Kardiaspasmus (Pferd)
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LoslegenDefinition
Der Kardiaspasmus ist ein spastischer Verschluss des aboralen Abschnitts des Ösophagus unmittelbar vor dem Mageneingang beziehungsweise im Bereich der Kardia. Diese selten auftretende Erkrankung betrifft überwiegend Fohlen und führt infolge der gestörten Passage des Nahrungsbreis zu einer proximal gelegenen Erweiterung und Dilatation des Ösophagus. Bei länger bestehender Funktionsstörung kann sich daraus ein ausgeprägter Megaösophagus entwickeln.
Ätiologie
Ursächlich liegt eine Funktionsstörung des Ösophagus vor, bei der sich die Kardia beziehungsweise der untere Ösophagussphinkter während des Schluckaktes nicht ausreichend relaxiert und somit nicht adäquat für den ankommenden Nahrungsbrei öffnet. Auch grundlegende neuromuskuläre Veränderungen können zur Ausbildung dieser Erkrankung führen. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Ösophagusachalasie verwendet, der eine gestörte Entleerung des Ösophagus infolge einer ausbleibenden Relaxation des unteren Ösophagussphinkters beschreibt. Eine echte Ösophagusachalasie tritt in der Veterinärmedizin nur selten als Einzelfall oder im Zusammenhang mit kongenitalen beziehungsweise sekundären Erkrankungen auf, wohingegen diese Erkrankung in der Humanmedizin die häufigste primäre Motilitätsstörung des Ösophagus darstellt.[1][2]
Einteilung
Es werden sowohl kongenitale als auch erworbene Formen beschrieben, wobei Letztere laut Literatur durch Stressoren in den ersten Lebenstagen bis -wochen begünstigt werden können. Bei kongenital betroffenen Pferden sollte aufgrund der vermuteten erblichen Komponente von einem Zuchteinsatz abgesehen werden, sofern die Tiere das Erwachsenenalter erreichen.
In einem Case Report wurde eine Ösophagusachalasie bei einem vier Monate alten Quarter-Horse-Fohlen beschrieben, das aufgrund von Abmagerung, rezidivierenden Kolikepisoden, Hypersalivation und einer Aspirationspneumonie vorstellig wurde. Histopathologisch wurden degenerative Veränderungen des myenterischen Plexus sowie ausgeprägte Läsionen der Ösophagusmuskulatur nachgewiesen.[3]
Symptome
Bei Saugfohlen entwickelt sich nach der Nahrungsaufnahme infolge der Ansammlung von Milch und abgeschluckter Luft eine weiche, teilweise fluktuierende Umfangsvermehrung in der linken Drosselrinne. Bei ausgeprägten Dilatationen kann sich diese Schwellung bis zum Unterkieferwinkel ausdehnen. Die Entleerung des Ösophagusinhalts in den Magen erfolgt verzögert und ist häufig unvollständig. Bei tiefer Kopf-Hals-Haltung kann zudem milchiger, mit Speichel vermischter Ausfluss aus den Nüstern auftreten. Weitere Symptome können Dysphagie, Regurgitation oder Hypersalivation sein. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Aspirationspneumonie, die die Prognose erheblich verschlechtert. Aufgrund der eingeschränkten Aufnahme von Futter und Wasser entwickeln die betroffenen Fohlen häufig eine klinisch manifeste Dehydratation. Bei längerem Krankheitsverlauf kann es zudem zu einem reduzierten Ernährungszustand bis hin zur Kachexie kommen.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst neben einer ausführlichen Anamnese insbesondere die klinische Untersuchung, die Sondierung des Ösophagus mittels Nasenschlundsonde sowie eine röntgenologische Untersuchung der Halsregion. Bei betroffenen Fohlen stößt eine eingeführte Nasenschlundsonde auf Höhe der Kardia auf einen mechanischen Widerstand. Im Rahmen einer nativen Röntgenuntersuchung oder nach Verabreichung eines geeigneten Kontrastmittels zur dynamischen Beurteilung der ösophagealen Motilität lassen sich Dilatationen des Ösophagus zuverlässig darstellen. Ergänzend ermöglicht eine endoskopische Untersuchung die Beurteilung der ösophagealen Motilität sowie der Morphologie und Beschaffenheit der Aussackungen. In der erwähnten Fallbeschreibung wurde die Diagnose mithilfe einer Kontrastfluoroskopie gestellt. Hierbei wurden eine gestörte Motilität des distalen Ösophagus mit verzögerter Passage des Futterbreis, gastroösophagealer Reflux sowie eine funktionelle Obstruktion im Bereich des unteren Ösophagussphinkters nachgewiesen.[3]
Differentialdiagnosen
Abzugrenzen sind insbesondere der akute, meist spontan reversible Ösophagospasmus, die Schlundverstopfung sowie ein primärer, nicht kardiabedingter Megaösophagus.
Therapie
Bei postnatal erworbenen Formen wird meist eine Therapie mit Spasmoanalgetika durchgeführt. Das Weiten der Kardia mittels Gummisonden sowie Ballonkathetern kann versucht werden. Des Weiteren müssen auftretende Begleiterkrankungen wie eine Aspirationspneumonie oder Flüssigkeitsverluste entsprechend behandelt werden.
Cave: Die mechanische Dilatation birgt ein relevantes Perforationsrisiko mit Gefahr einer Mediastinitis; der Besitzer ist entsprechend aufzuklären, und spezifisch für das Pferd dimensionierte Instrumente sind nur eingeschränkt verfügbar.
Prognose
Die Prognose ist generell als vorsichtig zu bewerten, bei Auftreten von schweren Aspirationspneumonien verschlechtert sich diese.
Quellen
- ↑ Boria et al., Esophageal achalasia and secondary megaesophagus in a dog, Can Vet J, 2003
- ↑ Pesce et al., Modern Achalasia: Diagnosis, Classification, and Treatment, J Neurogastroenterol Motil, 2023
- ↑ 3,0 3,1 Alvarado Soto et al., Caudal esophageal achalasia in a Quarter Horse colt, J Vet Intern Med, 2026
Literatur
- Brehm et al., Handbuch Pferdepraxis, 4. Auflage, Enke Verlag, 2016
- Reed et al., Equine Internal Medicine, 4th revised edition, Saunders (Elsevier), 2017