Ösophagusdivertikel (Pferd)
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LoslegenEnglisch: esophageal diverticulum (horse)
Definition
Das Ösophagusdivertikel beschreibt eine fokale Aussackung der Ösophaguswand, die in der Größe sehr variabel ausfallen kann.
Ätiologie
Meistens handelt es sich bei einem Ösophagusdivertikel um eine traumatisch erworbene Erkrankung, in deren Folge es zu Wandverletzungen, Narbenbildungen, Nekrosen oder Perforationen des Ösophagus kommen kann, die mit der Entstehung eines Divertikels assoziiert sein können. Allerdings ist auch ein kongenitales Auftreten möglich. Am häufigsten ist der distale zervikale Ösophagus (kurz vor der Apertura thoracis cranialis) betroffen, seltener findet sich eine Lokalisation im aboralen Ösophagus unmittelbar vor dem Mageneingang.[1]
Einteilung
Unterschieden werden sogenannte Traktionsdivertikel, bei denen alle Wandschichten der Ösophaguswand an der Divertikelbildung beteiligt sind. Meist liegen dieser Pathogenese narbige periösophageale Verwachsungen und eine daraus resultierende Retraktion des Ösophagus zugrunde.
Im Gegensatz dazu kommt es beim Pulsionsdivertikel unter erhöhtem intraluminalem Druck zu einer Ausstülpung von Mukosa und Submukosa durch eine lokale Schwachstelle der Tunica muscularis. Durch die Akkumulation von Futter kann es bei beiden Formen des Divertikels zu nekrotischen und gangränösen Veränderungen kommen, die im schlimmsten Fall wiederum bis zur Perforation des Ösophagus führen können.
Symptome
In der Regel besteht anamnestisch eine Neigung zu wiederholten Schlundverstopfungen. Es können auch intermittierende Schwellungen der linken Halsseite beobachtet werden, da der Ösophagus beim Pferd im zervikalen Bereich linksseitig verläuft. Bei manchen Pferden treten zudem Husten oder andere respiratorische Symptome aufgrund von lokaler Kompression der Trachea auf, v.a. wenn es sich um große Divertikel handelt.
Komplikationen
Bei anhaltender Futterretention im Divertikel können nekrotische und gangränöse Wandveränderungen bis hin zur Perforation des Ösophagus auftreten. Eine klinisch bedeutsame Komplikation chronisch-rezidivierender Schlundverstopfungen ist die Aspirationspneumonie, die durch Regurgitation und Inhalation von Futterbestandteilen entsteht.
Diagnostik
Um das Ösophagusdivertikel zu diagnostizieren, werden eine Endoskopie des Ösophagus sowie eine Röntgenuntersuchung des Halses durchgeführt. Als Kontrastmittel kann bei der seitlichen Röntgenaufnahme entweder Luft oder mittels Nasenschlundsonde eingegebenes Kontrastmittel zur Auswertung herangezogen werden. Ergänzend kann im zervikalen Bereich eine Sonographie des Ösophagus durchgeführt werden, die insbesondere bei oberflächlich gelegenen Divertikeln wertvolle Informationen liefert.
Differentialdiagnosen
- Schlundverstopfung (primär, ohne strukturelle Wandveränderung)
- Megaösophagus
- Ösophagusstenose
- Periösophageale Raumforderung mit extraluminaler Kompression
Therapie
Grundsätzlich ist eine Anpassung des Fütterungsmanagements erforderlich, damit betroffene Pferde ihren täglichen Nährstoffbedarf über mehrere kleine Portionen decken können. Auf diese Weise lässt sich eine übermäßige Ansammlung von Futter im Divertikel vermeiden, wie sie bei der Aufnahme größerer Futtermengen auftreten kann. Bei akuter Futterretention kann eine Spülung des Divertikels über eine Nasenschlundsonde zur Entleerung beitragen.
Bei Divertikeln im kranialen Abschnitt des Ösophagus sowie bei weiteren ausgewählten Indikationen kann alternativ eine chirurgische Therapie in Betracht gezogen werden. Hierbei werden in der Regel und je nach Fall verschiedene chirurgische Verfahren zur Korrektur, Rekonstruktion oder Resektion des Divertikels verwendet. Als mögliche postoperative Komplikationen sind Ösophagusfisteln und Strikturen zu beachten.
Prognose
Bei kleinen Divertikeln und solchen, die je nach Indikation chirurgisch gut zugänglich sind, ist die Prognose meist als eher günstig zu bewerten. Bei großen und aufgrund der anatomischen Lage nur schwer oder gar nicht zugänglichen Divertikeln kann die Prognose durchaus schlechter sein.
Quellen
- ↑ Murray und Gaughan, Pulsion diverticulum of the cranial cervical esophagus in a horse, Can Vet J, 1993
Literatur
- Baumgärtner und Gruber, Spezielle Pathologie für die Tiermedizin, 2. Auflage, Thieme, 2020
- Brehm et al., Handbuch Pferdepraxis, 4. Auflage, Enke, 2016
- Reed et al., Equine Internal Medicine, 4. Auflage, Saunders (Elsevier), 2017