Senaparib
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LoslegenHandelsname: Sepalna®
Englisch: senaparib
Definition
Senaparib ist ein PARP-Inhibitor, der als Erhaltungstherapie nach platinhaltiger Erstlinienchemotherapie beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom, Tubenkarzinom und primären Peritonealkarzinom eingesetzt wird.[1]
Chemie
Senaparib ist ein Chinazolin-2,4-dion-Derivat mit einem über eine Carbonylgruppe verknüpften Pyrimidinyl-Piperazin-Rest. Die Summenformel lautet C24H20F2N6O3, die molare Masse beträgt 478,5 g/mol.
Wirkmechanismus
Senaparib hemmt selektiv die Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen PARP1 und PARP2. Diese Enzyme erkennen Einzelstrangbrüche der DNA und leiten deren Reparatur über die Basenexzisionsreparatur ein. Durch die Blockade des aktiven Zentrums verbleibt das Enzym an der DNA fixiert ("PARP-Trapping"). Trifft die Replikationsgabel auf diesen Komplex, entsteht ein Doppelstrangbruch.
Tumorzellen mit Defekten der homologen Rekombination (z.B. bei Mutationen von BRCA1 oder BRCA2) können diese Doppelstrangbrüche nicht fehlerfrei reparieren. Die zunehmende genomische Instabilität führt zur Apoptose der Tumorzelle, während Zellen mit intakter DNA-Reparatur weitgehend verschont bleiben.[2]
In präklinischen Tumormodellen war Senaparib etwa 20-fach potenter als Olaparib. Die hohe Selektivität gegenüber anderen Mitgliedern der PARP-Familie soll Off-Target-Effekte begrenzen.[3]
Pharmakokinetik
Senaparib wird nach oraler Gabe rasch resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach 0,5 bis 6 Stunden erreicht, die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen 5,1 und 24,3 Stunden. Die Exposition steigt im Bereich von 2 bis 80 mg annähernd dosisproportional an und erreicht bei 80 bis 120 mg ein Plateau, was auf eine Sättigung der Resorption hinweist..[3]
Eine fettreiche Mahlzeit verzögert die Resorption um etwa 3 Stunden und senkt die maximale Plasmakonzentration um rund 24 %, während die Gesamtexposition leicht ansteigt. Die Unterschiede gelten als klinisch nicht relevant.[4] Senaparib wird überwiegend durch CYP3A4 metabolisiert.[5]
Indikationen
- Erhaltungstherapie erwachsener Patientinnen mit fortgeschrittenem (FIGO-Stadium III und IV) high-grade epithelialem Ovarial-, Tuben- oder primärem Peritonealkarzinom, die auf eine platinhaltige Erstlinienchemotherapie vollständig oder partiell angesprochen haben.[6]
Weitere Anwendungsgebiete – z.B. das kleinzellige Bronchialkarzinom, das Prostatakarzinom und die Kombination mit Temozolomid – werden derzeit (2026) in klinischen Studien untersucht.[7]
Darreichungsformen
Senaparib wird als Hartkapsel zum Einnehmen angeboten. In China stehen Stärken zu 10 mg und 20 mg zur Verfügung, für den europäischen Markt ist eine Kapsel zu 20 mg vorgesehen.[6]
Dosierung
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 100 mg einmal täglich. Zur Beherrschung von Nebenwirkungen kann die Dosis in bis zu drei Schritten auf 80 mg, 60 mg und 40 mg täglich reduziert werden. Die Behandlung wird bis zu einer Dauer von zwei Jahren bzw. bis zur Progression oder inakzeptabler Toxizität fortgeführt.[1][8]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Im Vordergrund stehen die hämatologischen Klasseneffekte der PARP-Inhibitoren. Häufige unerwünschte Wirkungen sind:
- Anämie
- Leukopenie
- Neutropenie
- Thrombozytopenie
- Lymphopenie
- Übelkeit und Erbrechen
- Diarrhoe
- Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Fatigue
- Transaminasenerhöhung, Anstieg der Gamma-Glutamyltransferase, Hyperbilirubinämie
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Arthralgie
- Hämaturie
- Infektionen der oberen Atemwege[6]
In der Phase-III-Studie FLAMES traten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher bei 66 % der mit Senaparib behandelten Patientinnen auf, gegenüber 20 % unter Placebo. Am häufigsten waren Anämie, Thrombozytopenie und Neutropenie.[1]
Unter PARP-Inhibitoren wurde ein erhöhtes Risiko für sekundäre myelodysplastische Syndrome und akute myeloische Leukämien beschrieben. Anhaltende Zytopenien erfordern eine hämatologische Abklärung.[3]
Wechselwirkungen
Starke CYP3A4-Inhibitoren erhöhen die Exposition gegenüber Senaparib deutlich. Unter Itraconazol stieg die maximale Plasmakonzentration um etwa 79 %, die AUC um das 2,8-Fache. Umgekehrt senkte der Induktor Rifampicin die maximale Plasmakonzentration um rund 59 % und die AUC um 83 %. Die gleichzeitige Gabe starker CYP3A4-Inhibitoren oder -Induktoren muss daher vermieden werden.[5]
Kontraindikationen
Kontraindiziert ist Senaparib bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Aufgrund des genotoxischen Wirkprinzips darf die Substanz in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Während der Therapie ist eine zuverlässige Kontrazeption erforderlich. Das Stillen ist zu unterlassen.[6]
Zulassung
Senaparib wurde 2025 von der chinesischen Arzneimittelbehörde zugelassen.[1] In der Europäischen Union hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur am 17.09.2026 ein positives Gutachten für Senaparib abgegeben. Die abschließende Entscheidung der Europäischen Kommission steht derzeit (10/2026) noch aus.[6]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Wu X et al. Senaparib as first-line maintenance therapy in advanced ovarian cancer: a randomized phase 3 trial. Nat Med. 2024;30(6):1612-1621.
- ↑ Cai SX et al. The Discovery of a Potent PARP1 Inhibitor Senaparib. Mol Cancer Ther. 2025;24(1):47-55.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Cao J et al. Safety, Tolerability, and Pharmacokinetics of Senaparib, a Novel PARP1/2 Inhibitor, in Chinese Patients With Advanced Solid Tumors: A Phase I Trial. Oncologist. 2023;28(12):e1259-e1267.
- ↑ Meng X et al. Effect of Food on the Pharmacokinetics of Senaparib (IMP4297) in Healthy Chinese Subjects. Clin Drug Investig. 2022;42(11):1009-1016.
- ↑ 5,0 5,1 Hu X et al. Effect of a strong CYP3A4 inhibitor and inducer on the pharmacokinetics of senaparib (IMP4297) in healthy volunteers: A drug-drug interaction study. Br J Clin Pharmacol. 2023;89(6):1767-1779.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 European Medicines Agency: Sepalna (senaparib). Zusammenfassung des positiven CHMP-Gutachtens vom 17.09.2026.
- ↑ Lee A. Senaparib: First Approval. Drugs. 2025;85(11):1473-1477.
- ↑ Wu X et al. A PBPK-VBE approach for bioequivalence extrapolation of senaparib capsule strengths in the context of nonlinear pharmacokinetics. Front Pharmacol. 2026;17:1918344.