Direct-acting antivirals
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Synonym: Direkt wirkende antivirale Substanzen, DAA
Definition
Direct-acting antivirals, kurz DAA, sind antivirale Wirksoffe, die bestimmte Proteine des Hepatitis-C-Virus direkt hemmen und dadurch seine Vermehrung stoppen.
Hintergrund
Bis Anfang der 2010er-Jahre bestand die Standardtherapie der Hepatitis C aus pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin. Die Behandlung dauerte meist 24–48 Wochen, war nebenwirkungsreich und erreichte nur begrenzte Heilungsraten. Die Heilungsraten lagen unter Interferon/Ribavirin bei etwa 40–50 % bei Genotyp 1 und 70–80 % bei Genotyp 2/3.
Ab 2011 kamen mit Telaprevir und Boceprevir die ersten direkt antiviral wirkenden Medikamente hinzu, zunächst noch in Kombination mit Interferon und Ribavirin. Seit 2013/2014 stehen rein orale, interferonfreie DAA-Kombinationen zur Verfügung.
Hepatitis C ist heute mit dem Einsatz von DAA in der Regel heilbar. Moderne Regime sind häufig pangenotypisch wirksam und erreichen Heilungsraten von über 95 %. Die Behandlungsdauer beträgt meist 8–12 Wochen.
Ziel
Ziel der DAA-Therapie ist die dauerhafte Elimination des Hepatitis-C-Virus, definiert als sustained virological response (SVR): nicht nachweisbare HCV-RNA 12 Wochen nach Therapieende, abgekürzt SVR12. Moderne pangenotypische Kombinationsregime erreichen SVR12-Raten von über 95 %.
Wirkprinzip und Wirkstoffe
HCV ist ein Plusstrang-RNA-Virus. Sein Genom kodiert ein Polyprotein, das in einzelne virale Proteine gespalten wird. Direct-acting antivirals (DAA) greifen an drei nichtstrukturellen Proteinen an:
- NS3/4A-Proteaseinhibitoren („-previr“): hemmen die Spaltung des viralen Polyproteins. Beispiele: Glecaprevir, Grazoprevir, Voxilaprevir.
- NS5A-Inhibitoren („-asvir“): hemmen die virale RNA-Replikation und Virusassemblierung. Beispiele: Pibrentasvir, Velpatasvir, Ledipasvir.
- NS5B-Polymeraseinhibitoren („-buvir“): hemmen die virale RNA-abhängige RNA-Polymerase. Beispiele: Sofosbuvir, Dasabuvir.
Durch die Kombination verschiedener Wirkstoffklassen wird eine hohe antivirale Wirksamkeit und Resistenzbarriere erreicht. Viele Kombinationen sind pangenotypisch wirksam (Genotyp 1–6).
Nebenwirkungen
DAA werden insgesamt sehr gut vertragen. Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche sind selten.
Häufige Nebenwirkungen sind:
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit/Fatigue
- Übelkeit
- Diarrhoe
- teilweise Schlafstörungen
Substanzspezifische Besonderheiten:
- Proteaseinhibitoren (z.B. Simeprevir, Paritaprevir): Hyperbilirubinämie, Transaminasenanstieg; kontraindiziert bei Child-Pugh B/C-Zirrhose.
- Sofosbuvir: keine Dosierungsempfehlung bei schwerer Niereninsuffizienz (eGFR <30 ml/min).
Resistenzen
Trotz der hohen Wirksamkeit der DAA kann es selten (2–12%) zu einem Therapieversagen durch sog. Resistenz-assoziierte Substitutionen (RAS) im viralen Genom kommen.[1] Eine routinemäßige Resistenztestung vor der Ersttherapie ist bei modernen pangenotypischen Regimen bis auf wenige Ausnahmen in der Regel nicht erforderlich. Nach Versagen einer DAA-Therapie kann als erneute Therapie insbesondere die Kombination Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir eingesetzt werden.[2]
Quellen
- ↑ Inzaule S et al. Prevalence of Drug Resistance Associated Substitutions in Persons With Chronic Hepatitis C Infection and Virological Failure Following Initial or Re-treatment With Pan-genotypic Direct-Acting Antivirals: A Systematic Review and Meta-analysis. Clinical Infectious Diseases. 2024
- ↑ Bhattachary D et al. Hepatitis C Guidance 2023 Update: American Association for the Study of Liver Diseases– Infectious Diseases Society of America Recommendations for Testing, Managing, and Treating Hepatitis C Virus Infection. Clinical Infectious Diseases. 2023