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Simuliidae

von lateinisch: simulare - ähnlich machen, darstellen
Synonym: Kriebelmücken
Englisch: black flies, buffalo flies

1 Definition

Simuliidae bilden ein Taxon der Ordnung der Diptera (Zweiflügler) innerhalb der Klasse der Insecta (Insekten).

2 Taxonomie

3 Morphologie

Simuliidae sind zwischen 2 und 6 mm lang, kompakt und zeigen einen fliegenähnlichen Habitus mit dorsal gewölbtem Thorax. Die Insekten besitzen kurze Beine und breite Flügel. Die Antennen (Fühler) beider Geschlechter ähneln sich stark, sind 9- bis 12-gliedrig und perlschnurartig gestaltet.

4 Vertreter

Die Gruppe der Simuliidae umfasst ca. 1.800 Arten in zwei Unterfamilien. Folgende vier Gattungen haben veterinärmedizinische Bedeutung:

5 Verbreitung

In Mitteleuropa sind vor allem folgende vier Arten vertreten:

Art Brutgewässer Wasserqualität Landschaftstyp
Simulium erythrocephalum vegetationsreiche und große Bäche sowie mittelgroße Flüsse mittel Flachland von Norddeutschland bis in die voralpine Region
Simulium reptans vegetationsreiche Bäche und Flüsse hoch Flachland bis Mittelgebirge
Simulium ornatum Fließgewässer mit turbulenter Strömung niedrig Flachland, Mittelgebirge bis Voralpen
Simulium equinum Bäche mit gleichmäßig-moderater Strömung niedrig Ebenen, niedrige Höhenlagen

6 Entwicklung

Die Entwicklung der Simuliidae ist an Fließgewässer gebunden. Die Begattung erfolgt meist kurz nach dem Schlupf der Imagines. Da die Eireifung Blut benötigt, leben die Weibchen hämatophag. Die Männchen hingegen ernähren sich von Pflanzensäften.

Etwa eine Woche nach der Blutmahlzeit legen die Weichen (je nach Art) mehrmals jeweils 150 bis 600 Eier - eingepackt in gallerartigem Material - auf flotierende Wasserpflanzen, schwimmende Gegenstände, an Steine oder in die Fließrinne. Die Eigelege werden dabei entweder flächenhaft auf Wasserpflanzen ausgebreitet oder in Klumpen an Pflanzen befestigt. Die Larven schlüpfen dann unter der Wasseroberfläche, um zunächst in der Nähe der Schlupfstelle zu bleiben - spätere Larvenstadien können auch mehrere hundert Meter verdriftet werden.

Mithilfe einer kaudalen Haftscheibe heften sich die Larven an Pflanzen, Steinen oder Holzstücken fest, um mit ihren apikalen, in der Strömung entfalteten Fangfächern korpuskuläre Nahrungsbestandteile aus dem Wasser filtern zu können. Je nach Temperatur durchlaufen sie innerhalb von 3 bis 8 Wochen 6 bis 8 bzw. 9 Larvenstadien, ehe sich das letzte Stadium verpuppt. Bei sommerlichen Temperaturen wird der letzte Entwicklungschritt binnen 6 bis 8 Wochen durchlaufen, worauf die geschlüpften Mücken das wieder Wasser verlassen.

7 Epidemiologie

Adulte Simuliidae kommen in endemischen Gebieten Mitteleuropas zwischen März und November gehäuft vor.

Simuliidae-Arten fliegen - mit Ausnahme weniger ornithophiler Arten - tagsüber, bevorzugt bei sonnigen, windstillen Wetter. Bei dichten Populationen kann der Anflug in den frühen Morgenstunden beginnen und bis kurz vor Sonnenuntergang andauern - die maximalen Flugaktivitäten werde am Vormittag, am Mittag und in den späten Nachmittagsstunden erreicht.

Simuliidae fliegen nicht in Gebäude und nur selten in Unterstände ein, können jedoch am Tier in Stallungen eingeschleppt werden.

8 Klinik

Simuliidae verursachen schmerzhafte Stiche und können sowohl für Tiere als auch für Menschen zu einer erheblichen Plage werden.

Die Simuliotoxikose wird durch die Speicheltoxine der Insekten verursacht. Typische Symptome einer Intoxikation sind: zahlreiche petechiale Blutungen in der Haut, hochgradige Unterhaut- und Organödeme, Schwellungen der Lymphknoten, petechiale Blutungen in den serösen Häuten, im Peri- und Endokard, in allen parenchymatösen Organen einschließlich des Gehirns und Ergüsse in der Pleura- und Peritonealhöhle.

9 Bedeutung für den Menschen

Beim Menschen hinterlässt der Stich einer Kriebelmücke einen feinen Blutpunkt in der Haut. Oftmals bildet sich um die Stichstelle ein 2 bis 3 mm großes Erythem mit zentraler Pustel und eine größere ödematöse Schwellung. Die nach dem Stich einsetzende schmerzhafte Reaktion kann weit ausstrahlen und einige Tage lang bestehen bleiben. Zu systemischen Reaktionen wie Fieber und Kreislaufstörungen kommt es nur selten.

Simuliidae sind Vektoren für Filarien und können Onchocerca-Arten der Rinder und Onchocerca volvulus (Erreger der Flussblindheit des Menschen) übertragen. Zusätzlich können sie Vögel mit Protozoen (Leucocytozoon spp.) infizieren.

10 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

11 Quelle

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