Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Lepra

Synonyme: Hansen’sche Krankheit, Morbus Hansen, Miselsucht, Aussatz (umgangsspr.)
Englisch: leprosy

1 Definition

Die Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch den Erreger Mycobacterium leprae ausgelöst wird.

2 ICD10-Codes

  • A30: Lepra (Aussatz)
  • A30.0: Indeterminierte Lepra
  • A30.1: Tuberkuloide Lepra
  • A30.2: Borderline-tuberkuloide Lepra
  • A30.3: Borderline-Lepra
  • A30.4: Borderline-lepromatöse Lepra
  • A30.5: Lepromatöse Lepra

3 Epidemiologie

Früher kam die Lepra weltweit vor, heutzutage ist sie in den entwickelten Ländern ausgerottet. In der dritten Welt und in Schwellenländern gibt es diese Krankheit noch, hauptsächlich in Südostasien, in Indien, sowie in Afrika und Brasilien. Die Prävalenz ist in den letzten Jahren gesunken, was auf die Erfolge der Dreifachkombinationstherapie anfang der 80er Jahre zurückzuführen ist. 1991 erklärte die WHO das Ziel, die Lepra als ein Weltgesundheitsproblem bis 2000 zu beseitigen, d.h. die Prävalenz auf unter 1:10.000 zu senken. Dies ist für die Weltbevölkerung gesehen mit den Therapiemöglichkeiten und der Unterstützung einer verbreiteten Anwendung auch gelungen, wobei weitere Anstrengungen in einzelnen Ländern noch nötig sind.

Die Zahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) stagniert in den letzten Jahren. Betroffen sind hauptsächlich Menschen, die in schwerer Armut leben.

4 Erreger

Das Mycobacterium leprae ist wie die Tuberkuloseerreger ein intrazellulär lebendes säurefestes Stäbchenbakterium.

5 Infektionswege

Der Erreger ist im Gegensatz zum weit verbreiteten Glauben wenig virulent. Infektionsquelle ist der kranke Mensch und eine Übertragung ist nur durch einen intensiven direkten Kontakt mit verletzter Haut, Schleimhaut über längere Zeit oder blutigen Schnupfen (größte Gefahr einer Übertragung) möglich. Die lepromatöse Form der Lepra ist dabei wesentlich ansteckender als die tuberkuloide Form, da der Mykobakteriengehalt in Haut- und Schleimhaut viel höher ist.

6 Pathohistologie

Die Lepraerreger lösen eine für sie typische granulomatöse Entzündung aus. Sie befallen bevorzugt Makrophagen und Schwann’sche Zellen.


7 Einteilung

7.1 ...nach Symptomatik

  • Indeterminierte Lepra (I, mögliches Erststadium)
  • Tuberkuloide Lepra (TT, Nervenlepra)
  • Lepromatöse Lepra (LL, Knotenlepra)
  • Borderline-Lepra (Spektrum an Zwischenformen: BT, BL, BB)

7.2 ...nach Mykobakteriengehalt

  • Paucibacilläre Lepra (entspricht der tuberkuloiden Lepra)
  • Mulitbacilläre Lepra (entspricht der lepromatösen Lepra)

Die Borderline-Lepra kann in die beiden anderen Formen übergehen, aber die Reinformen tuberkuloide und lepromatöse Lepra können nicht in einander übergehen.

8 Klinik

Die Inkubationszeit beträgt Monate bis Jahre (meist zwischen 3-5 Jahren, aber auch bis zu 30 Jahren wurden beschrieben).

8.1 Tuberkuloide Lepra

Sie ist die häufigste manifeste Form der Lepra und ist so gut wie nicht ansteckend. Der Körper ist bei dieser Form in einer guten Abwehrlage. Eine Hyperergie führt zu folgenden charakteristischen Symptomen:

Es besteht eine ausgeprägte zelluläre Immunreaktion mit wenigen granulomatösen Läsionen bei geringer Keimzahl. Der Verlauf ist langsam, in ca. 90% der Fälle kommt es zur Regression.

8.2 Lepromatöse Lepra

Diese Form der Lepra macht den geringsten Anteil der manifesten Erkrankungen aus. Sie kommt bei schwacher Erregerresistenz vor (Anergie). Folgende Symptome sind charakteristisch:

Die lepromatöse Lepra verläuft - ähnlich wie die Miliartuberkulose - progressiv mit zahlreichen Läsionen und vielen Bakterien. Sie ist hoch infektiös.

8.3 Borderline-Lepra

Die Borderline-Lepra ist eine Mischung von Symptomen der tuberkuloiden und der lepromatösen Form. Der Verlauf ist abhängig vom Immunstatus. Je nach Resistenzlage kann es sich um eine eher der tuberkuloiden Lepra (BT) oder eine eher der lepromatösen Lepra (BL) entsprechenden Symptomatik handeln.

9 Diagnostik

9.1 Anamnese/Klinik

Die Symptome sind sehr typisch und nur selten mit anderen Erkrankungen zu verwechseln.

9.2 Erregeranzucht

Der Erreger lässt sich weder in Nährmedien noch in Zellkulturen vermehren, nur in den Fusssohlen immungeschwächter Mäuse, Ratten oder im Gürteltier ist dies möglich.

9.3 Histologie

Mittels Ziehl-Neelsen-Färbung lassen sich bei der multibazillären Form in Haut- oder Schleimhautgeschabsel säurefeste Stäbchen nachweisen. Ausserdem kann man eine Probeentnahme aus Hautknoten oder verdickten Nerven vornehmen und darin die typischen Granulome sehen.

9.4 Lepromintest

Der Lepromintest dient zur Differenzierung zwischen der tuberkuloiden und der lepromatösen Lepra. Es werden abgetötete Leprabakterien intrakutan injiziert. Bei einer positiven Hautreaktion handelt es sich um eine tuberkuloide Lepra.

9.5 PCR

Mit dieser Methode kann man Bakterien-DNA im Körper nachweisen, was vor allem bei der paucibacillären Form von Vorteil ist. Allerdings wird die PCR selten durchgeführt, da die Mittel dazu in den Ländern, wo die Lepra noch vorkommt, oft fehlen und in der Regel die Klinik schon eindeutig genug ist.

10 Therapie

  • paucibacilläre Form: Zweifachkombination aus Rifampicin und Dapson für 6 Monate
  • multibacilläre Form: Dreifachkombination aus Rifampicin, Dapson und Clofazimin für mindestens 24 Monate

Einige Chinolone (zum Beispiel Ofloxacin oder Perfloxacin) und Thalidomid können ebenfalls in der Therapie von Lepra eingesetzt werden.

11 Komplikationen

Lepra-Reaktion Typ 1: Es handelt sich um eine Immunreaktion vom Typ IV. Dabei kommt es zum Wiederaufflammen alter Hautläsionen und zu Neuritiden. Diese Reaktion tritt meist im Laufe einer Behandlung auf.
Lepra-Reaktion Typ 2: Hierbei handelt es sich um eine Immunreaktion vom Typ III und tritt nur bei der lepromatösen Lepra (oder der Borderline-Lepra BL) auf. Es kommt zu der Hauterscheinung Erythema nodosum leprosum.

Zur Behandlung der Leprareaktionen sind Kortikosteroide geeignet.

12 Prognose

Die meisten Infektionen heilen spontan in der asymptomatischen oder in der Frühphase der Erkrankung aus. Dies hängt allerdings stark von der Abwehrlage des Betroffenen ab.

13 Prophylaxe

Eine Isolierung der Erkrankten ist auf Grund der niedrigen Ansteckungswahrscheinlichkeit heute nicht mehr gefordert. Grundregeln der Hygiene sind jedoch einzuhalten. Umstritten ist, ob eine BCG-Impfung Schutz verleiht.

14 Meldepflicht

Der Nachweis von Mycobacterium leprae bei Infektion ist meldepflichtig (Infektionsschutzgesetz).

15 Links

WHO – World Health Organisation
Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

22 Wertungen (3.95 ø)
Teilen

64.325 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: