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Kindernotfall

Synonym: Pädiatrischer Notfall

1 Definition

Als Kindernotfälle bezeichnet man in der Pädiatrie, Notfallmedizin und im Rettungsdienst alle akut auftretenden (lebensbedrohlichen) Verletzungen und Erkrankungen im Kindesalter.

2 Hintergrund

Kinder sind keine Miniaturausgaben von Erwachsenen. Es gibt nicht nur Unterschiede im anatomisch-physiologischen Bereich, sondern auch im Wahrnehmungs-und Empfindungsvermögen. Hinzu kommt die Unerfahrenheit mit Unfällen und Krankheiten.

Sowohl für Ärzte, Pflegepersonal als auch für das Rettungspersonal gelten spezielle Verhaltensregeln gegenüber Kindern und Eltern. Außerdem gibt es für die Notfallmedizin spezielle Transportrichtlinien, zusammen mit einem einschlägigen Fachwissen, um Notfallpatienten im Säuglings- und Kleinkindalter bestmöglichst versorgen zu können.

3 Umgangsformen mit Kindern

Fünf Verhaltensregeln, die den Umgang mit Kindern erleichtern, sind:

  • Kinder sollten vorwiegend mit dem Vornamen angesprochen werden
  • Alle Maßnahmen die getroffen werden, müssen vorab genau erklärt werden
  • Wunden müssen rasch versorgt werden
  • Unterstützend kann man auf Gemeinsamkeiten hinweisen
  • Wenn möglich, Spielzeug mitnehmen lassen oder selber basteln (z.B. Handschuhluftballon)

4 Anatomisch-physiologische Besonderheiten

4.1 Atemorgane

Die Nasengänge von Kindern sind relativ eng. Gleiches gilt für die tiefer gelegenen Luftwege (Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien). Säuglinge atmen vorwiegend durch die Nase, sodass es bei einer Schwellung rasch zu schweren Beeinträchtigungen kommen kann (erhöhter Atemwegswiderstand). Außerdem sind etwaige Wucherungen in der Nase physiologisch und bilden sich ab dem dritten Lebensjahr zurück.

Die Zunge von Kindern ist relativ groß (je kleiner das Kind, desto größer die Zunge) und die Speichelsekretion stark ausgeprägt. Vergleicht man das Kind mit dem Erwachsenen, so liegt der Kehlkopf deutlich höher und ist außerdem gekippt, sodass die engste Stelle subglottisch liegt - in Höhe des Ringknorpels. Deshalb können auch schon geringfügige Einengungen im Bereich des Kehlkopfeinganges und eine Schwellung im Bereich des Kehldeckels zu bedrohlicher Atemnot und Lebensgefahr führen.

Aufgrund der anatomischen Besonderheiten führt eine extreme Überstreckung des Kopfes beim Säugling zur Verlegung der Atemwege - der Kopf sollte deshalb immer in Neutralstellung gehalten werden.

Die Luftröhre von Kindern ist relativ kurz (beim Neugeborenen ca. 4 cm), die Rippen stehen horizontal. Das Zwerchfell dient (wie beim Erwachsenen) als Hauptatemmuskel.

Atemstörungen stellen im Säuglings- und Kleinkindalter die häufigste Notfallursache dar!

4.2 Herz-Kreislauf-System

Das Herz eines Säuglings ist relativ groß. Es liegt aufgrund des hoch stehenden Zwerchfells in schräger Position. Da Säuglinge einen hohen Sauerstoffverbrauch haben, muss das Herz über die Frequenz die Auswurfleistung regeln. Bei einem Säugling sind Atemstörungen die häufigste Ursache für eine Bradykardie.

Die Reduktion der zirkulierenden Blutmenge wird vom Körper eines Kindes sehr schlecht toleriert. So verringert beispielsweise ein Blutverlust von 100 bis 200 ml das Blutvolumen eines 10 kg schweren Kindes um ein Viertel, was eine lebensbedrohliche Minderdurchblutung (Ischämie) lebenswichtiger Organe nach sich zieht. Hinzu kommt ein verzögertes Auftreten der Schockzeichen, sodass Schocksymptome beim Kind bereits auf ein fortgeschrittenes Stadium hinweisen.

4.3 Temperaturregulation

Bezogen auf ihr Körpergewicht haben Säuglinge und Kleinkinder eine große Körperoberfläche und somit eine erhöhte Wärmeabstrahlung. Sie kühlen rasch aus, sodass im Rahmen der Schockbekämpfung der Schutz vor einem Wärmeverlust sehr wichtig ist. Dies gilt insbesondere für Neugeborene, da eine Unterkühlung zu einer Hypoglykämie und in der Folge zu einer alveolären Hypoventilation führt.

4.4 Wasser- und Elektrolythaushalt

Bei Kindern stehen die Flüssigkeitsräume in einer anderen Relation zueinander als bei Erwachsenen. Es gilt: je jünger das Kind, desto höher ist der Flüssigkeitsanteil im Extrazellulärraum - darum wird mehr Wasser zur Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen benötigt. Bei Kindern liegt also ein höherer Wasser- und Elektrolytumsatz vor, sodass Defizite rasch zu lebensbedrohlichen Entgleisungen führen können (z.B. durch Durchfall und Fieber).

5 Lebensabschnitte

  • Embryo: ab der dritten Schwangerschaftswoche (SSW) bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats
  • Fetus: nach dem Abschluss der Organentwicklung, ab Ende des dritten Monats bis zur Geburt
  • Neugeborenes: ab der Geburt bis vier Wochen danach
  • Säugling: ab der vierten Woche bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres
  • Kleinkind: vom ersten Geburtstag bis zum 6. Lebensjahr
  • Schulkind: Kinder zwischen dem 6. Lebensjahr und der Pubertät (12-14 Jahre)
  • Jugendliche(r): 14-18 Jahre

Leider ist es in der Praxis nicht immer möglich, das Alter des Kindes zu erfahren oder exakt einzuschätzen. In der Notfallmedizin teilt man deshalb grob in drei Lebensabschnitte ein:

  • Säugling: bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres (inkl. Neugeborenes)
  • Kind: bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres
  • Jugendlicher und Erwachsener: ab dem 8. Lebensjahr

6 Notfälle

Kindernotfälle werden in der Regel in mehrere Gruppen unterteilt. Eine mögliche Einteilung inklusiver häufigster Kindernotfälle ist:

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