Mammographie
von lateinisch: mamma - weibliche Brust; griechisch: graphein - zeichnen
Synonym: Röntgenmammographie
Englisch: mammography, mastography
Definition
Die Mammographie ist ein spezielles Verfahren der Projektionsradiographie zur Darstellung der weiblichen Brust. Sie verwendet niedrigenergetische Röntgenstrahlung (Weichstrahltechnik) und eine Kompression der Brust, um kleine strukturelle Veränderungen des Gewebes mit hoher räumlicher Auflösung sichtbar zu machen.
Hintergrund
Mammographie-Befunde werden üblicherweise durch palpatorische und sonographische Untersuchungen ergänzt. Zur weiteren radiologischen Abklärung dienen die digitale Brusttomosynthese (DBT), die Mamma-MRT und in besonderen Fällen die Galaktographie oder die Mammaszintigraphie mit 99mTechnetium-Sestamibi.
Indikation
Die Mammographie ist bei Verdacht auf krankhafte Prozesse im Bereich der Brust indiziert, die sich durch andere Verfahren nicht abklären lassen.
Außerhalb dieser Indikation wird die Mammographie als Screeninginstrument im Rahmen der Brustkrebsvorsorge angewendet. In Deutschland können GKV-versicherte Frauen zwischen 50 bis 75 Jahren alle 2 Jahre eine kostenlose Mammographie in Anspruch nehmen. Sie dient der Sekundärprävention.
Ziel des Screenings ist es, die Lebenserwartung und die Lebensqualität von den an Brustkrebs-erkrankten Patienten zu verbessern, indem Karzinome frühzeitig erkannt und dadurch mit möglichst geringer Belastung therapiert werden können.
Jüngeren Frauen bringt die Vorsorge-Mammographie nach derzeitigem Wissensstand keinen Vorteil, zumal die höhere Gewebedichte der Brüste jüngerer Frauen vermehrt zu falsch positiven Befunden führt. Außerdem kommt es durch wiederholte Mammographien zu einer additiven Strahlenbelastung, die selbst karzinogen wirkt. Bei jungen Frauen ist die Mammasonographie eine gut geeignete Alternative.
Auch im Rahmen der Nachsorge wird Brustkrebspatienten empfohlen, jährlich eine Mammographie durchzuführen, um lokale und lokoregionäre Rezidive sowie Karzinome der kontralateralen Brust frühzeitig zu erkennen.
Physikalisches Prinzip
Die Mammographie verwendet im Vergleich zur konventionellen Röntgendiagnostik niedrigere Röhrenspannungen, typischerweise etwa 25-35 kV. Dadurch entstehen Röntgenphotonen geringerer Energie, die einen höheren Röntgenkontrast zwischen Fett- und Drüsengewebe ermöglichen. Die Strahlung wird meist in speziellen Mammographieröhren erzeugt, deren Anodenmaterial typischerweise aus Molybdän oder Rhodium besteht. Diese Materialien erzeugen charakteristische Röntgenstrahlung im für die Mammographie optimalen Energiebereich. Ein zentrales Element der Mammographie ist die Kompression der Brust zwischen zwei Platten. Die Kompression hat mehrere Funktionen:
- Verringerung der Brustdicke
- Reduktion der Streustrahlung
- Verbesserung des Bildkontrasts
- Verringerung der notwendigen Strahlendosis
- Reduktion von Bewegungsunschärfe
Aufnahmetechnik
In der Screening- und Diagnostikmammographie werden standardmäßig zwei Projektionen pro Brust aufgenommen:
- kraniokaudale Projektion (CC): von oben nach unten
- mediolateral-oblique Projektion (MLO): schräg von lateral oben nach medial unten
Die Kombination beider Projektionen ermöglicht eine bessere Lokalisation von Läsionen im dreidimensionalen Raum.
Aussagekraft
Die Mammographie ist das am besten validierte Verfahren zur Früherkennung von Mammakarzinomen bei asymptomatischen Frauen. Die Sensitivität liegt zwischen 77 und 95 %, die Spezifität zwischen 90 und 96 %.[1]
Die Rate an falsch-positiven Befunden liegt für Patientinnen, die regelmäßig am deutschen Screeningprogramm teilnehmen bei ca. 2,4 %.[2] Im Falle eines auffälligen Befundes in der Mammographie, steht zumeist eine ergänzende Sonographie sowie eine Vakuum- oder eine Stanzbiopsie des Befundes an nächster Stelle, um den Befund histologisch abklären zulassen.
Es wird angenommen, dass 5 % der später diagnostizierten Karzinome im Rahmen eines vorherigen Mammographiescreenings als falsch-negativ befundet wurden.[3] Durch eine hohe Dichte der Mamma können Karzinome verschleiert und somit nicht in der Mammographie erkannt werden. Weitere Gründe für falsch-negative Befunde sind Karzinome, die eine ähnliche Dichte wie das gesunde Drüsengewebe aufweisen oder mangelnde Erfahrung bzw. eine schlechte Befundung seitens des Untersuchers.
Zur Qualitätssicherung sollten speziell ausgebildete Radiologen sowie spezialisierte Pathologen für die Krebsvorsorge zuständig sein. Ärzte, welche die strengen Kriterien der EuRef-Norm für Mammographieuntersuchungen erfüllen, bekommen dafür ein Zertifikat verliehen, das jährlich erneuert werden muss.
Befundung
Die Befundung bei der Bildgebung der Brust (Mammographie, Mammasonographie, Mamma-MRT) erfolgt auf der Basis des Breast Imaging-Reporting and Data System (BI-RADS). Mit dieser Klassifikation kann der Befund 6 verschiedenen Kategorien zugeordnet werden.
Das folgende Dokumente ist eine gute Unterstützung, beinhaltet jedoch die veraltete BI-RADS Klassifikation:
Risiken
Die Strahlenexposition durch die ionisierende Strahlung ist ein nennenswertes Risiko der Mammographie, vor allem, wenn sie wiederholt durchgeführt wird. Jedoch ist das theoretische Risiko für strahleninduzierte Karzinome sehr gering. Es ist für jüngere Frauen höher als für ältere Frauen. Die mittlere Strahlendosis pro Mammographieaufnahme liegt typischerweise im Bereich von etwa 1–2 mGy pro Brust.
Psychische Aspekte
Die Mammographie ist für viele Frauen eine psychische Belastung, da sie mit einer latenten Krebsangst einhergeht. Deshalb ist vor der Untersuchung ein am Patienten orientiertes Aufklärungsgespräch notwendig. Weitere diagnostische Abklärungen sollten sich zeitnah (möglichst innerhalb einer Woche) anschließen, um den Zeitraum der Unsicherheit über die Dignität des Befundes möglichst kurz zu halten.
Literatur
- Jørgensen, Gøtzsche: Overdiagnosis in publicly organised mammography screening programmes: systematic review of incidence trends. In: BMJ 339, 2009, b2587
- K. Kerlikowske: Breast cancer screening. In: Women and Health M. B. Goldmann, M. C. Hatch (Hrsg.), New York: Academic Press, 2000, S. 895–906.
- E. A. Nekolla u. a.: Einführung eines Mammographiescreeningprogramms in Deutschland. Erwägungen zu Nutzen und Risiko. In: Radiologe 45, 2005, S. 245–254
Quellen
- ↑ Turnbull LW et al.: Comparative effectiveness of MRI in breast cancer (COMICE) trial: a randomised controlled trial. Lancet 375:563-571. DOI:10.1016/S0140- 6736(09)62070-5
- ↑ Kääb-Sanyal, V et al.: Mammographie-Screening-Programm: Hohe Prozessqualität. Dtsch Arztebl 2017; 114(14): A-680 / B-590 / C-576
- ↑ Heywang-Koebrunner S et al. (2013) Mammography Screening – as of 2013. Geburtshilfe Frauenheilkd 73:1007–1016. DOI: 10.1055/s-0033-1350880