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Leber (Geflügel)

Synonym: Hepar
Englisch: liver

1 Definition

Die Leber des Geflügels ist ein zentrales Stoffwechselorgan. Es ähnelt in Funktion als auch Morphologie stark der Leber der Haussäugetiere.

2 Anatomie

Vögel haben vergleichsweise eine relativ große Leber, die in den Leberbauchfellsäcken eingebettet ist. Sie liegt großflächig dem Brustbein (Sternum) und den Rippen (Costae) auf und tritt beim Eröffnen des Abdomens als erstes Organ in Erscheinung.

2.1 Größe und Gewicht

Die Größe, Farbe und Konsistenz der Leber variiert stark nach Vogelart, Alter und dem jeweiligen Ernährungszustand:

Die Farbe der Leber ist beim Schlüpfen des Kükens gelb (Dotterpigment). Ab der zweiten Lebenswoche wechselt die Farbe, sodass das Organ braunrot erscheint. Beim ausgewachsenen Tier zeigt die Leber eine rotbraune bis hellbraune Farbe, wobei sie bei Masttieren (Fettleber) lehmgelb bis weißlich erscheinen kann. Die Konsistenz der Leber ist beim Huhn und bei der Taube auffallend weich. Die Leber der Gans und Ente ist vergleichsweise fest und brüchig.

2.2 Morphologie

Die Leber wird durch eine seichte Incisura interlobaris cranialis und eine tiefe Incisura interlobaris caudalis in zwei Lappen gegliedert:

  • Lobus hepatis sinister
  • Lobus hepatis dexter

Beide Lappen sind durch eine zentral ausgebildete Parenchymbrücke miteinander verbunden. Der Leberrand (Margo hepaticus) kann beim Vogel am rechten und am linken Lappen in je einen dorsalen, ventralen, kranialen und kaudalen Abschnitt unterteilt werden:

  • Margo dorsalis
  • Margo ventralis
  • Margo cranialis
  • Margo caudalis

An jedem Leberlappen kann kaudal der Leberpforte (Porta hepatis) ein hügelartig vorspringender Processus intermedius dexter (Gans, Ente) bzw. Processus intermedius sinister (Huhn, Truthuhn, Gans, Ente) vorgefunden werden. Auf ähnliche Weise erhebt sich kranial der Leberpforte ein Processus papillaris (außer bei der Taube). Einige Vogelarten zeigen zusätzlich noch weitere Untergliederungen der einzelnen Leberlappen.

Bei den Hausvögeln (Huhn, Truthuhn) ist der linke Leberlappen durch einen im Margo caudalis gelegenen tiefen Einschnitt (Incisura lobaris) in zwei Teile untergliedert:

  • Pars caudodorsalis
  • Pars caudoventralis

3 Gefäßversorgung

Die Porta hepatis gleicht einer querverlaufenden Rinne, an deren beiden Enden jeweils zuleitende Gefäße eintreten:

Beide Arterien entstammen dem Ramus sinister bzw. Ramus dexter der Arteria coeliaca. Innerhalb der Leber stehen beide Leberarterien über einen Ramus communicans in direktem Kontakt miteinander. Gleichzeitig führen zwei Leberpfortadern venöses Blut aus dem Magen- und Darmbereich der Leber zu:

Die Vena portalis hepatica dextra ist die größere der beiden Leberpfortadern. Zu ihren tributären Zuflüssen gehören die Venae mesenteria cranialis et caudalis, die Vena proventriculosplenica und die Vena pancreaticoduodenalis. Die Vena portalis hepatica sinistra bekommt Zufluss aus den Venae proventriculares und den Venae gastricae.

Anmerkung: Da es bei Vögeln neben dem Leberpfortaderkreislauf zusätzlich noch renale und adrenale Pfortadersysteme gibt, muss an dieser Stelle zum Terminus "Vena portalis" noch die Bezeichnung "hepatica" hinzugefügt werden.

Das ableitende Gefäßsystem der Leber mündet in die Vena cava caudalis und besteht aus

Beim Huhn können zusätzlich noch akzessorische Lebervenen (Venae hapaticae accessoriae) für die venöse Drainage aus der unmittelbaren Umgebung ausgebildet sein. Alle Lebervenen nehmen gemeinsam über etliche Segmentäste das Blut aus den Venae centrales auf.

4 Topographie

Die Leber liegt mit der konvexen Parietalfläche (Facies parietalis) dem Brustbein und den Rippen auf. Bei der Ente und auch bei der Gans kann der rechte Leberlappen nach kaudal bis an die Bauchdecke reichen. Kopfwärts grenzt die Leber an das Herz bzw. den Herzbeutel, sodass die Herzspitze (Apex cordis) vom scharfrandigen Margo cranialis umfasst wird. Auf diese Weise entsteht zwischen beiden Leberlappen eine tiefe Impressio cardiaca.

Kraniodorsal grenzt die Leber an die Lunge, wobei der Drüsenmagen zwischen diesen beiden Organen linksseitig auf die konkave Viszeralfläche (Facies visceralis) der Leber vortritt und dabei eine Impressio proventricularis hinterlässt. Links-kaudal davon schließt sich der Abdruck des Muskelmagens an (Impressio ventricularis).

Über der Pars interlobaris befindet sich die Milz, die an der Leber ebenfalls einen Abdruck (Impressio splenalis) erzeugt. An der Facies visceralis können auf der rechten Organseite Eindrücke vom kranialen Duodenum (Impressio dudenalis) ausgebildet sein, die in Form von zwei deutlichen Rinnen (Pars ascendens und descendens duodeni) in Erscheinung treten. Bei der Gans und auch bei der Taube hinterlassen Jejunumschlingen zusätzliche Abdrücke (Impressio jejunales) an der Leber. Beim männlichen Vogel kann der Kaudalrand des rechten Hodens eine Impressio testicularis verursachen.

5 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band V: Geflügel. Parey, 2004.

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