Unerwünschtes Arzneimittelereignis
Definition
Ein unerwünschtes Arzneimittelereignis, kurz UAE, bezeichnet jedes schädliche oder unbeabsichtigte medizinische Ereignis im Zusammenhang mit der Anwendung eines Arzneimittels. Dazu zählen auch Fehlverordnung, Fehlanwendung, Überdosierung, Interaktionen und sonstiger Medikationsfehler, unabhängig davon, ob ein kausaler Zusammenhang mit der pharmakologischen Wirkung besteht.
Hintergrund
UAEs dienen der umfassenden Erfassung aller schädlichen Vorkommnisse im Rahmen einer Arzneimiteltherapie und bilden eine wesentliche Grundlage der Arzneimittelsicherheit und Pharmakovigilanz. Sie ermöglichen die systematische Analyse arzneimittelbezogener Risiken einschließlich vermeidbarer und nicht vermeidbarer Ereignisse.
Abgrenzung
Das unerwünschte Arzneimittelereignis ist vom Begriff der unerwünschten Arzneimittelwirkung abzugrenzen:
- Unerwünschtes Arzneimittelereignis (UAE): schädliches Ereignis im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit einer Arzneimittelanwendung, ohne Voraussetzung eines gesicherten Kausalzusammenhangs; schließt Medikations- und Behandlungsfehler ausdrücklich ein
- Unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW): schädliche und unbeabsichtigte Reaktion auf ein Arzneimittel bei bestimmungsgemäßem Gebrauch mit wahrscheinlichem ursächlichem Zusammenhang
Das UAE ist damit der übergeordnete Sammelbegriff, der sowohl pharmakologisch bedingte Reaktionen als auch Fehler im Medikationsprozess umfasst.
Einteilung
Unerwünschte Arzneimittelereignisse lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen:
...nach Schweregrad
- leicht (vorübergehend, keine oder minimale Therapie erforderlich)
- mittelschwer (zusätzliche diagnostische oder therapeutische Maßnahmen notwendig)
- schwerwiegend (lebensbedrohlich, hospitalisationspflichtig, bleibende Schäden oder Tod)
...nach Art des Ereignisses
- pharmakologisch bedingte Reaktionen
- toxische Effekte
- allergische oder immunologische Reaktionen
- Arzneimittelinteraktionen
- Medikationsfehler (z. B. falsche Substanz, Dosis, Applikationsform oder Therapiedauer)
Risikofaktoren
Das Auftreten unerwünschter Arzneimittelereignisse wird begünstigt durch:
- Polypharmazie
- höheres Lebensalter
- eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion
- Multimorbidität
- geringe therapeutische Breite bestimmter Wirkstoffe
- komplexe Dosierungs- und Einnahmeregime
Klinische Bedeutung
Unerwünschte Arzneimittelereignisse sind eine Ursache vermeidbarer Morbidität. Sie können zu Therapieabbrüchen, verlängerten Krankenhausaufenthalten, bleibenden Gesundheitsschäden und erhöhter Mortalität führen.
Die systematische Erfassung von UAE ermöglicht die Identifikation sicherheitsrelevanter Schwachstellen im Medikationsprozess und trägt zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei.
Prävention
Zur Reduktion unerwünschter Arzneimittelereignisse tragen bei:
- sorgfältige Indikationsstellung und Nutzen-Risiko-Abwägung
- regelmäßige Überprüfung der Gesamtmedikation
- Beachtung von Kontraindikationen und Interaktionen
- individuelle Dosisanpassung
- strukturierte Medikationspläne
- Schulung von medizinischem Personal und Patienten
Literatur
- Stausberg J., Hasford J.: Erkennung von unerwünschten Arzneimittelereignissen. Dtsch Arztebl Int 2010