Ösophaguserkrankung (Pferd)
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LoslegenSynonym: Ösophaguspathologien (Pferd)
Englisch: esophageal diseases (horse)
Definition
Ösophaguserkrankungen beim Pferd umfassen angeborene und erworbene Erkrankungen der Speiseröhre, die sich klinisch häufig als Dysphagie, Nasenausfluss oder Schlundverstopfung manifestieren.
Anatomie
Der Ösophagus ist ein häutigmuskulärer Schlauch, der beim Pferd eine Länge von ca. 1,2 m erreichen kann und den Pharynx mit der Kardia des Magens verbindet. Man unterscheidet einen zervikalen, thorakalen und abdominalen Anteil. Der histologische Aufbau kann in 4 unterschiedliche Schichten gegliedert werden:
- Mukosa: Mehrschichtiges Plattenepithel, unvollständige Muscularis mucosae
- Submukosa: Elastische und kollagene Fasern, Drüsen, Lymphfollikel
- Muskularis: Zweischichtig, schraubenartig; quer gestreifte und glatte Muskulatur
- Adventitia bzw. Serosa
Physiologie
Der überwiegend unwillkürlich und reflektorisch ablaufende Schluckakt nach der willkürlichen Aktivierung durch die Muskulatur des Rachens transportiert den Nahrungsbrei durch aufeinanderfolgende peristaltische Kontraktionen des Ösophagus in Richtung Magen. Am Mageneingang verhindert der Kardiasphinkter (Sphincter cardiae) den Rückfluss von Mageninhalt in den Ösophagus und öffnet sich reflexartig beim Schluckakt. Man spricht daher auch von der oropharyngalen, ösophagalen und gastroösophagalen Phase des Schluckaktes.
Beim Pferd ist Erbrechen aufgrund besonderer anatomischer Gegebenheiten praktisch nicht möglich. Verantwortlich sind hierfür insbesondere der starke Tonus des aboralen Ösophagussphinkters sowie die Mündung des Ösophagus in einem sehr steilen Winkel in den Magen, wodurch der Rückfluss von Mageninhalt in den Ösophagus verhindert wird. Je stärker der Magen gefüllt ist, desto stärker wird die Winkelung, was einen Rückfluss zusätzlich erschwert. Bei einer Überfüllung oder starken Gasansammlung des Magens besteht dadurch die große Gefahr einer Magenruptur, da der Mageninhalt nicht durch Erbrechen entleert werden kann.
Erkrankungen
Schlundverstopfungen (Obturationen des Ösophagus) sind die häufigste Ösophaguserkrankung des Pferdes. Weitere entzündliche, strukturelle und funktionelle Erkrankungen des Ösophagus sind:
Diagnostik
Beim Verdacht einer bestehenden Ösophaguserkrankung sollten unter anderem mögliche Zahnerkrankungen oder Pathologien des Larynx ausgeschlossen werden. Das Fressverhalten und die genauen Abläufe der Futteraufnahme, des Kauens und des Schluckens sollten aufmerksam begutachtet werden. Die Durchgängigkeit des Ösophagus kann klinisch mittels einer Nasenschlundsonde geprüft werden. Weiterführende Untersuchungen beinhalten die endoskopische, röntgenologische oder auch sonografische Untersuchung des Ösophagus sowie des gesamten Halsbereiches. Der Einsatz von Kontrastmitteln (bspw. Bariumsulfat) kann in einer röntgenologischen Untersuchung Aufschlüsse über mögliche Strikturen, Divertikel oder das Vorliegen eines Megaösophagus geben. In seltenen Fällen und je nach Indikation können auch Schnittbildverfahren (Computertomografie) für komplexe Fälle als weitere Schritte in Erwägung gezogen werden.
Symptome und Komplikationen
Je nach zugrundeliegender Erkrankung können sich die Leitsymptome teils unterscheiden. Bei diesen Krankheitskomplexen können generell Symptome wie futterhaltiger und meist bilateraler Nasenausfluss, Würgen, fütterungsassoziiertes Husten, Hypersalivation, eine gestreckte Kopf-Hals-Haltung oder auch palpierbare Umfangsvermehrungen der linken Halsseite durch Futteransammlungen innerhalb des Ösophagus auftreten. Bei Dysphagien aller Art oder auch Obturationen des Ösophagus, unabhängig von der primären Ursache, muss man vor allem an respiratorische Folgeerkrankungen wie eine Aspirationspneumonie bis hin zu Mediastinitis oder Pleuritis denken. In diesen Fällen sollte die Diagnostik zum Ausschluss oder der Bestätigung weiterer Erkrankungen je nach Indikation erweitert werden (bspw. Röntgenuntersuchung des Thorax, labormedizinische Untersuchungen).
Therapie
Die Therapie von Ösophaguserkrankungen richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und umfasst sowohl konservative als auch chirurgische Maßnahmen. Zu den konservativen Therapieansätzen gehören eine temporäre Nahrungskarenz zur Entlastung des Ösophagus, die Spülung des Ösophagus bei Obturationen sowie die Sondenfütterung bei länger andauernden Schluckstörungen. Die Behandlung von Komplikationen wie der Aspirationspneumonie erfolgt durch systemische Antibiotikatherapie und supportive Maßnahmen. Bei entzündlichen Prozessen kommen zusätzlich Antiphlogistika zum Einsatz.
Prognose
Die Prognose bei Ösophaguserkrankungen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind die Dauer der Erkrankung, das Vorliegen einer Aspirationspneumonie, die Rezidivneigung sowie die Art der Grunderkrankung. Einfache Obturationen haben bei rechtzeitiger Behandlung eine gute Prognose, während strukturelle Veränderungen wie Strikturen oder Divertikel oft mit einer vorsichtigen bis ungünstigen Prognose verbunden sind. Das Auftreten von Komplikationen wie Aspirationspneumonie oder Mediastinitis verschlechtert die Prognose erheblich. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind daher für den Behandlungserfolg entscheidend.
Literatur
- Brehm et al., Handbuch Pferdepraxis, 4. Aufl., Enke Verlag, 2016
- Gehlen, Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd, 1. Aufl., Enke Verlag, 2017
- Liebich, Funktionelle Histologie der Haussäugetiere und Vögel: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis, 5. Aufl., Schattauer, 2009