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Urtikaria

von lateinisch: urtica - Brennessel
Synonym: Nesselsucht
Englisch: urticaria

1 Definition

Die Urtikaria ist eine mit ödematösen Effloreszenzen (Quaddeln) einhergehende Hauterkrankung.

2 Ätiologie und Formen

Die Ursachen einer Urtikaria können vielfältig sein. Meistens sind immunologische Mechanismen, die zur Freisetzung von Histamin führen als Ursache anzunehmen.

Eine maximal 6 Wochen lang bestehende Urtikaria wird als akute Urtikaria bezeichnet. Sie kann bei symptomfreien Intervallen auch schubweise rezidivierend auftreten.

Eine über 6 Wochen bestehende Urtikaria ohne symptomfreies Intervall wird als chronische Urtikaria bezeichnet.

3 Symptomatik

Die Effloreszenz ist ein erhabenes Erythem mit starkem Juckreiz (Quaddel). Die Größe des einzelnen Erythems ist variabel. Urtikaria treten bevorzugt abends und nachts auf.

Kleine Urticaria sind erbsengroß, ausgebreitete Urticaria können ganze Körperregionen umfassen und werden dann auch als Urticaria geographica bezeichnet.

Bestehen gleichzeitig Zeichen eines Schocks, so ist von einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auszugehen. Weiterhin kann eine Urtikaria zusammen mit einem ebenfalls lebensbedrohlichen Quincke-Ödem des Larynx auftreten.

4 Diagnostik

Eine erfolgreiche Diagnostik mit Feststellung der Ursache ist vor allem bei intermittierend akut verlaufenden Urtikariaformen möglich, da so die Umstände bei Auslösung besser analysiert werden können.

Wertvollstes diagnostisches Instrument ist dabei die Anamnese, in der die Begleitumstände der Urtikaria abgeklärt werden können. Weiterhin sollten vorliegende Erkrankungen (Infektionen, Autoimmunerkrankungen) und bekannte Allergien bereits in diesem Rahmen abgeklärt werden.

Weitere diagnostische Maßnahmen:

  • Eine durch physikalische Reize hervorgerufene Urtikaria lässt sich mit physikalischen Provokationstests leicht ausschliessen
  • Allergietests (Epikutan-Test, Prick-Test, Intrakutan-Test, RAST) dienen der Fahndung nach Allergien
  • Provokationstestung mit ASS (ASS-Intoleranz) bzw. Nahrungsmittelzusatzstoffen (Konservierungsmittel, Farbstoffe)
  • Entnahme und mikrobiologische Diagnostik einer Stuhlprobe (Parasiten)
  • Suche nach einer Infektionsquelle (allergische Reaktion auf beispielsweise im Rahmen einer Tonsillitis verstreuten bakteriellen Antigene und Immunkomplexe)

5 Therapie

Eine Urtikaria spricht symptomatisch gut auf Antihistaminika an, z.B. auf Cetirizin 10 mg, abends, p.o. oder auf Acrivastin.

Die IgE-vermittelte Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen wird zusätzlich durch die orale Gabe von Glukokortikoiden behandelt. Dabei werden z.B. bis zu 40 mg Dexamethason, p.o. pro Tag oder 50-100 mg Prednisolon, p.o. pro Tag verabreicht - und zwar nicht morgens, sondern mit Auftreten der Symptome (Hautjucken, Urtikaria, verschnupfte Nase, und harte, angespannte Lippen), da viele Glukokortikoide nur eine kurze Plasmahalbwertszeit haben (z.B. Prednisolon etwa 2-4 Stunden).

Ein beginnendes Quincke-Ödem wird durch die i.v.-Gabe von 2 mg Clemastin und 250 mg Prednisolon in 250 ml Kochsalzlösung therapiert. Eine im Rahmen des anaphylaktischen Schocks auftretende Urtikaria erfordert intensivmedizinische Behandlung (Glukokortikoid, Adrenalin).

Langfristig sind die Auslöser zu meiden (Expositionsprophylaxe gegenüber Allergenen, ASS, Nahrungsmittelzusätzen).

6 Weblinks

Urtikaria bei DocCheck Pictures

Fachgebiete: Dermatologie

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