Paraaminobenzoesäure
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: p-Aminobenzoesäure, para-Aminobenzoesäure, p-Carboxyanilin, 4-Aminobenzoesäure
Englisch: para-aminobenzoic acid, 4-aminobenzoic acid
Definition
Die Paraaminobenzoesäure, kurz PABA, ist eine schwache organische Säure. Sie ist ein Baustein der Folsäure und wird von Bakterien, Pilzen und Pflanzen für die Folatsynthese benötigt. Da Folsäure zur Gruppe der B-Vitamine gehört, wird PABA oftmals fälschlicherweise auch den Vitaminen zugeordnet. PABA findet u.a. als Bestandteil von Kosmetika, Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln Verwendung.
Chemie
PABA ist eine aromatische Carbonsäure (Aminobenzoesäure) mit der Summenformel C7H7NO2. Die beiden Stellungsisomere sind die Anthranilsäure (2-Aminobenzoesäure) und die 3-Aminobenzoesäure. Bei Zimmertemperatur liegt die schwache Säure als geruchloser, schwach gelblicher Feststoff vor. Bei längerer Einwirkung von Luft und Licht tritt eine gelblich-rote Verfärbung ein. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 188 °C, der pKS-Wert der Carboxygruppe bei ca. 4,9. In kaltem Wasser ist PABA nur wenig löslich, in Ethanol und Ether dagegen gut.
Vorkommen
Biosynthese
Die Biosynthese erfolgt aus Chorismat, wobei Glutamin als Aminogruppen-Donor dient und Glutamat freigesetzt wird.[1] Der Stoffwechselweg findet sich bei Bakterien, Pilzen und Pflanzen, nicht jedoch beim Menschen.
Pharmakokinetik
Oral zugeführte PABA wird im Dünndarm nahezu vollständig resorbiert.[2] Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich durch die N-Acetyltransferase 1 (NAT1) in Leber und Darmmukosa zu N-Acetyl-PABA. Ein weiterer Anteil wird durch Konjugation mit Glycin zu Para-Aminohippursäure und p-Acetamidohippursäure umgesetzt.[2] Die Ausscheidung der Metaboliten erfolgt renal.
Biologische Bedeutung
PABA ist bei Bakterien das Substrat der Dihydropteroat-Synthase und damit essentiell für die Folatsynthese. Sulfonamide sind Strukturanaloga der PABA und hemmen dieses Enzym kompetitiv. Dadurch kommt die Synthese von Tetrahydrofolsäure zum Erliegen, die Bakterien können sich nicht weiter vermehren. Die Wirkung ist daher bakteriostatisch, nicht bakterizid. Da der Mensch Folat nicht selbst synthetisiert, sondern über Transporter aufnimmt, beruht auf diesem Unterschied die selektive Toxizität der antibakteriellen Sulfonamide. Umgekehrt schwächt exogen zugeführte PABA die Wirkung von Sulfonamiden ab, da Bakterien bevorzugt PABA statt des Sulfonamids aufnehmen.
Medizinische Bedeutung
Ester-Lokalanästhetika
PABA ist der Grundkörper der Ester-Lokalanästhetika. Procain beispielsweise ist der PABA-Ester des Diethylaminoethanols. Im Plasma werden diese Substanzen durch die Pseudocholinesterase hydrolysiert, wobei der Aminoalkohol und PABA freigesetzt werden. Betroffen sind neben Procain auch Tetracain, Chloroprocain, Benzocain und Oxybuprocain. Amid-Lokalanästhetika werden dagegen hepatisch metabolisiert und liefern kein PABA. Bei atypischer oder verminderter Pseudocholinesterase-Aktivität ist der Abbau der Ester-Lokalanästhetika verzögert. Wirkdauer und Toxizitätsrisiko nehmen zu.
Allergologische Bedeutung
PABA gilt als das eigentliche Allergen der Ester-Lokalanästhetika. Echte allergische Reaktionen auf Lokalanästhetika sind mit weniger als 1 % aller unerwünschten Reaktionen selten und betreffen überwiegend den Estertyp. Die Mehrzahl der Ereignisse ist nicht-allergisch bedingt oder auf Hilfs- und Konservierungsstoffe zurückzuführen.[3]
Zwischen Ester- und Amid-Lokalanästhetika besteht keine Gruppenkreuzreaktion. Mehrdosenbehältnisse von Amiden enthalten jedoch häufig Methylparaben, das mit PABA kreuzreagieren kann.[4] Bei anamnestisch bekannter Lokalanästhetika-Allergie werden konservierungsmittelfreie Einmalampullen eines Amid-Lokalanästhetikums verwendet werden. Als parasubstituierte aromatische Amine kreuzreagieren zudem Sulfonamide, p-Phenylendiamin sowie PABA-Ester aus Sonnenschutzmitteln.
Kalium-4-aminobenzoat
Das Kaliumsalz der PABA (Kalium-Para-Aminobenzoat) ist in Deutschland zur Verminderung des Fortschreitens der Penisdeviation bei aktiver Induratio penis plastica mit einer Erkrankungsdauer unter zwei Jahren zugelassen.
Marker in der Diagnostik
Die renale Ausscheidung von PABA und N-Acetyl-PABA wird genutzt, um die Vollständigkeit einer 24-Stunden-Urinsammlung zu überprüfen.[2]
Kosmetika und UV-Filter
PABA absorbiert UVB-Strahlung und wurde früher als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln eingesetzt. In der Europäischen Union ist dieser Einsatz seit Oktober 2009 untersagt, da die geforderten Sicherheitsdaten nicht vorgelegt wurden. Der Stoff wurde aus der Positivliste der zugelassenen UV-Filter gestrichen und in die Liste der verbotenen Stoffe aufgenommen.[5] Zugelassen sind weiterhin PABA-Ester, insbesondere Ethylhexyldimethyl-PABA bis zu einer Konzentration von 8 %. Daneben dient PABA als Ausgangsstoff für Azofarbstoffe.
Toxikologie
Die akute Toxizität der PABA ist gering, eine kanzerogene Wirkung wurde nicht nachgewiesen. Klinisch relevant sind vor allem Überempfindlichkeitsreaktionen gegen parasubstituierte aromatische Amine. Unter therapeutischer Dosierung von K-PAB treten bei etwa 30 % der Patienten unerwünschte Wirkungen auf, überwiegend gastrointestinaler Art. Beschrieben sind zudem Anstiege der Leberwerte, immunallergische Hepatitis, Leukopenie, Thrombozytopenie sowie schwere Hautreaktionen einschließlich DRESS-Syndrom.
Quellen
- ↑ Wegkamp A, van Oorschot W, de Vos WM, Smid EJ. Characterization of the Role of para-Aminobenzoic Acid Biosynthesis in Folate Production by Lactococcus lactis. Appl Environ Microbiol. 2007;73(8):2673-2681.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Imai T, Tanaka K, Yonemitsu T et al. Elucidation of the Intestinal Absorption of para-Aminobenzoic Acid, a Marker for Dietary Intake. J Pharm Sci. 2017;106(9):2881-2888.
- ↑ Jiang S, Tang M. Allergy to Local Anesthetics is a Rarity: Review of Diagnostics and Strategies for Clinical Management. Clin Rev Allergy Immunol. 2022;64(2):193-205.
- ↑ Bina B, Hersh EV, Hilario M et al. True Allergy to Amide Local Anesthetics: A Review and Case Presentation. Anesth Prog. 2018;65(2):119-123.
- ↑ Europäische Kommission. Richtlinie 2008/123/EG der Kommission vom 18. Dezember 2008 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates über kosmetische Mittel zwecks Anpassung ihrer Anhänge II und VII an den technischen Fortschritt. ABl. L 340 vom 19.12.2008. Verfügbar unter: EUR-Lex.