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Nebenwirkung

(Weitergeleitet von UAW)

Synonyme: UAW, unerwünschte Arzneimittelwirkung, ADE
Englisch: side effect, adverse drug reaction, adverse drug effect

1 Definition

Als Nebenwirkungen, kurz NW, bezeichnet man weitere, in der Regel unerwünschte Wirkungen eines Medikaments bzw. einer pharmakologischen Substanz, die zusätzlich zur gewünschten Hauptwirkung auftreten.

Im Gegensatz zu einem adverse event besteht bei einer Nebenwirkung ("adverse reaction") immer der Verdacht auf einen kausalen Zusammenhang mit der Einnahme des Medikaments. Die Nebenwirkungen eines Arzneistoffs bestimmen sein Nebenwirkungsprofil und damit seine Verträglichkeit.

2 Einteilung

2.1 ...nach Häufigkeit

Nebenwirkungen lassen sich nach der Häufigkeit ihres Auftretens unterteilen in:

 Kategorie  Häufigkeit
 sehr häufig  > 10 %
 häufig  1 - 10 %
 gelegentlich  0,1 - 1 %
 selten  0,01 - 0,1 %
 sehr selten  < 0,01 %
 nicht bekannt  nicht abschätzbar

Die Häufigkeit von Nebenwirkungen ist unter anderem vom pharmakologischen Profil einer Substanz und von ihrer Dosierung abhängig.

2.2 ...nach Arzneimittelmenge

Die klassische Einteilung nach Rawlins und Thompson (1977) umfasst zwei Typen von Nebenwirkungen:

2.2.1 Typ A

Typ-A-Nebenwirkungen (A für "augmented") sind dosisabhängig und reproduzierbar. Eine höhere Dosis führt zu stärkeren Nebenwirkungen. Typ-A-Nebenwirkungen sind der häufigste Nebenwirkungstyp. Beispiele sind gastrointestinale Nebenwirkungen von NSAID, anticholinerge Effekte unter trizyklischen Antidepressiva, die Digitalisintoxikation und das Serotonin-Syndrom unter SSRI. Diese Nebenwirkungen können durch Dosisreduktion abgemildert werden.

2.2.2 Typ B

Typ-B-Nebenwirkungen (B für "bizarre") sind dosisunabhängig, können also bereits durch geringe Dosierungen ausgelöst werden. Sie treten in der Regel unerwartet auf, sind selten und nicht reproduzierbar. Beispiele sind die Penicillin-Hypersensitivität, die maligne Hyperthermie, das DRESS-Syndrom, das Stevens-Johnson-Syndrom oder die Abacavir-Hypersensitivität. Typ-B-Nebenwirkungen lassen sich nur durch das Absetzen und Vermeiden des Medikaments abstellen.

2.2.3 Typ C bis F

Nach klinischen und ätiologischen Gesichtspunkten definierten Edwards und Aronson (2000) weitere vier Typen von Nebenwirkungen:[1]

2.3 ...nach therapeutischer Konsequenz

  • Dosislimitierende Nebenwirkungen: Die Nebenwirkungen beeinträchtigen die Gesundheit des Patienten so stark, dass die Behandlung mit dem Arzneimittel abgebrochen werden muss.
  • Nicht dosislimitierende Nebenwirkungen: Nebenwirkungen sind zwar vorhanden, die Therapie kann aber weiter geführt werden.

3 Beispiele

Das Spektrum möglicher Nebenwirkungen von Medikamenten reicht von relativ harmlosen Begleiterscheinungen (z.B. Kopfschmerzen, Müdigkeit, Exanthem) bis hin zu Wirkungen, deren Schaden den Nutzeffekt des Medikamentes übersteigt. Ein Extremfall trat im Fall des Schlafmittels Contergan auf, das Missbildungen bei Embryos auslöste (und deshalb vom Markt genommen werden musste).

4 Meldung

Nebenwirkungen eines Medikaments können unter Verwendung der entsprechenden Formulare an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn (BfArM) gemeldet werden. Ärzte sind nach § 6 der Musterberufsordnung (MBO) verpflichtet, alle unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) zu melden. Faktisch wird dieser Verpflichtung allerdings in den wenigsten Fällen nachgekommen.

5 Quellen

  1. Edwards R, Aronson JK Adverse drug reactions: definitions, diagnosis, and management, The Lancet, Vol. 356(9237), 1255-1259, 2000, abgerufen am 17.09.2019

Tags:

Fachgebiete: Arzneimittel, Pharmakologie

Passus ergänzt. Thx.
#2 am 15.02.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Ich frage mich gerade, ob die Meldungen von UAWs an das BfArM nicht durch neue EU-Verordnungen verpflichtend geworden ist/wird und nicht wie oben formuliert freiwillig ist.
#1 am 14.02.2018 von Dr. Andreas Breß (Biologe)

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