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BRCA1

Synonyme: Brustkrebsgen 1, BRCA1-Gen
Englisch: BReast CAncer 1

1 Definition

BRCA1 ist ein im Erbgut des Menschen vorkommendes Gen, das zur Gruppe der Tumorsuppressorgene gezählt wird. Es kodiert für Proteine, die in zahlreichen Zellen Reparaturen an beschädigten DNA-Fragmenten vornehmen. Eine Mutation des BRCA1-Gens erhöht das Risiko des Auftretens von malignen Tumoren.

2 Lokalisation

BRCA1 befindet sich auf Chromosom 17 (langer Arm). Es ist Teil des Genlocus q21.31. Es kodiert für hinsichtlich der Ausbildung des Mammakarzinoms schützende Proteine, wobei davon 10 Isoformen transkribiert werden können.

3 Funktion

BRCA1 kodiert für ein Polypeptid mit einer Länge von 1.863 Aminosäuren. Es existieren 10 verschiedene Strukturisomere dieses Proteins. Seine Funktion entfaltet das Makromolekül innerhalb des Zellkernes vieler Zelltypen. Dort tritt es in eine Interaktion mit anderen Proteinen ein - dabei handelt es sich um ein Eiweiß mit dem Namen RAD51. Zum anderen erfolgt eine gemeinsame Wirkung mit dem Protein, welches auf dem BRCA2-Gen kodiert ist. Diese drei Polypeptide beheben gemeinsam Strangbrüche in der DNA, die z.B. durch Toxine oder auch ionisierende Strahlung hervorgerufen werden. Auch bei einer unsauber abgelaufenen Mitose kann es zu Schäden der DNA kommen, die durch die Proteine repariert werden.

4 Pathologie

Liegt eine Mutation des BRCA1-Gens vor, so hat dies weitreichende Konsequenzen für die Tumorsuppression im Organismus. Die DNA-Reparatur läuft nicht mehr effektiv ab und DNA-Schäden werden weiter repliziert. Die Gefahr einer Entartung steigt signifikant. Mindestens 10% aller Fälle von Brustkrebs werden einer Mutation von BRCA1 zugeschrieben. Aber auch andere Tumorerkrankungen werden durch einen Schaden des Gens begünstigt. Hierzu gehören:

5 Gendiagnostik

In bestimmten Fällen ist es angezeigt, Frauen auf das Vorliegen einer Mutation des BRCA1-Gens zu testen, da in diesem Fall eine engmaschigere Brustkrebs- und Ovarialkarzinomvorsorge sinnvoll ist. Unter gewissen Voraussetzungen treten die Krankenkassen für die Kosten des Gentests ein. Dazu muss mindestens einer der folgenden Punkte zutreffen:

  • mindestens eine Person in der Familie mit Brust- und Ovarialkarzinom
  • drei Frauen mit Brustkrebs innerhalb der Familie (Alter hier nicht entscheidend)
  • mindestens zwei Betroffene mit Ovarialkarzinom in der Familie
  • ein Fall von bilateralem Brustkrebs in der Familie (jünger als 41 Jahre)
  • ein Fall von einseitigem Brustkrebs in der Familie (unter 31 Jahre)
  • ein Fall mit Ovarialkarzinom vor dem 41. Lebensjahr

6 Konsequenzen

Bei einer Mutation des BRCA1-Gens sollte ein engmaschiges Screening der betroffenen Frauen erfolgen. Das intensivierte Screening umfasst z.B.:

  • die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust (monatlich)
  • die klinische Tastuntersuchung der Brust (1/2jährlich)
  • Ultraschalluntersuchung der Brust (1/2jährlich)
  • Bestimmung von Tumormarkern, z.B. CA 12-5 (1/2jährlich)
  • ggf. transvaginalen Ultraschall der Ovarien (1/2jährlich)
  • Kernspintomographie (MRT) der Brust (jährlich)
  • Mammographie ab dem 30. Lebensjahr (jährlich)

Das Screening beginnt mit dem 25. Lebensjahr oder alternativ 5 Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie.

Neben einer intensivierten Vorsorge kommen auch vorbeugende chirurgische Maßnahmen in Betracht, z.B. die prophylaktische Mastektomie. In klinischen Studien mit BRCA1-Patientinnen konnte gezeigt werden, dass Patientinnen nach bilateraler Mastektomie keinen Brustkrebs entwickelten, wohingegen die jährliche Brustkrebs-Inzidenz nicht-operierter Frauen bei 2,5% lag. Die Mastektomie ist effektiv, bietet aber keinen 100%igen Schutz vor einer Brustkrebserkrankung.

Eine weitere mögliche Maßnahme ist die prophylaktische Salpingoovarektomie. Da die Entfernung der Eierstöcke - vor allem in der reproduktiven Phase - einen erheblichen Eingriff in die körperliche Integrität darstellt, wird sie kontrovers diskutiert. Gegner der Maßnahme führen an, dass die nach der Entfernung der Eierstöcke notwendige Hormonsubstitution das Risiko birgt, ggf. andere hormonabhängige Tumore zu induzieren.

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