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Reisediarrhoe

Synonyme: Reisediarrhö, Reisedurchfall, "RD"
Englisch: traveler's diarrhea

1 Definition

Eine Reisediarrhoe ist eine Infektion des Gastrointestinaltrakts, die im Rahmen einer Reise auftritt und mit Durchfall einhergeht. Meist wird sie durch toxinbildende Bakterien verursacht. Es handelt sich um die mit Abstand häufigste Reisekrankheit.

  • ICD10-Code: A09 - Diarrhoe und Gastroenteritis, vermutlich infektiösen Ursprungs

2 Erreger

Bei Erwachsenen lösen in mehr als 80% der Fälle Bakterien die Reisediarrhoe aus - der Rest wird durch Viren oder Protozoen verursacht. Bei Kindern stehen demgegenüber meist Viren im Vordergrund.

Häufigste bakterielle Erreger sind enterotoxische Escherichia coli (ETEC), daneben spielen Shigellen und Salmonellen eine Rolle. Campylobacter spp., Yersinien oder Aeromonas spp. trifft man seltener an. Meist wird die Diarrhoe durch eine Enterotoxinbildung der Erreger unterhalten, es können aber auch enteroinvasive Pathogene vorliegen.

Die lokale Bevölkerung ist gegenüber den Erregern durch die ständige Exposition immun.

3 Risikogebiete

Reisediarrhoen treten typischerweise bei Reisen in die Tropen oder Subtropen auf, in den die klimatischen Bedingungen eine Infektion begünstigen. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern mit eingeschränkten hygienischen Standards - vor allem in Afrika, Asien oder Lateinamerika.

4 Klinik

Zu den möglichen Symptomen einer Reisediarrhoe zählen:

Die Erkrankung dauert durchschnittlich 3-5 Tage und verläuft in den meisten Fällen selbstlimitierend. Nur 10% der Patienten sind länger als 1 Woche krank. Etwa 20% aller Fälle verlaufen schwerer und verlangen ggf. Bettruhe. Das Auftreten von Blut oder Schleim im Stuhl in Verbindung mit stärkeren Bauchschmerzen ist ein Warnsignal, das weitere diagnostischer Abklärung bedarf.

5 Prophylaxe

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Reisediarrhoe zu erkranken, lässt sich durch das eigene Verhalten - mit Vermeidung infizierter Nahrungsmittel - deutlich reduzieren. Die griffigste Regel ist "Peel it, Boil it, Cook it or Forget it!", d.h.

  • nur frisch gekochte, gebratene oder frittierte Speisen zu sich nehmen
  • nicht kochbare Lebensmittel (z.B. Obst) vor dem Verzehr schälen
  • Wasser abkochen bzw. filtern oder original verschlossene Getränke verwenden

Impfungen sind nur gegen schwerere Darminfektionen wie Cholera und Typhus verfügbar. Die Choleraimpfung wird wg. ihrer Kreuzreaktivität auch gegen ETEC eingesetzt. Eine medikamentöse Prophylaxe der Reisediarrhoe ist nur in Ausnahmefällen (z.B. bei immunsupprimierten Patienten) sinnvoll.

6 Therapie

Bei schweren Verlaufsformen (mehr als 3 Stuhlgänge in 8 Stunden) sollte medizinisch interveniert werden, vor allem wenn Übelkeit, Erbrechen oder Fieber hinzutreten.

6.1 Antibiotika

Mittel der Wahl für die antibiotische Behandlung sind Fluorchinolone über 3 bis 5 Tage. Gegenüber Sulfonamiden und Doxycyclin sind viele Erreger bereits resistent. Hält der Durchfall trotz antibiotischer Behandlung an, können eine Amöbenruhr, eine Giardiasis, Darmparasiten oder eine Cholera vorliegen.

6.2 Antidiarrhoika

Antidiarrhoika können die Symptomatik verbessern. Motilitätshemmer wie Loperamid sind zwar als Bestandteil der Reiseapotheke beliebt, werden aber kontrovers diskutiert, da sie die Darmpassagezeit verlängern und unter Umständen verhindern, dass Toxine und Erreger in notwendigem Umfang ausgeschieden werden. Quellstoffe sind in der akuten Phase meist wirkungslos. Adsorbentien wie Medizinalkohle können den Verlauf positiv beeinflussen. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht durch kontrollierte klinische Studien dokumentiert.

6.3 Rehydration

Bei länger anhaltenden Verläufen ist der Ersatz von verlorenem Wasser und Elektrolyten notwendig, besonders bei hohen Temperaturen und körperlicher Anstrengung. Die WHO empfiehlt die Mischung einer geeigneten Trinklösung, ebenso existieren wasserlösliche Fertigpräparate in Pulverform unter der Gattungsbezeichung "Oral Rehydration Solutions" (ORS). ORS sind in der Regel in Apotheken erhältlich, können aber auch selbst angemischt werden. Zusätzlich zu großen Mengen an Natrium, wenig Kalium und Chlorid-Ionen enthalten diese Lösungen Glukose und gegebenenfalls zusätzlich Stärke, welche die Absorption von Wasser und Natrium im Dünndarm fördern. Dies Absorption funktioniert auch bei toxin-induzierter sekretorischer Diarrhoe, was einen Vorteil gegenüber normalem Trinkwasser darstellt.

7 Trivia

Für eine Reisediarrhö gibt es zahlreiche länderspezifische Synonyme wie "Pharaos Rache", "Fluch des Pharao" oder "Montezumas Rache".

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