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Tracheobronchomegalie

nach Pierre-Louis Mounier-Kuhn (1901-1998), französischer HNO-Arzt
Synonym: Mounier-Kuhn-Syndrom, MKS
Englisch: tracheobronchomegaly, Mounier-Kuhn syndrome

1 Definition

Die Tracheobronchomegalie, kurz TBM, ist definiert als eine pathologische Dilatation der Trachea und der Hauptbronchien während der Inspiration.

2 Epidemiologie

Die genaue Prävalenz der Tracheobronchomegalie ist unklar. Mit ungefähr 300 publizierten Fällen handelt es sich um eine sehr seltene Erkrankung, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung liegt bei ca. 46 Jahren. Männer sind vier- bis achtmal häufiger betroffen als Frauen.

3 Ätiologie

Die Ursache der Tracheobronchomegalie ist derzeit (2021) noch nicht abschließend erforscht. Pathohistologisch zeigt sich eine Atrophie der elastischen Fasern (Elastolyse) und der glatten Muskulatur in der Wand der proximalen Atemwege.

Ursprünglich wurde eine kongenitale Form (Mounier-Kuhn-Syndrom im engeren Sinne) von einer erworbenen Tracheobronchomegalie (z.B. bei Lungenfibrose) abgegrenzt. Ein autosomal-rezessiver Erbgang erscheint entgegen früherer Annahme unwahrscheinlich. Neben der Hypothese einer angeborenen Fehlbildung wird auch eine Bronchiolitis als Vorläufer der Tracheobronchomegalie vermutet: Der verminderte Luftstrom in den Bronchiolen führt zur Erweiterung der vorgeschalteten Atemwege. Ob rekurrierende Atemwegsinfekte eine Folge oder eine Ursache der Tracheobronchomegalie darstellen, ist umstritten.

Weiterhin wird in der Literatur häufig eine Assoziation mit folgenden Erkrankungen beschrieben:

Diese Assoziationen werden zunehmend angezweifelt und u.a. als koinzidentes Auftreten gewertet.

4 Einteilung

Nach klinisch-ätiologischen Punkten unterscheidet man:

5 Pathophysiologie

Die namensgebende Dilatation der proximalen Atemwege liegt nur während der Inspiration vor. Die verminderte Wandstabilität kann während der Expiration zu einem Kollaps und einer obstruktiven Ventilationsstörung führen. Häufig entwickeln sich tracheale Divertikel.

Da die mukoziliäre Clearance eingeschränkt ist, werden gehäuft bakterielle Bronchitiden und Pneumonien beobachtet. Viele betroffene Patienten entwickeln im Laufe der Zeit Bronchiektasen.

6 Klinik

Die Tracheobronchomegalie verläuft anfangs oft asymptomatisch. Im Verlauf treten rekurrierende Atemwegsinfektionen mit Husten, (Belastungs-)Dyspnoe und ggf. Hämoptysen auf. Auch die Entwicklung eines bullösen Lungenemphysems mit dem Risiko eines Pneumothorax ist beschrieben.

7 Diagnostik

Am Anfang stehen die Anamnese und die körperliche Untersuchung, welche in der Regel jedoch unauffällig ist. Mögliche Befunde sind Trommelschlegelfinger sowie Rasselgeräusche und Pfeifen bei der Lungenauskultation. Bei infektiösen Exazerbationen treten Fieber, Tachypnoe und Tachykardie auf.

Zusätzlich wird eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt, bei der sich in schweren Fällen eine obstruktive Ventilationsstörung mit verminderter Einsekundenkapazität nachweisen lässt. Der Metacholintest ist meist unauffällig.

Die BGA ergibt in der Regel normale Werte. In Einzelfällen zeigt sich eine hyperkapnische respiratorische Insuffizienz.

Weiterhin wird ein Röntgen-Thorax angefertigt, um andere Erkrankungen ausschließen zu können. Die Computertomographie erlaubt eine detaillierte Darstellung der erweiterten proximalen Atemwege. Der physiologische Durchmesser der Trachea beträgt koronal 2,5 cm bei Männern und 2,1 cm bei Frauen. Um die Diagnose einer Tracheobronchomegalie zu stellen, sollten bei Erwachsenen jedoch folgende Grenzwerte verwendet werden:

  • Trachea (2 cm oberhalb des Aortenbogens): 3,0 cm
  • rechter Hauptbronchus: 2,4 cm
  • linker Hauptbronchus: 2,3 cm

Zur Sicherung der Diagnose erfolgt außerdem eine Bronchoskopie. Hier fällt neben dem erweiterten Tracheallumen der exspiratorische Kollaps auf.

8 Differenzialdiagnosen

9 Therapie

10 Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Schwere der Erkrankung und der Ausbildung von Komplikationen. Wenn sich bereits Bronchiektasen entwickelt haben, ist die Prognose eingeschränkt.

11 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Mai 2021 um 07:50 Uhr bearbeitet.

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