Ösophagusdivertikel (Pferd)
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Definition
Beschreibt eine fokale Aussackung der Oesophaguswand, die in der Größe sehr variabel ausfallen kann.
Ätiologie
Meistens handelt es sich hierbei um eine traumatisch erworbene Erkrankung, in deren Folge es zu Nekrosen oder Perforationen des Ösophagus kommt, aus denen sich das Divertikel entwickelt. Allerdings ist auch ein kongenitales Auftreten möglich. Am häufigsten sind der orale (kurz vor der Apertura thoracis cranialis) oder der aborale Ösophagus unmittelbar vor dem Mageneingang (Kardia) betroffen. Unterschieden werden sogenannte Traktionsdivertikel, bei der sich der muskuläre Schlauch in Gänze erweitert und pathohistologisch alle physiologischen Schichten im Bereich des Divertikels erkennbar sind. Meist liegen dieser Pathogenese narbige Verwachsungen der serosalen Seite und eine daraus resultierende Retraktion des Ösophagus zugrunde. Im Gegensatz dazu kommt es beim Pulsionsdivertikel zu einem Durchtritt der Mukosa durch lokal geschädigte Ösophagusmuskulatur. Während des Schluckvorgangs und dem währenddessen erhöhten intraluminalen Druck, wölben sich die verbleibenden Schichten durch diese Pforte hindurch. Die Tunica muscularis ist in diesem Divertikel-Bereich histologisch nicht nachweisbar. Durch die Akkumulation von Futter kann es bei beiden Formen des Divertikels zu nekrotischen und gangränösen Veränderungen kommen, die im schlimmsten Fall wiederum bis zur Perforation des Oesophagus führen können.
Symptome
In der Regel besteht anamnestisch eine Neigung zu wiederholten Schlundverstopfungen bei diesen Patienten. Es können auch intermittierende Schwellungen der linken Halsseite beobachtet werden. Bei manchen Patienten treten zudem Husten oder andere respiratorische Symptome aufgrund von lokaler Kompression der Trachea auf, v.a. wenn es sich um recht große Divertikel handelt.
Diagnostik
Um diese Erkrankung zu diagnostizieren, können eine Endoskopie des Ösophagus sowie eine Röntgenuntersuchung des Halses durchgeführt werden. Als Kontrastmittel kann bei der seitlichen Röntgenaufnahme entweder Luft oder mittels Nasenschlundsonde eingegebenes Kontrastmittel zur Auswertung herangezogen werden.
Therapie
Grundsätzlich ist eine Anpassung des Fütterungsmanagements erforderlich, damit betroffene Pferde ihren täglichen Nährstoffbedarf über mehrere kleine Portionen decken können. Auf diese Weise lässt sich eine übermäßige Ansammlung von Futter im Divertikel vermeiden, wie sie bei der Aufnahme größerer Futtermengen auftreten kann. Bei Divertikeln im kranialen Abschnitt des Ösophagus sowie bei weiteren ausgewählten Indikationen kann alternativ eine chirurgische Therapie in Betracht gezogen werden. Hierbei werden in der Regel und je nach Fall die Reposition vorgefallener Strukturen oder die vollständige Entfernung mit Rekonstruktion des Ösophagus angestrebt.
Prognose
Bei kleinen Divertikeln und solchen, die je nach Indikation chirurgisch gut zugänglich sind, ist die Prognose meist als eher günstig zu bewerten. Bei großen und aufgrund der anatomischen Lage nur schwer oder gar nicht zugänglichen Divertikeln, kann die Prognose durchaus schlechter sein.
Quellen
- Baumgärtner, W. & Gruber, A. D. (Hrsg.) (2020). Spezielle Pathologie für die Tiermedizin. 2. Aufl., Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
- Brehm, W., Gehlen, H., Ohnesorge, B. und Wehrend, A. (Hrsg.) (2016) Handbuch Pferdepraxis. 4. Aufl. Stuttgart: Enke Verlag.
- Reed, S. M., Bayly, W. M. und Sellon, D. C. (2017) Equine Internal Medicine. 4th revised ed. Philadelphia: Saunders (Elsevier).