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Prämedikation (Katze)

Synonyme: Sedierung, Sedation
Englisch: premedication

1 Definition

Unter einer Prämedikation bzw. Sedation versteht man die medikamentöse Vorbereitung einer Katze vor einer Narkose (Allgemeinanästhesie). Sie dient der allgemeinen Ruhigstellung des Tieres und erleichtert alle weiteren Maßnahmen.

2 Hintergrund

Die Prämedikation dient dazu, die Katze für den bevorstehenden Eingriff (z.B. Operation) vorzubereiten. Nach einer umfassenden Anamnese und klinischen Untersuchung ist eine ASA-Klassifikation durchzuführen. Hierfür wird anhand des Gesundheitsstatus des Tiers und des geplanten Eingriffs vom Anästhesisten ein Anästhesieprotokoll erstellt.

3 Besonderheiten

Bevor das Anästhesieprotokoll erstellt wird, müssen unbedingt verschiedene Tier- bzw. Rasse-spezifische Besonderheiten berücksichtigt werden:

3.1 Physiologie

Katzen verstoffwechseln Medikamente anders als fast alle anderen Haussäugetiere. Grund hierfür ist die Adaptation an eine extrem karnivore Ernährungsweise. Wirkstoffe, die über die Leber metabolisiert werden, sind hierbei besonders betroffen. Aufgrund einer niedrigen Cytochrom P450-Enzymaktivität (Phase 1 des Leberstoffwechsels) und der gleichzeitig niedrigen Glucuronyltransferase-Konzentration (Phase 2 des Leberstoffwechsels) erfolgt die Konjugation im Rahmen der Metabolisierung deutlich langsamer mit Sulfat. Infolge dessen kommt es rasch zu einer Akkumulation der verschiedenen Arzneistoffe (z.B. Diazepam, Ketamin u.a.), was wiederum in einer veränderten Wirkungsweise resultiert.

3.2 Medikamente

Da Katzen besonders empfindlich gegenüber den depressiven Effekten von Inhalationsanästhetika sind, wird das kardiovaskuläre System während der Narkose teils stark beeinträchtigt. Die alleinige Gabe von Opioiden hingegen führt bei Katzen zu einer (glücklichen) Aufregung. Abhängig von der Dosis kommt es durch eine zusätzliche Stimulation der dopaminergen Rezeptoren (Miosis) zu einer hochgradigen Dysphorie.

Die Applikation von Benzodiazepinen führt zu einer "freundlichen" Aufregung, sodass keine ausreichende Sedierung erreicht wird. Gleichzeitig wird durch die mehrmalige Verabreichung von Propofol die Bildung von Heinz-Körperchen begünstigt. Durch den mangelhaften Abbau in der Milz kommt es daher zu vermehrten oxidativen Schäden und zu einer klinisch relevanten hämolytischen Anämie.

3.3 Erkrankungen

Bei einigen Katzenrassen müssen Anästhesie-relevante Krankheiten berücksichtigt werden:

Erkrankung Rasse Ursache Resultat
HCM
  • Devon Rex
  • Maine Coon
  • Ragdoll
  • Amerikanische/Britisch Kurzhaar
PKN
  • Perser
  • Maine Coon
  • Britisch Kurzhaar
  • Kartäuser
  • Norwegische Waldkatze
  • Perser-Mix-Nachkommen
Myopathie/
Spastizität
  • Devon Rex
  • Cornish Rex
  • Sphynx
  • kein Ketamin anwenden

4 Protokolle

Die Wahl der passenden Prämedikation hängt vom ASA-Status des Patienten, den jeweiligen Begleiterkrankungen, der Handhabbarkeit des Tiers und der Dauer bzw. Schmerzhaftigkeit des Eingriffs ab. Aufgrund der Mentalität der Tiere ist daher eine intramuskuläre Sedierung einer intravenösen Verabreichung vorzuziehen.

Wirkstoffe Dosierung
(mg/kgKG)
Verabreichung Information
ASA-Klassifizierung 1-3
  • 0,02-0,1
  • 0,1-0,2

Mischspritze i.m./i.v.

  • beim gesunden, freundlichen aber nervösen Tier
  • verzögerter Wirkungseintritt (ca. 30 Minuten)
  • leichte Sedierung, gute Analgesie und Anxiolyse
  • 0,2
  • 0,05-0,01
  • 1-3

Mischspritze i.v.

  • bei wenig handhabbaren Katzen
  • weitgehend kreislaufschonend
  • durch Zugabe von Ketamin wird die Sedierung vertieft
ASA-Klassifizierung 3-4
  • Butorphanol und
  • Medetomidin und
  • Ketamin
  • 0,2
  • 0,005
  • 1-3
Mischspritze i.m.
  • bei aggressiven Katzen
  • 0,2
  • 0,2
  • 0,2
  • Mischspritze i.m./i.v.
  • Diazepam i.v., nicht mischen
  • freundliche Katzen
  • flache Sedierung
  • kreislaufschonend
  • voll antagonisierbar
  • 1-5
  • 0,2
  • 0,2
  • 0,2
  • 0,2
  • Mischspritze i.m./i.v.
  • Diazepam i.v., nicht mischen
  • tiefe Sedierung
  • kreislaufschonend
  • Alfaxalon kann durch Ketamin (1-2 mg/kgKG) ersetzt werden

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

5 Literatur

  • Eberspächer-Schweda E. 2017. MemoVet, AnästhesieSkills, Perioperatives Management bei Klein-, Heim- und Großtieren. Stuttgart: Schattauer GmbH. ISBN: 978-3-7945-3055-7

Diese Seite wurde zuletzt am 7. Oktober 2021 um 17:26 Uhr bearbeitet.

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