Protozoen: Unterschied zwischen den Versionen

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==Definition==
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Der Begriff '''Protozoen''' ist eine veraltete, aber in der Medizin nach wie vor verwendete Bezeichnung für eine Gruppe sehr verschiedener [[einzellig]]er, [[eukaryont]]er [[Organismus|Organismen]]. Zusammen mit den einzelligen [[Alge]]n und [[Pilze]]n bilden sie das Unterreich der [[Protist]]en. Darunter versteht man alle einzelligen [[Lebewesen]] mit einem echten [[Zellkern]]. Während die Algen und Pilze dem Pflanzenreich zugeordnet werden, zählen die Protozoa zu den Tieren. Es handelt sich also bei den Protozoa um tierische Einzeller.
Der Begriff '''Protozoen''' ist eine veraltete, aber in der Medizin nach wie vor verwendete Bezeichnung für eine Gruppe sehr verschiedener [[einzellig]]er, [[eukaryont]]er [[Organismus|Organismen]].  


==Hintergrund==
==Hintergrund==
Zusammen mit den einzelligen [[Alge]]n und [[Pilze]]n bilden die Protozoen das Unterreich der [[Protist]]en. Darunter versteht man alle einzelligen [[Lebewesen]] mit einem echten [[Zellkern]]. Während die Algen und Pilze dem Pflanzenreich zugeordnet werden, zählen die Protozoa zu den Tieren. Es handelt sich also bei den Protozoa um tierische Einzeller.
Die Einteilung der Lebewesen in Systematiken wird fortlaufend aktualisiert und überarbeitet. In der wissenschaftlichen Literatur existieren deshalb verschiedene systematische Klassifikationen nebeneinander. Von einigen Autoren wird das [[Taxon]] "Protozoen" als [[obsolet]] angesehen.
Die Einteilung der Lebewesen in Systematiken wird fortlaufend aktualisiert und überarbeitet. In der wissenschaftlichen Literatur existieren deshalb verschiedene systematische Klassifikationen nebeneinander. Von einigen Autoren wird das [[Taxon]] "Protozoen" als [[obsolet]] angesehen.



Version vom 15. Mai 2021, 21:00 Uhr

Synonym: Protozoa, Urtierchen
Singular: Protozoon
Englisch: protozoa

Definition

Der Begriff Protozoen ist eine veraltete, aber in der Medizin nach wie vor verwendete Bezeichnung für eine Gruppe sehr verschiedener einzelliger, eukaryonter Organismen.

Hintergrund

Zusammen mit den einzelligen Algen und Pilzen bilden die Protozoen das Unterreich der Protisten. Darunter versteht man alle einzelligen Lebewesen mit einem echten Zellkern. Während die Algen und Pilze dem Pflanzenreich zugeordnet werden, zählen die Protozoa zu den Tieren. Es handelt sich also bei den Protozoa um tierische Einzeller.

Die Einteilung der Lebewesen in Systematiken wird fortlaufend aktualisiert und überarbeitet. In der wissenschaftlichen Literatur existieren deshalb verschiedene systematische Klassifikationen nebeneinander. Von einigen Autoren wird das Taxon "Protozoen" als obsolet angesehen.

Biologie

Protozoen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Größe und Morphologie. Sie sind heterotrophe Lebewesen, d.h. sie benötigen für Ihren Stoffwechsel von anderen Organismen aufgebaute Substanzen. Man unterscheidet kommensalische, mutualistische und parasitische Formen. Die parasitischen Formen haben eine wichtige Bedeutung als Krankheitserreger bei Tieren und Menschen. Es sind etwa 40 humanpathogene Arten bekannt.

Einteilung

Die Protozoen können nach morphologischen Gesichtspunkten in 4 Gruppen unterteilt werden:

Diese Einteilung wird in der Medizin zwar immer noch benutzt, ist aber veraltet. In der Biologie wird der Begriff "Protozoa" zwar noch verwendet und im allgemeinem Laboralltag auch die Einteilung genutzt, allerdings ist diese in Wirklichkeit sehr viel umfangreicher und schwieriger vorzunehmen als diese schlichte Einteilung es vermittelt.

Medizinische Bedeutung

Pathogene Protozoen können beim Menschen zahlreiche Erkrankungen (Protozoonosen) hervorrufen. Beispiele sind Malaria und Amöbenruhr.

Veterinärmedizinische Bedeutung

Die folgende Tabelle zeigt eine vereinfachte und selektive Klassifikation parasitischer Protozoen, die bei Tieren relevant sind:

Ordnung Familie Gattung
Stamm: Metamonada
Diplomonadida Hexamitidae Hexamita, Giardia, Octomitus, Spironucleus
Enteromonadida Enteromonadidae Enteromonas
Retortamonadida Retortamonadidae Chilomastix, Retortamonas
Stamm: Parabasala
Trichomonadida Monocercomonadidae Dientamoeba, Histomonas, Monocercomonas, Parahistomonas
Trichomonadidae Pentatrichomonas, Tetratrichomonas, Trichomitus, Trichomonas, Tritrichomonas
Cochlosomatidae Cochlosoma
Stamm: Euglenozoa
Unterstamm: Kinetoplasta
Trypanosomatida Trypanosomatidae Trypanosoma, Leishmania
Bodonida Bodonidae Cryptobia, Ichthyobodo, Trypanoplasma
Stamm: Percolozoa
Schizopyrenida Vahlkampfiidae Naegleria, Tetramitus, Vahlkampfia
Stamm: Alveolata
Unterstamm: Apicomplexa
Klasse: Coccidea
Adeleida Haemogregarinidae Haemogregarina
Karyolysidae Karyolysus
Hepatozoidae Hepatozoon
Klossiellidae Klosiella
Eimeriida Eimeriidae Caryospora, Cyclospora, Eimeria, Goussia, Cystoisospora, Tyzzeria, Wenyonella
Sarcocystidae Besnoitia, Hammondia, Neospora, Sarcocystis, Toxoplasma
Cryptosporiida Cryptosporiidae Cryptosporidium
Klasse: Haematozoea
Haemosporida Plasmodiidae Haemoproteus, Hepatocystis, Leucocytozoon, Plasmodium
Piroplasmida Babesiidae Babesia
Theileriidae Cytauxzoon, Theileria
Unterstamm: Dinoflagellata
Unterstamm: Ciliophora
Vestibuliferida Balantidiidae Balantidium
Pycnotrichidae Buxtonella
Isotrichidae Dasytricha, Isotricha
Entodiniomorphida Buetschliidae Buetschlia
Ophryoscolecidae Diplodinium, Eutodinium
Chlamydodontida Chilodonellidae Chilodonella
Hymenostomatida Ichthyophthiriidae Ichthyophthirius
Sessilida Epistylidae Epistylis, Apiosoma, Ambiophrya
Mobilida Trichodinidae Trichodina, Trichodinella, Tripartiella
Stamm: Amoebozoa
Entamoebida Entamoebidae Endolimax, Entamoeba, Iodamoeba, Malphighamoeba
Eumoebida Hartmannelidae Hartmannella
Thecamoebidae Thecamoeba
Leptomyxiidae Balamuthia
Centramoebida Acanthamoebidae Acanthamoeba
Stamm: Microspora
Microsporida Nosematidae Brachiola, Encephalitozoon, Enterocytozoon, Nosema, Thelohania
Pleistophoridae Glugea, Loma, Pleistophora, Trachipleistophora

Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke Verlag, 2008.