkeit gehören:

5 Formen

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