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Herpesvirusinfektion (Hund)

Synonym: Herpesvirus-Infektion

1 Definition

Die Herpesvirusinfektion ist eine Infektionskrankheit des Hundes, die durch canine Herpesviren ausgelöst wird und allem in großen Beständen zu seuchenhaften Krankheitsverläufen führen kann.

2 Epidemiologie

Canine Herpesvirusinfektionen treten besonders in großen Hundebeständen (z.B. Hundezuchten oder Zwingern) auf, da hier die Verbreitung begünstigt wird. Spezifische Antikörper gegen das canine Herpesvirus (CHV-1) können in der Schweiz bei annähernd 100 % der Hunde aus infizierten Zwingern nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu weisen nur ca. 6 % der einzeln gehaltenen Hunde Antikörper auf. Untersuchungen aus Deutschland sowie einigen Nachbarländern ergeben eine Antikörperprävalenz von ca. 30 %.

3 Ätiologie

Das canine Herpesvirus ist ein doppelsträngiges DNA-Virus aus der Familie der Herpesviridae. Herpesviren sind in der Außenwelt labil und gegen übliche Desinfektionsmittel und Hitze empfindlich. In kalter Umgebung können die Erreger relativ lange infektiös bleiben.

4 Pathogenese

Die Infektion findet vorrangig oronasal oder während des Geschlechtsakts über die Genitalschleimhaut statt. Die Virusausscheidung erfolgt über sämtliche Sekrete (z.B. Nasen-, Maul-, Augen- und Vaginalsekret sowie Ejakulat). Nach der primären, häufig latenten Infektionsphase zieht sich das Virus in das Nervengewebe zurück, v.a. in die Trigeminusganglienzellen. Ähnlich anderer Herpesviren kann CHV-1 dort jederzeit reaktiviert werden (z.B. bei Stress, Geburt).

Welpen von nicht-immunen Hündinnen infizieren sich häufig intrauterin, während der Geburt oder horizontal durch andere bereits infizierte Welpen. Hündinnen, die bereits Antikörper gegen CHV-1 besitzen, geben diese an ihre Welpen weiter. Bei ungeschützten Welpen kommt es sonst zu einer hämatogenen Streuung der Viren in verschiedene Organe inkl. ZNS.

5 Klinik

Bei adulten Tieren verläuft eine Infektion meist inapparent oder geht nur mit leichten respiratorischen Symptomen (Beteiligung am Zwingerhusten-Komplex) einher. Bei Hündinnen kommt es nach lokaler Infektion zu Bläschenbildung oder lymphofollikulärer Hyperplasie der Vaginalschleimhaut. Bei Erstinfektionen sind Aborte, Resorption von Embryonen und Totgeburten möglich. Bei Rüden werden Entzündungen der Penisschleimhaut und des Präputiums beobachtet (Balanoposthitis).

Eine Infektion bei neugeborenen Welpen (< 3 Wochen) verläuft meistens perakut und endet tödlich. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen zeigen betroffene Welpen Saugunlust, Anorexie, schmerzhaftes Abdomen, Durchfall und Petechien. Zusätzlich werden Würgen, Erbrechen, Dyspnoe und Schreien beobachtet. Fieber fehlt in der Regel, sodass die Tiere meist hypotherm binnen weniger Tage nach Beginn der Symptome versterben. Ältere Welpen (> 3 Wochen) leiden an milderen Krankheitsverläufen. Häufig stellen sich respiratorische Symptome ein. Nach überstandener Infektion können auch zentralnervöse Symptome wie Erblindung und Taubheit bestehen bleiben.

6 Labormedizin

Die Erkrankung geht bei Welpen mit unspezifischen Blutbefunden einher, meist mit einer Thrombozytopenie und stark erhöhten ALT-Werten.

7 Differenzialdiagnosen

Bei akutem Welpensterben muss an bakterielle Infektionen (Streptokokken, Escherichia coli), Toxoplasmose und Neosporose gedacht werden.

8 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Anamnese (Alter, Hundezucht u.ä.) und der typischen Klinik.

Die Diagnosesicherung erfolgt jedoch erst post mortem bei der Sektion. Es zeigen sich disseminierte fokale Nekrosen und Blutungen in Nieren, Lungen und Leber. Zusätzlich kann ein direkter Erregernachweis durch Immunhistochemie, Virusisolation oder PCR erfolgen.

9 Therapie

Derzeit (2021) existiert keine kausale Therapie. Die Behandlung ist symptomorientiert, z.B. parenterale Flüssigkeitstherapie bei Dehydratation oder Wärmelampe bei Hypothermie.

10 Prophylaxe

Für Zuchthündinnen steht ein Impfstoff zur Verfügung, der sowohl die Hündin als auch ihre Welpen schützt. Zur Immunisierung wird eine zweimalige Impfung empfohlen:

  • 1. Impfung: 1 bis 2 Wochen vor dem Deckackt
  • 2. Impfung: ca. 1 bis 2 Wochen vor dem Geburtstermin

11 Zoonotische Bedeutung

Da CHV-1 speziesspezifisch ist, hat es keine Bedeutung für andere Tierarten sowie den Menschen.

12 Literatur

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Februar 2021 um 20:46 Uhr bearbeitet.

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