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Anagrelid

Handelsnamen: Xagrid®, Agrylin®, Thromboreductin®
Synonyme: 6,7-Dichlor-1,5-dihydroimidazo- [2,1b]chinazolin-2-on, Anagrelidum
Englisch: Anagrelide

1 Definition

Anagrelid ist ein Arzneimittel, welches in der pharmakologischen Therapie von Thrombozytosen angewendet wird. Der Wirkstoff zählt zur Gruppe der Imidazolidin-Verbindungen und verringert die Anzahl der im Knochenmark gebildeten Blutplättchen. Das wiederum führt zu einer deutlichen Verringerung der im Blut zirkulierenden Thrombozyten.

2 Thrombozytosen

Thrombozytosen, also ein Übermaß an im Knochenmark gebildeten und an die Blutbahn abgegebenen Blutplättchen, kommen bei folgenden Erkrankungen (insbesondere myeloproliferativen Erkrankungen) häufig vor:

3 Chemie

Anagrelid ist ein Zytostatikum aus der Gruppe der Imidazolidine. Seine Summenformel ist:

4 Wirkungsmechanismus

Die zunächst einmal entdeckte und postulierte Wirkung von Anagrelid war seine Fähigkeit, die Aggregation von Thrombozyten zu verringern (Thrombozytenaggregationshemmung). Spätere intensive pharmakologische Studien und Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass Anagrelid keinerlei Wirkungen auf die Thrombozyten als solches besitzt. Es reduziert lediglich deren Dichte der in der menschlichen Blutbahn. Dieses Absinken der Thrombozytenzahl erfolgt sehr rasch. Der genaue molekulare Mechanismus dieses Vorgangs ist nach wie vor nicht umfassend geklärt. Als erwiesen gilt jedoch, dass Anagrelid ein effektiver Hemmer der cAMP-Phosphodiesterase vom Typ 3 ist. Zytologische Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass der Wirkstoff in den Vorläuferzellen der Thrombozyten (Megakaryozyten) wirkt, indem es deren Reifung verlangsamt und ihre Größe und Ploidie verringert.

5 Nebenwirkungen

Während dem gesamten Zeitraum der Applikation von Anagrelid sind eine umfangreiche klinische Überwachung des Patienten in Bezug auf seine Blutwerte, der Funktion der Niere und die der Leber.

6 Vergleich mit Hydroxycarbamid

  • laut einer Studie des New England Journal of Medicine aus dem Jahr 2005 verdichten sich Hinweise, dass Anagrelid dem Hydroxycarbamid in einigen Punkten unterlegen ist
  • dabei erhielten über 800 Personen mit Thrombozythämie, bei denen aufgrund einer hohen Thrombozytenzahl (über 1 Million/µl) und weiterer Kriterien ein hohes Risiko für vaskuläre Komplikationen bestand, niedrigdosierte Acetylsalicylsäure und 75 – 100 mg entweder Anagrelid oder Hydroxycarbamid.
  • nach einer Behandlungszeit von 3 Jahren sank zwar die Thrombozytenzahl bei beiden Versuchsgruppen in vergleichbarem Maße, allerdings erlitten 14 % der Patienten aus der Anagrelid-Gruppe eine arterielle oder venöse Thrombose (oder eine Blutung), während es aus der Hydroxycarbamid Gruppe 9% waren.

Die Abbruchrate in der Gruppe mit Anagrelid war ebenfalls höher. Eine Transformation in eine Osteomyelofibrose kam ebenfalls unter Anagrelidgabe häufiger vor.

Diese Studien gilt allerdings als methodisch ungenau, weswegen weitere wissenschaftliche und pharmakologische Untersuchungen abgewartet werden sollten.

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