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Togavirus-Infektion (Geflügel)

Synonym: Togavirusinfektion

1 Definition

Als Togavirus-Infektionen fasst man verschiedene Infektionskrankheiten beim Geflügel zusammen, die durch Vertreter des Genus Alphavirus verursacht werden.

2 Ätiologie

Alphaviren sind unbehüllte und kugelförmige Viren mit einem Durchmesser von 65 bis 70 nm. Sie weisen eine einzelsträngige RNA positiver Polarität und ein ikosaedrisches Kapsid auf. Die Virushülle besitzt 80 Spikes, wobei jedes Spike ein Trimer aus E1- und E2-Proteinen ist.

Beim Geflügel kommen folgende Vertreter aus der Familie der Togaviridae vor:

3 Epidemiologie

Die Erreger werden vorwiegend durch stechend-saugende Mücken in feucht-warmen Gegenden, z.B. in der Nähe von Süßwassersümpfen in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, übertragen. Aufgrund des Übertragungsmodus werden die Viren daher auch zur Gruppe der Arboviren (Arthropode-borne Virus) gezählt. Eine Verbreitung ist auch durch Milben, Läuse und andere Insekten möglich.

Neben Wildvögeln, die das natürliche Reservoir darstellen, sind auch viele Nutzgeflügelarten wie Huhn, Pute, Fasan, Taube, Wachtel und Enten für die Viren empfänglich.

4 Pathogenese

Infektionen finden vor allem durch Mückenstiche statt. Die Vektoren können lebenslang infiziert bleiben und übertragen bereits 1 bis 2 Wochen nach der infizierenden Blutmahlzeit die Viren mit ihrem Speichel.

Gleichzeitig können die Erreger auch vertikal (z.B. über Sperma) sowie horizontal (z.B. durch gegenseitiges Bepicken) zwischen den Tieren übertragen werden.

5 Klinik

Die klinischen Symptome sowie die Schwere der Erkrankung hängen maßgeblich vom beteiligten Erreger ab. Während eine Infektion mit dem Eastern-Equine-Encephalomyelitis-Virus zu schwersten Symptomen und Läsionen führt, verlaufen Erkrankungen durch das Western-Equine-Encephalomyelitis-Virus sowie das Highlands-J-Virus vergleichsweise mild.

Bei Puten kommt es zu einem Abfall der Legeleistung sowie zu veränderten und dünnschaligen Eiern. Innerhalb einer Herde leiden vereinzelte Tiere an Mattigkeit, gesträubtem Gefieder und Durchfall. Später entwickeln sich häufig (v.a. bei Puten und Pekingenten) zentralnervöse Symptome und Lähmungen. Bei Ringfasanen wird oftmals eine Mortalität bis zu 75 % beobachtet.

6 Pathohistologie

Während einige Vogelspezies keine Auffälligkeiten zeigen (z.B. Fasan), werden bei anderen (v.a. bei Puten und Hühnern) Schäden an den inneren Organen beobachtet. Hierbei kommt es zu Nekrosen in der Milz, im Pankreas, in der Leber, am Herzen sowie in lymphoiden Organen.

Im histologischen Schnittbild lassen sich im Gehirn eine herdförmige Meningitis, im Rückenmark eine Vaskulitis und in den peripheren Nerven Mikrogliosen und Neurodegenerationen nachweisen.

7 Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann bereits anhand der klinischen Symptome und der geografischen Herkunft der betroffenen Tiere ausgesprochen werden. Zur Diagnosesicherung sind Gehirn-, aber auch Leber-, Milz- und Herzproben zu verwenden. In der virämischen Phase eignet sich auch Serum.

Eine Erregeranzucht ist in 9 bis 14 Tage alten embryonierten Hühnereiern und nach Inokulation über die Amnionhöhle möglich. Nach 18 bis 72 Stunden weisen die abgestorbenen Embryonen multiple Hämorrhagien auf. Alternativ lassen sich die Viren auch in Zellkulturen (z.B. Hühnerembryofibroblasten) anzüchten. Die infizierten Zellen zeigen zytoplasmatische Vakuolen und es kommt zu einem aus Synzytien und abgerundeten Zellen bestehenden zytopathischen Effekt.

Außerdem stehen unterschiedliche RT-PCR- sowie ELISA-Systeme zur Verfügung. Zudem kann eine Differenzierung der unterschiedlichen Erreger auch durch einen Virusneutralisationstest in Zell- oder Eikulturen erfolgen.

8 Therapie

Eine Kausaltherapie ist nicht verfügbar. Die Prophylaxe orientiert sich daher an strikten Bekämpfungsmaßnahmen, um die Mückenpopulationen zu verringern (z.B. Veränderung des Lebensraums, chemische Spraybehandlungen u.ä.).

9 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 19. August 2021 um 13:00 Uhr bearbeitet.

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