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Pankreaspseudozyste

Englisch: pancreatic pseudocyst

1 Definition

Pankreaspseudozysten sind flüssigkeitsgefüllte Kammern im Bereich der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die nach akuten oder chronischen Entzündungen (Pankreatitis) auftreten können.

ICD10-Code: K86.3

2 Pathophysiologie

Pankreaspseudozysten entwickeln sich im Verlauf einer akuten Pankreatitis aus Nekrosezonen oder im Rahmen des Schubs einer chronischen Pankreatitis durch Verklebung des Gangsystems. Durch Extravasation oder Flüssigkeitsretention kommt es im weiteren Verlauf zum sukzessiven Wachstum der Pseudozyste. Eine weitere mögliche Ursache sind Traumen des Pankreas, die eine Pankreatitis auslösen.

Im Gegensatz zu echten Zysten gibt es keine reguläre epitheliale Zystenwand, sondern nur eine schlecht abgrenzbare bindegewebige Grenzzone, die Granulationsgewebe enthalten kann. Die Wand der Pseudozyste bildet sich erst im Verlauf einiger Wochen aus, was man als "Reifung" bezeichnet. Vorher spricht man besser von einer "akuten Flüssigkeitsansammlung" im Pankreas.

3 Epidemiologie

Postentzündliche Pankreaspseudozysten sind mit 75-80% die häufigsten zystischen Veränderungen des Pankreas. Sie treten bei etwa 10% aller Fälle einer akuten Pankreatitis auf [1] und bei rund 60% aller Patienten mit schwerer chronischer Pankreatitis [2].

4 Lage

Die Lokalisation von Pankreaspseudozysten ist sehr variantenreich. Sie können im Pankreas selbst lokalisiert sein ("intrapankreatisch"), aber auch um das Pankreas herum liegen ("peripankreatisch"), zum Beispiel retroperitoneal, in seltenenen Fällen sogar mediastinal. Am häufigsten findet man sie im Bereich der Bursa omentalis.

5 Morphologie

Pankreaspseudozysten können eine erhebliche Größe annehmen und zur Verdrängung benachbarter anatomischer Strukturen führen. Innerhalb des Befunds können anfangs Septen erkennbar sein. Der Inhalt der Pseudozysten besteht aus seröser bis hämorrhagischer Flüssigkeit, die Zelldetritus enthält und eine hohen Gehalt an Amylase, Lipase und Enterokinasen (z.B. Trypsin) hat.

6 Symptome

Pankreaszysten sind in über 80% der Fälle symptomatisch. Abhängig vom Größenwachstum kann es zu dumpfen Oberbauchschmerzen oder kolikartigen Beschwerden kommen. Zusätzlich können Völlegefühl, Nausea und Erbrechen auftreten. Pankreaspseudozysten sind eine sehr häufige Ursache von länger als drei Wochen bestehenden Schmerzen nach einer akuten Pankreatitis.

Bei asymptomatischen Pankreaszysten muss eine erweiterte Diagnostik durchgeführt werden, um zystische Pankreasneoplasien auszuschließen.[1]

7 Diagnose

7.1 Sonografie

Reife Pankreaspseudozysten lassen sich gut mittels der Oberbauchsonografie darstellen, wobei sich die Pseudozysten als echofreie bzw. echoarme Zone präsentieren, deren Wandbereich verstärkt echogen ist. Akute Flüssigkeitsansammlungen im Pankreas sind oft nicht so deutlich darstellbar, da innerhalb der Flüssigkeit - bedingt durch nekrotisches Gewebe - echoreiche Bezirke auftreten.

7.2 Andere Untersuchungen

MRT und CT können - vor allem im Früstadium bei akuten Flüssigkeitsansammlungen - zur genaueren Lokalisation bzw. differentialdiagnostischen Abgrenzung herangezogen werden.

Größere Pseudozysten machen sich bereits bei der Palpation des Abdomens als großer tastbarer Tumor bemerkbar oder auch durch das Vorliegen einer leichten Abwehrspannung.

8 Differentialdiagnose

9 Therapie

Die Therapie ist abhängig von der Größe und Lokalisation des Befunds. Zunächst wird im Rahmen einer Verlaufsbeobachtung abwartend vorgegangen, da Pankreaspseudozysten, die im Rahmen einer Pankreatitis entstehen, sich häufig spontan zurückbilden können. Dabei ist eine komplette oder inkomplette Regression möglich, solange die Pseudozyste nicht älter als 6 Wochen und der Durchmesser größer als 6 cm ist.

Größere Pseudozysten, die sich nicht nach 6 Wochen zurückgebildet haben, können durch eine Entlastungspunktion reduziert werden. In ausgeprägten Fällen ist eine operative Revision mit Bildung einer Drainage erforderlich. Dabei werden resezierte Wandanteile intraoperativ per Schnellschnitt untersucht, um einen Pankreastumor auszuschließen. Als Drainageverfahren kann eine Zystojejunostomie- mit einer Roux-Y-förmigen Jejunumschlinge-Zystogastrostomie oder Zystoduodenostomie in Abhängigkeit von der Lage der Pseudozyste durchgeführt werden.

10 Quellen

  1. Hollerbach, S. Pankreaszysten - Diagnostik. Zystische Läsionen und Tumoren des Pankreas klar unterscheiden, Gastro News 2018; 04(5): 32-41.

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Fachgebiete: Gastroenterologie

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